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Wechsel im Haus der Kirche: Holger Hennig (r.) folgt Günter Zimmermann als Kirchenkreissozialarbeiter. Foto: t&w
Wechsel im Haus der Kirche: Holger Hennig (r.) folgt Günter Zimmermann als Kirchenkreissozialarbeiter. Foto: t&w

Kleine Hilfen mit großer Wirkung

ca Lüneburg. Auf den ersten Blick scheint es nickelig. 25 Cent, im Monat. Das kann doch nicht wirklich ein Thema sein. Doch Günter Zimmermann weiß, warum die paar Cent irgendwann doch zur drückenden Last werden. HartzIV-Empfänger erhalten das Geld innerhalb ihrer Beihilfe. Theoretisch müssen sie den Betrag zurücklegen, um schließlich die Gebühren von knapp 30 Euro zahlen zu können, wenn sie nach zehn Jahren einen neuen Personalausweis benötigen.

Zimmermann kennt alltägliche Katastrophen. Fast 39 Jahre arbeitet er als Kirchenkreissozialarbeiter. Immer wieder sitzen Menschen vor ihm, die nicht mehr weiter wissen und um Hilfe bitten. Nun geht diese Geschichte für ihn zu Ende. Am Freitag geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Superintendentin Christine Schmid und der Geschäftsführer des Diakonieverbandes, Gabriel Siller, verabschieden Zimmermann in einer Feierstunde. Sein Nachfolger heißt Holger Hennig.

Auch wenn es dem Land wirtschaftlich gutzugehen scheint, so hat Zimmermann mit Schattenseiten zu tun. Das lässt sich an Zahlen ablesen. 1997 kamen 412 Menschen in die Sozialberatung, 2012 saßen 939 Frauen und Männer in seinem Büro im Haus der Kirche An den Reeperbahnen. „Die Altersarmut geht mir an die Nieren“, sagt Zimmermann. Es kommen Rentner, die ein Leben lang in ihrer Wohnung zu Hause sind und vielleicht weil der Partner gestorben ist bei der Miete 50, 60 Euro über dem Bedarfssatz liegen, den ihnen Behörden für die Miete zubilligen: „Die knapsen sich das Geld an anderer Stelle ab, Lebensmittel werden sparsamst gekauft.“

Zimmermann ist froh, dass es den Guten Nachbarn gibt, die Hilfsaktion von Sozialverbänden und Landeszeitung. Wenn er aus diesem Topf mal 20, mal 50 Euro ausschütten kann, nimmt das manchem eine riesige Last: „Es ist ein hervorragendes Instrument, um Unfälle aus der Sozialgesetzgebung auszugleichen.“

Doch der Job umfasst mehr als diese Hilfe. Als Diakoniebeauftragter kümmert er sich um die Verbindung zwischen Gemeinden und Kirchenkreis. Der Diakon und Sozialarbeiter freut sich auch über ein Angebot an 300 Konfirmanden, bei einer Rallye haben sie soziale Einrichtungen kennengelernt: „Wir wollen zeigen, dass Kirche nicht nur am Sonntagmorgen um 10 Uhr stattfindet.“

Zimmermann sitzt und bleibt im Aufsichtsrat des Herbergsvereins, er ist stellvertretender Geschäftsführer des Diakonieverbandes in der Region. Er spielt im Posaunenchor mit, Kirche ist ein guter Teil seines Lebens.

Nun folgt ihm Holger Hennig, der ihn bereits seit einigen Wochen begleitet. Der hat zuvor im Sozialraumprojekt Kick in Neetze gearbeitet. Der Sozialarbeiter sagt: „Die Aufgabe ist vielschichtig. Neben der Beratung habe ich eine Leitungsaufgabe. Es geht zum Beispiel um die Finanzierung von Stellen.“ Da das Budget oftmals wackelig ist, „gehört es dazu, Klinken zu putzen und für unsere gute Arbeit zu werben“.

Den 42 Jahre alten Familienvater reizt die Herausforderung. Denn gemeinsam mit den Kollegen hofft er, einiges bewegen zu können. Auch für die, die nicht daran denken, jeden Monat 25 Cent für einen neuen Personalausweis zurückzulegen.

One comment

  1. Lieber Herr Zimmermann,

    Hut ab für Ihr Engagement und alles Gute für Ihren Ruhestand.