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Soziale Organisationen in und um Lüneburg müssen mit weniger Zuschüssen aus Brüssel rechnen. Foto: A./t&w
Soziale Organisationen in und um Lüneburg müssen mit weniger Zuschüssen aus Brüssel rechnen. Foto: A./t&w

Das Ende der Fördermillionen

ca Lüneburg. Die Region hat sich in den vergangenen Jahren Dank der Millionen aus Brüssel manche Wohltat geleistet. Doch nun ist es vorbei mit dem Ziel-1-Gebiet, und damit plätschern die Fördermittel der Europäischen Union nicht mehr so üppig wie in den vergangenen Jahren, als die ungleichen Lebensverhältnisse, unter denen der ehemalige Regierungsbezirk nach EU-Maßstäben litt, nivelliert werden sollten. Die neue Richtlinie hat Folgen unter anderem im sozialen Bereich, Bildungsträger und andere Einrichtungen wollen reagieren.

Die Herbergsvereins-Tochter Neue Arbeit, hat den Beschäftigten nun bei einer Betriebsversammlung das „Konzept Neue Arbeit 2020“ vorstellt. Michael Elsner, Geschäftsführender Vorstand, be­richtet, dass die Hälfte der öffentlichen Förderung von 1,5 Millionen Euro wegfällt. Aus diesen Mitteln wurden auch Projekte für Langzeitarbeitslose gespeist. Aktuell will die Neue Arbeit ihr Angebot anders strukturieren und neue Geldquellen erschließen.

Elsner sagt, klare Auswirkungen gebe es im gastronomischen Bereich. So betreibt der Verein eine Mensa in Volgershall, die auch Kitas und Schulen mit Mittagessen versorgt. Der Sieben-Tage-Betrieb soll auf eine Fünf-Tage-Woche umgestellt werden. Weiterführen will die Neue Arbeit die Cafés im Kloster Lüne und im Kurpark, sie hofft, in Zukunft auch im neuen Museum vertreten zu sein.

Wie die Veränderungen sich im Detail für die Mitarbeiter auswirken, ob es gar zu Kündigungen kommt, soll in den kommenden Wochen gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung geklärt werden.

Betroffen ist auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die mit dem Herbergsverein gemeinsam den Träger Job.sozial betreibt. Job.sozial war eingebunden, als die historischen Nachbauten von Ewer und Prahm entstanden, hat die Eisenbahnlinie nach Bleckede wieder auf Vordermann gebracht und restauriert aktuell Eisenbahnwaggons. Ziel: Langzeitarbeitslosen Chancen auf reguläre Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Alles möglich dank Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Awo-Geschäftsführer Günter Wernecke sieht wie Elsner neue Herausforderungen auf seinen Sozialbetrieb zukommen. Er geht davon aus, dass Angebote gestrichen, zumindest aber stark eingeschränkt werden müssen. Noch sei nicht klar, in welchem Umfang der ESF kommendes Jahr Fördermittel ausschüttet. Doch dass es ein Minus gibt, sei klar.

Andere wie die Arbeitsverwaltung müssten dann ihre Zuschüsse erhöhen. Aber es sei fraglich, in welchem Umfang das geschehe. Auch Stadt und Kreis könnten stärker gefordert sein. Allerdings ist auch Wernecke klar, dass die Kommunen ihre Schatulle nicht in ein Füllhorn verwandeln werden: „Die öffentliche Haushalte sind leer.“ Zudem sollen sie Schulsozialarbeit fördern, auch müssen sie mehr Geld für Flüchtlinge aufwenden, deren Zahl überdies steigt.

Eine Hoffnung richtet sich nach Berlin. Die Bundesregierung wolle Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen, sagt der Awo-Chef. Es könne also sein, dass der Bund Geld in Förderprogramme steckt. Aber das bleibt abzuwarten. Wernecke geht davon aus, dass sich erst im kommenden Frühjahr zeigt, wohin die Reise geht.