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Nach wie vor werden die Enten an Teichen nahe dem Lüdersburger Golfplatz gefüttert. Wie lange die sogenannte Aussetzungsfütterung dauern darf, ist rechtlich nicht eindeutig geregelt. Ausgesetzt wurden die Tiere bereits im Frühjahr. Foto: nh
Nach wie vor werden die Enten an Teichen nahe dem Lüdersburger Golfplatz gefüttert. Wie lange die sogenannte Aussetzungsfütterung dauern darf, ist rechtlich nicht eindeutig geregelt. Ausgesetzt wurden die Tiere bereits im Frühjahr. Foto: nh

Lüdersburger Trippelschritte

ml Lüdersburg. Die Mühlen der Verwaltung mahlen Thomas Mitschke zu langsam. Monatelang hat der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Lüneburg in und um Lüdersburg recherchiert und dokumentiert. Ende Juli überreichte der Naturschützer seine fast 130 Seiten starke Akte an den Landkreis Lüneburg als Aufsichtsbehörde. Darin festgehalten hat Mitsch­ke mutmaßliche Verstöße gegen Wasser-, Naturschutz- und Jagdgesetze. Im Fokus steht die Freiherr von Spoercken GmbH, die die Jagd Lüdersburg betreibt ein rund 1800 Hektar großes Revier, zu dem auch ein rund 200 Hektar großes Jagdgatter gehört (LZ berichtete).

Zwar sieht der Kreis nach mehreren Ortsterminen die Vorwürfe in Teilen bestätigt, auch hat der Betreiber Versäumnisse eingeräumt und einige Missstände bereits beseitigt, die der Nabu anprangert. Doch in den wesentlichen Punkten treten die Behörden aus Sicht von Mitschke auf der Stelle. „Beinahe vier Monate (sind) vergangen, und ich vermisse in Lüdersburg … eindeutige Veränderungen“, schreibt Lüneburgs Nabu-Chef jetzt in einem offenen Brief an Landrat Manfred Nahrstedt (SPD).

Während der Kreis die rechtliche Bewertung der vom Nabu kritisierten dauerhaften Fütterung von Wildtieren im Lüdersburger Jagdgatter an das Landwirtschaftsministerium als oberste Jagdbehörde abgegeben hat, müsste der Kreis aus Sicht von Mitschke an den Ententeichen nahe den Lüdersburger Golfplätzen umgehend tätig werden. „Die Rechtslage ist für mich eindeutig“, sagt der Naturschützer.

Seit Jahren werden an den Teichen im Frühjahr bis zu 3000 Enten ausgesetzt, in den folgenden Monaten gefüttert, bevor im Herbst die Entenjagden der Freiherr von Spoercken GmbH beginnen. Wasserproben des Kreises haben ergeben, dass die Gewässerqualität schlecht ist, teilweise „ungeklärtem häuslichem Abwasser“ entspricht. Ursache ist laut Kreis der hohe Eintrag an Nährstoffen und Fäkalien durch das Aussetzen und Füttern der Enten. Auch fehlen für den Ausbau der Teichanlagen in den vergangenen Jahren wasserbaurechtliche Genehmigungen. Der Hamburger Anwalt der Freiherr von Spoercken GmbH, Dr. Florian Asche, hat Versäumnisse in diesem Bereich von Anfang an eingeräumt. Nun prüft der Kreis, welche der Maßnahmen nachträglich genehmigt werden können und in welchen Bereichen Erweiterungen möglicherweise zurückgebaut werden müssen.

In seinem Brief an den Landrat prangert Mitschke besonders an, dass der Kreis an den Ententeichen nicht tätig geworden ist. Er schreibt: „Noch immer werden die Enten ohne Not gefüttert, werden massiv Nährstoffe und Fäkalien in die Teiche eingebracht.“ Und weiter: „Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Wasser seit Wochen in den benachbarten Pferdewiesengraben und von da in die Bruchwetter abgeleitet wird“, kritisiert der Nabu-Chef.

Der zuständige Fachbereichsleiter Wolfram Kallweit verweist auf einen Ortstermin am 12. November an den Ententeichen. „Vereinbart worden ist zwischen dem Betreiber und der Unteren Wasserbehörde des Kreises, dass der Abfluss des Teichwassers in den Graben umgehend zu unterbinden ist.“ Zuvor war laut Kreis und auch Asche festgestellt worden, dass die Sperrbretter am Stauwehr zwischen Teich und Graben nicht nur gezogen, sondern komplett entfernt wurden. Nicht von Mitarbeitern der von Spoercken GmbH, beteuert Asche. „Offensichtlich haben Dritte an dem Stau laboriert“, sagt der Anwalt. Das Stauwehr sei inzwischen jedoch wieder intakt. Davon hat sich auch Mitschke inzwischen überzeugt.

Als „unbefriedigend“ bezeichnet Kallweit unterdessen die Situation mit Blick auf die Fütterung der Enten. Vom Betreiber als „Aussetzungsfütterung“ deklariert, sei dies rechtlich zwar zulässig, „doch kann ich mir nicht vorstellen, dass auf dieser Grundlage über Monate hinweg gefüttert werden darf“, sagt Kallweit. Doch sei das Jagdrecht auch in diesem Punkt, „nicht so genau, wie es zu wünschen wäre“. Im Klartext: Im Gesetz finden sich keine Aussagen zur Dauer einer Aussetzungsfütterung. „Deshalb haben wir auch diesen Punkt zur Bewertung ans Landwirtschaftsministerium gegeben“, sagt Kallweit.