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Birgit Karstens (vorne, ganz in schwarz) stellte den Mitgliedern des LAP-Begleitausschusses die gemeinsamen Erfolge der vergangenen dreieinhalb Jahre vor. Foto: t&w
Birgit Karstens (vorne, ganz in schwarz) stellte den Mitgliedern des LAP-Begleitausschusses die gemeinsamen Erfolge der vergangenen dreieinhalb Jahre vor. Foto: t&w

Für Vielfalt, Toleranz und Demokratie

dth Reppenstedt/Amelinghausen. Selbst die Projektträger waren von der Zahl bei der Auswertung überrascht, und zwar im positiven Sinne: Mehr als 5000 Teilnehmer zählte in den vergangenen drei Jahren das Programm „Toleranz fördern Kompetenz stärken“ in den drei Samtgemeinden Amelinghausen, Gellersen und Ilmenau, deren interkommunale Zusammenarbeit unter dem Kürzel „AGIL“ läuft. Die drei Samtgemeinden hatten im Mai 2011 mit dem sogenannten „Lokalen Aktionsplan“ (LAP) einen gemeinsamen Rahmen geschaffen, um insgesamt 62 soziale Projekte unterschiedlicher Träger zu fördern. Ziel war es, die „demokratischen Kräfte der Region eng miteinander zu vernetzen, um Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entgegen zu wirken und Vielfalt und Toleranz zu stärken“. Nach dreieinhalb Jahren neigt sich das vom Bundesfamilienministerium geförderte Programm dem Ende entgegen. Der sogenannte Begleitausschuss zog jetzt in der Reppenstedter Grundschul-Aula Bilanz.

Bildungsforscher Professor Dr. Waldemar Stange von der Leuphana Universität Lüneburg hat den LAP seit Beginn begleitet: „Hier ist alles professionell geplant gewesen, das hat Vorbildcharakter. Wenn ich der Bund wäre, würde ich solche Projekte ohne Antrag weiterfördern.“ Doch das Ende gilt zunächst als besiegelt.

Motor der Gemeinschaftsinitiative war die Samtgemeinde Amelinghausen. Deren Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker, der auch Vorsitzender des Begleitausschusses ist, der über die Verteilung der Fördermittel entschieden hat, sagte: „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir LAP weiter mit Leben erfüllen können und zusätzlich Landkreis Lüneburg und Bardowick als vierte Samtgemeinde mit ins Boot holen können. Doch dabei haben wir erkannt, das bei den Nachfolgeprogrammen der bürokratische Aufwand zu hoch und die zu erwartenden Fördermittel zu niedrig sind.“ Aber vielleicht könnte sich im Rahmen der neuen EU-Förderperiode noch eine Alternative ergeben.

In den vergangenen Jahren hat das Bundesfamilienministerium 90 Lokale Aktionspläne ausgewählt. Das von Amelinghausen, Gellersen und Ilmenau initiierte LAP ist offenbar eines der aktivsten gewesen. „Während andere LAP nicht wussten, wie sie das Geld ausgeben sollen, haben wir oft nachträglich noch zusätzliche Fördermittel erhalten, die woanders nicht abgerufen wurden“, sagte Birgit Karstens, die in der Agil-Schaltzentrale, der Lokalen Koordinierungsstelle, die sozialen Träger und ihre beantragten Projekte betreut.

Insgesamt erhielt das LAP-Agil vom Bund in dreieinhalb Jahren mehr als 350000 Euro Fördermittel für 62 Projekte in der Verantwortung von 22 Trägern. Vom Verein zur Unterstützung der Offenen Jugendarbeit in der Samtgemeinde Amelinghausen, der Caritas, dem DRK-Kreisverband über Sport- und Schützenvereine, Kirchengemeinden bis hin zu Albatros e.V. oder der Familienbildungsstätte Lüneburg. Karstens: „Trotz allem hatten wir immer mehr Projektanträge als Fördermittel.“

Die Projekte reichten vom Prozessmoderatoren-Training zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen, Geschichtsseminaren zum Zweiten Weltkrieg, Theater-Workshops bis hin zu Integrationsprojekten mit Flüchtlingen und Asylbewerbern unter dem Titel „Neue Heimat in Frieden und Freiheit“.

Um für manche Teilnehmer der verschiedenen Projekte einen symbolischen Schlusspunkt zu setzen, veranstaltete die Samtgemeinde Amelinghausen als Gastgeber zuletzt eine Aktionswoche der Toleranz (LZ berichtete). Die letzten Projekte müssen bis Jahresende abgeschlossen sein, die Geschäftsstelle mit Birgit Karstens bleibt noch bis März 2015 erhalten.

Helmut Völker ist sich sicher: „Viele Projekte hätte es ohne LAP nicht gegeben.“ Und Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers sagte: „Es wird vieles bleiben. Es wurden viele Pflöcke eingeschlagen auf denen wir in Zukunft aufbauen können.“ So werden einige Projekte, zum Beispiel der Kinder- und Jugendhaushalt „Heidekasse“ in Amelinghausen, fortgeführt. Zudem seien bei manchen Trägern weitere Projekte angestoßen worden zur Stärkung von „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“.