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Seit einiger Zeit hüpft ein Känguru durch Mützingen im Nordwesten Lüchow-Dannenbergs. Nachts scheint sein bevorzugtes Revier das Gebiet rund um den Spielplatz des Dorfes zu sein. Wie es weitergeht mit dem Beuteltier, ist unklar. Foto: rg
Seit einiger Zeit hüpft ein Känguru durch Mützingen im Nordwesten Lüchow-Dannenbergs. Nachts scheint sein bevorzugtes Revier das Gebiet rund um den Spielplatz des Dorfes zu sein. Wie es weitergeht mit dem Beuteltier, ist unklar. Foto: rg

Ein rätselhafter Besucher

rg Mützingen. Wer nach Kängurus sucht, der muss, will er nicht nach Australien reisen, in den Zoo gehen. Oder nach Mützingen im Nordwesten Lüchow-Dannenbergs. Schon seit einigen Tagen ist nachts in dem beschaulichen Ort am Rande des Drawehns ein Känguru unterwegs. Woher es kommt, weiß niemand so genau, auch nicht, wie mit dieser ungewöhnlichen Situation umzugehen ist. Die Behörden fühlen sich offenbar nicht zuständig, und Dorfbewohnern, die den neuen Ankömmling bei der Polizei meldeten, wurde schlicht kein Glauben geschenkt und wer kann das den Beamten verübeln. Vermutlich sind sie nicht die einzigen, die bei einem solchen Anruf an einem späten Freitagabend an einen Scherz glauben würden.

Doch es ist eben kein Scherz. „Das Känguru taucht hier seit einigen Tagen immer wieder auf, hüpft an der Straße entlang, und man kommt sogar bis auf einige Meter heran, bevor es davonspringt“, sagt Kim Friedrichsen, die gemeinsam mit ihrem Freund Patrick Scholz das offenbar an Menschen gewöhnte Tier nun schon mehrfach gesehen hatte und sogar schon mit dem Handy fotografieren konnte. Sein bevorzugtes Revier scheint das Gebiet rund um den Spielplatz des Dorfes zu sein, denn dort haben die Mützinger das Beuteltier besonders häufig gesehen. Und dort taucht es auch an diesem Wochenende auf und hat den Anstand, so lange still zu sitzen, bis einige Fotos von ihm geschossen sind. Doch näher als fünf Meter lässt es auch in dieser lausig-kalten, nebeligen Novembernacht niemanden an sich heran. Und Einkreisungsversuchen entzieht es sich mit kurzen, aber antritts- und sprungstarken Sprints, nicht selten fast über die Füße seiner Verfolger.

Die Tage verbringt das Känguru außerhalb des Dorfes in den Wäldern des Drawehns. „Da bekommt man es eigentlich nie zu sehen“, sagt Patrick Scholz. Und selbst wenn es unmittelbar neben einem sitzen würde, wäre es mit seinem braun-grauen Fell in der herbstlichen Landschaft auch nur schwer auszumachen. Nachts jedoch ist es einfacher. „Die Augen reflektieren das Taschenlampenlicht, oder das der Autoscheinwerfer, und man erkennt es sofort, weil die Augen dann rot leuchten“, sagt Kim Friedrichsen. So finden sie und ihre Freundin Melanie Neumann das Känguru auch am frühen Sonnabendmorgen, in der Nähe eines Schilfbeets am Dorfrand, ganz in der Nähe des Spielplatzes.

Woher das Känguru kommt, und warum es in Mützingen herumläuft, weiß so ganz genau niemand. Doch man munkelt, dass es in Mützingen noch ein weiteres Känguru geben soll allerdings nicht in Freiheit, sondern von einem der Bewohner als Haustier gehalten. Der angebliche Känguruhalter allerdings, heißt es im Dorf, bestreite, dass das jetzt freilaufende Känguru ihm gehört, und auch, dass er ein weiteres der Beuteltiere besitzt. Was von den Gerüchten zu halten ist, weiß allerdings niemand so genau. „Aber wo soll es denn sonst herkommen“, fragt Patrick Scholz nach der nächtlichen Känguru-Suche. Die Frage hat durchaus Berechtigung.

Wie es in Mützingen kängurumäßig jetzt weitergeht, ist noch unklar. „Eigentlich müsste es eingefangen werden, bevor es hier im Winter erfriert oder auf der Straße tot gefahren wird“, meint Kim Friedrichsen. Gestern bis Redaktionsschluss war jedoch nicht in Erfahrung zu bringen, ob behördlicherseits schon irgendetwas in dieser Richtung geplant ist. Und offenbar würde sich eine solche Einfangaktion auch nicht ganz einfach gestalten. „Man müsste wohl ein Betäubungsgewehr benutzen“, sagt Kreisveterinär Dr. Bernd Thiel am Rande einer Rassegeflügelausstellung in Lüchow. Da man aber keinerlei Erfahrung mit Kängurus habe, gestalte sich die Dosierung des Betäubungsmittels schwierig zu wenig, und das Beuteltier hüpft einfach weiter, zu viel, und das Tier könnte sterben. Und so wird man dem Känguru wohl vorerst noch nicht auf den Pelz rücken. Zumindest nicht mit einem Gewehr. Und vielleicht treibt es ja der Winter von ganz allein wieder in sein warmes Zuhause. Oder er bringt es um. Für Frost ist ein Känguru nämlich nicht ausgerüstet. Zumindest nicht für länger anhaltende Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

One comment

  1. Vorsicht mit dem Betäubungsgewehr! Es gibt im Wendland auch noch andere die große Sprünge mit leerem Beutel machen!! 🙂