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Jasper Krößmann und Elena Knaack haben erfolgreich einen Regenwurm angelockt und aufgesammelt. Foto: t&w
Jasper Krößmann und Elena Knaack haben erfolgreich einen Regenwurm angelockt und aufgesammelt. Foto: t&w

Wissen, wo der Wurm drin ist

emi Lüdersburg. Ein Feld zwischen Bockelkathen und Lüdersburg im morgendlichen Novembernebel. Auf einem gepflügten Ackerstreifen neben hohen Pflanzen graben Jasper Krößmann, Elena Knaack und ihre Mitschüler mit einem Spaten in der feuchten Erde: Sie suchen nach Regenwürmern. Die angehenden Agrarwissenschaftlich Technischen Assistenten (ATA) der Berufsbildenden Schulen (BBSIII) wollen herausfinden, welche Zwischenfrucht-Mischungen von Ölrettich über gelbblühenden Senf bis Rauhafer den Regenwurmbesatz fördern, welche nicht. Der Regenwurm-Versuch wurde jetzt zum ersten Mal durchgeführt, viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen gehört aber grundsätzlich zur zweijährigen Berufsausbildung dazu. Die Schüler arbeiten später in Pflanzenzuchtunternehmen auf Versuchsfeldern, in Gewächshäusern und Untersuchungs- und Forschungslabors.

Jasper Krößmann, Elena Knaack und die übrigen Auszubildenden locken die Regenwürmer mit einer speziellen Methode an verschiedenen Stellen auf dem gepflügten Feld an die Oberfläche. Mithilfe einer Gießkanne kippen sie jeweils eine Senfmehl-Wasser-Mischung auf Viertelquadratmeter großen Erdflächen aus, die durch einen Metallring begrenzt sind. „In der Senflösung sind ätherische Öle enthalten, die die Regenwürmer als scharf empfinden, deshalb kommen sie hoch“, erklärt Klassenlehrerin Magda Schumacher.

Einmal ans Tageslicht gelangt, werden die Würmer von den Schülern eingesammelt und gezählt. Um noch mehr Tiere zu erfassen, wird anschließend der Boden mit dem Spaten ausgehoben, weitere Tiere werden per Hand ausgelesen. „Unser heutiger Rekord waren 22 Regenwürmer an der Stelle, wo Ölrettich wächst“, sagt Jasper Krößmann.

Der 19-Jährige verbrachte von Kind an viel Zeit auf den Feldern seines Patenonkels, sein Berufswunsch stand deshalb früh fest. „Zu unseren Aufgaben gehört es, mitzuhelfen, Kulturpflanzen zu züchten, um zum Beispiel neue Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge einzukreuzen und Ertragssteigerungen zu erzielen“, beschreibt der angehende ATA.

Die Ausbildung enthält neben fachbezogenem Unterricht Labor- und Praxisarbeit. „Sie ist facettenreich und körperlich anspruchsvoll“, sagt Jasper Krößmann, das gefalle ihm so daran. Voraussetzungen sind der Sekunderabschluss I, Realschulabschluss oder ein gleichwertiger Bildungsstand, für Abiturienten mit naturwissenschaftlichen Interessen bietet die Ausbildung eine Alternative oder eine Vorbildungsmöglichkeit zum Studium.

Lehrerin Magda Schumacher bedauert: „Den Beruf gibt es zwar seit mehr als 40 Jahren, aber er ist immer noch recht unbekannt.“ Viele Menschen dächten, er habe etwas mit Landwirtschaft zu tun. „Dabei sind Landwirte nur die Kunden. Agrarwissenschaftlich Technische Assistenten sind die rechte Hand der Züchter.“ An den Lüneburger BBS III seien noch Ausbildungsplätze frei.

Tierische Helfer im Feld

Der Regenwurm zählt zum Stamm der Ringelwürmer. Rund 3000 Arten gibt es weltweit, etwa 40 davon sind in Deutschland heimisch. Regenwürmer sind blind, taub, stumm und können nur kriechen. Aber sie produzieren Dünger, der zu den besten der Welt gehört. Um sich zu ernähren, verwertet der Regenwurm unter anderem Kohlenhydrate und Eiweiße abgestorbener Pflanzenteile. Da er die Pflanzenreste nicht unzersetzt fressen kann, zieht er welke Blätter und ähnliches zu kleinen Häufchen in seine unterirdischen Röhren hinein, wo Feuchtigkeit und gleichmäßige Temperaturen die Zersetzung beschleunigen. Der Wurm frisst die vorzersetzten Pflanzenteile und Erde, im Darm vermischt sich das Ganze. Die unverdaulichen Stoffe scheidet er als mineralstoffhaltigen Kot aus – ein perfekter Pflanzendünger. Der Kot dient außerdem dazu, die Gänge im Erdreich zu festigen. Regenwürmer graben sich praktisch ununterbrochen fressend durch den Boden. Durch ihr stetiges Wühlen belüften sie das Erdreich und schichten Nährstoffe von unten nach oben auf. Auf einem Boden mit vielen Regenwurm-Gängen staut sich keine Nässe, vielmehr saugt die Erde den Regen auf wie ein Schwamm. Auch Pflanzenwurzeln und wichtige Bodenorganismen haben es in lockerem Boden leichter.

One comment

  1. Was für ein spannender Versuch! Darüber würde ich gerne mehr Erfahren!

    Regenwürmer und solche Experimente sind so wichtig für den Boden.