Dienstag , 27. September 2016
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Veterinär Thomas Volkstorf begutachtet die Blutproben, die er ins Laves nach Oldenburg schickt. Dort werden sie auf Influenza-Viren untersucht. Seniorchef Dirk Backeberg (r.) und Sohn Daniel machen sie aber keine Sorgen. Seit zehn Jahren lassen sie ihren Bestand untersuchen. Foto: t&w
Veterinär Thomas Volkstorf begutachtet die Blutproben, die er ins Laves nach Oldenburg schickt. Dort werden sie auf Influenza-Viren untersucht. Seniorchef Dirk Backeberg (r.) und Sohn Daniel machen sie aber keine Sorgen. Seit zehn Jahren lassen sie ihren Bestand untersuchen. Foto: t&w

Gänseblut im Reagenzglas

kre Wittorf/Lüneburg. Der Weg der Gänse und Enten auf dem Hof Backeberg in Wittorf ist vorgezeichnet: So aufgeregt das Federvieh in diesen Tagen auch über die Wiese schnattert, spätestens zum Weihnachtsfest werden sie wohl als Festtagsbraten auf dem Tisch liegen. Das ist das unausweichliche Los für das wohlschmeckende Geflügel.
Seniorchef Dirk Backeberg schaut dem Treiben seiner Gänse zu. Neben ihm steht Kreisveterinär Thomas Volkstorf. Der hält in seinen Händen mehrere Ampullen mit Blutproben frisch entnommen von gerade geschlachteten Gänsen und Enten. „Die Proben werden eingeschickt an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg“, sagt Volkstorf, „dort werden sie auf Influenza-Viren untersucht“.

Nicht, dass es dazu irgendeinen Anlass auf dem Hof Backeberg gäbe. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagen Volkstorf und Backeberg. Denn seit vor wenigen Tagen in einem Bestand in Mecklenburg-Vorpommern die Geflügelpest festgestellt wurde, geht man auch im Landkreis Lüneburg erneut auf Nummer sicher.

An der Geflügelhaltung der Backebergs hat Veterinär und Tierseuchenbekämpfer Volkstorf nichts auszusetzen. Trotzdem gibt er im Gespräch mit der LZ noch einmal grundsätzliche Verhaltensregeln: „Alle Geflügelhalter und Privatpersonen, die ihr Geflügel im Freiland halten, sind zur Einhaltung von hygienischen Schutzmaßnahmen aufgefordert, auch Kleinsthalter von Geflügel, die Hühner, Enten, Gänse oder Puten trotz der allgemeinen Registrierungspflicht noch nicht beim Veterinäramt angemeldet haben, müssen dies nun unbedingt nachholen.“

Da zurzeit der Herbstvogelzug stattfindet, sei die Gefahr einer Ansteckung von weiteren Geflügelbeständen durch Wildvögel besonders hoch, warnt auch das Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Alle Verbände wurden aufgefordert, ihre geflügelhaltenden Mitglieder zu unterrichten und anzuhalten, die Bestimmungen der Geflügelpest-Verordnung besonders aufmerksam zu beachten.

„Folgendes ist dabei besonders wichtig“, sagt Veterinär Volkstorf: Geflügel, das nicht ausschließlich in Ställen gehalten wird, darf nur an Stellen gefüttert werden, die Wildvögeln nicht zugänglich sind. Die Tiere dürfen nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Auch Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, muss für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.

Doch während das Niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft Umweltschutz und Verbraucherschutz befürchtet, dass die Vogelgrippe vor allem durch Wildvögel eingeschleppt werden könnte, schätzt der Naturschutzbund Deutschand (NABU) diese Gefahr als eher gering ein. „Ein viel größeres Risiko für die Verbreitung des Virus sei vielmehr in Massentierhaltungen sowie den weltweiten Transporten von Tieren und Futtermitteln zu suchen“, betont der Naturschutzbund in seiner Pressemitteilung.

Und weiter heißt es dort unter anderem: „Es gibt keine direkten Vogelzugwege zwischen Ostasien wie China und Südkorea und Westeuropa“, gibt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann zu bedenken. Bruteier und Eintagsküken hingegen reisten weltweit um ein Tausendfaches häufiger herum als Zugvögel und hätten daher weitaus besseren Zugang zu den Ställen als Wildvögel. Daher sei die Ursache für die Verbreitung des Vogelgrippevirus H5N8-Virus eher bei den Praktiken und Warenströmen der modernen Geflügelhaltung zu suchen, als bei ziehenden Wildvögeln“, schlussfolgern die Naturschützer.

Aggressiver Virus
Im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist in einem Bestand mit rund 31 000 Puten das gefährliche Geflügelpestvirus (H5N8) festgestellt worden. Die Tiere wurden umgehend getötet und es sind umfangreiche weitere Maßnahmen in angrenzenden Gebieten eingeleitet worden, um eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest zu verhindern. Der bisher nur aus dem asiatischen Raum, vor allem Südkorea, bekannte Typ der Geflügelpest ist für sämtliches Geflügel hochgradig ansteckend und aggressiv, eine Übertragung auf den Menschen wurde bisher jedoch noch nicht beobachtet.

One comment

  1. Entgegen der Meinung vom Nabu braucht man keinen direkten Weg von Asien nach Europa eines Zugvogels, es reicht wenn sich verschiedene Vogelarten an den gleichen Orten niederlassen zum Rasten und zur Nahrungsaufnahme, das soll in der natürlichen Tierwelt vorkommen, damit der Virus verbreitet wird. Es ist auch bekannt, dass Freilandhaltung von Viren stärker betroffen ist. So gab es in Deutschland 2014 bislang 1 Fall in einer Mastanlage aber 4 in Freilandhaltungen an Vogelgrippe.