Mittwoch , 28. September 2016
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An der Leuphana berichtete WunderCar-Gründer Gunnar Froh Studenten von guten Geschäftsaussichten in Osteuropa. Foto: leuphana/nh
An der Leuphana berichtete WunderCar-Gründer Gunnar Froh Studenten von guten Geschäftsaussichten in Osteuropa. Foto: leuphana/nh

Wundercar: Gründer Gunnar Froh spricht an der Leuphana

mm Lüneburg. Breit wurde in den Medien Mitte des Jahres über den neuen Online-Dienst Wundercar berichtet. Das Geschäftsmodell: Von privat können Fahrten in Großstädten angeboten werden, über eine Applikation für das Smartphone sollen Fahrgäste ein Trinkgeld geben, Wundercar kassiert davon 20 Prozent. Behörden sahen einen unlauteren Angriff auf den staatlich regulierten Taximarkt. Mittlerweile ist das Medienecho verstummt, der Fahrdienst in Deutschland gebremst. Wundercar zieht es nun vor allem nach Osteuropa. Davon berichtete Gründer Gunnar Froh jetzt Studenten an der Lüneburger Universität.

Der 32-Jährige war zu Gast bei der Vorlesungreihe „The Spirit of Entrepreneurship“ und sorgte im Hörsaal für gut gefüllte Ränge. „Kann man Unternehmensgründung studieren oder sollte man es ausprobieren?“, fragte Froh. Er hat es ausprobiert.

Nach seinem BWL-Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management in Kob­­lenz wurde Gunnar Froh Berater für McKinsey & Company, sammelte zwei Jahre Berufserfahrung. Dann zog es ihn zurück an die Uni, um zu promovieren. Doch eine Doktorarbeit hat Gunnar Froh nie geschrieben. Denn er hatte andere Pläne. Nämlich ein eigenes erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Die Chance sahen er und gleichgesinnte Promotionsstudenten während der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. Über knapp ein halbes Jahr strömten Hunderttausende Besucher in die Stadt. Gunnar Froh und Co. bauten eine Webseite, auf der konnten Privatpersonen Übernachtungsmöglichkeiten anbieten, Partner war die Bundesgartenschau GmbH. Die Maxime des jungen Teams: „Ihr habt ein Problem, wir können euch helfen.“

Das zog auch bei Airbnb. Das milliardenschwere Unternehmen wurde 2008 im Sillicon Valley gegründet, ist heute ein weltweiter Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Privatunterkünften. Das Deutschland-Geschäft bauten Gunnar Froh und seine Mitstreiter auf, nachdem sie das Potenzial für Airbnb in Europa erkannt hatten.

Dann vor einem Jahr kam Gunnar Froh aber eine neue Idee die für Wundercar. Er hatte überlegt, was die nächste große Welle in der Sharing-Economy sein könnte, landete beim Transport. Mit ehemaligen Airbnb-Kollegen und einzelnen anderen entwickelte er das Produkt Wundercar. Business Angels, sprich finanzielle Unterstützer, die gefragt wurden, seien schnell überzeugt gewesen, „innerhalb weniger Wochen hatten wir den Seed zusammen“. Seed meint das zu investierende Geld.

Wundercar mit Sitz in Hamburg gibt es nun seit einem Jahr, Froh: „Wir haben viele Fehler gemacht, aber inzwischen auch Märkte gefunden, wo es funktioniert.“ Zurzeit gebe es einen großen Markt in der ungarischen Hauptstadt Budapest, aber auch in Prag. Gar bis nach Istanbul reichten mittlerweile die Fühler.

In Deutschland startete das Unternehmen im April 2014 in Hamburg und Berlin. Doch bei Taxifahrern löste der Start enormen Protest aus und rief dadurch auch den Widerstand der Städte auf den Plan.

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hatte ein Verbot gegen Wundercar verhängt. Dagegen sei nicht juristisch vorgegangen worden, sondern es „wurden fast alle Ressourcen aus Deutschland abgezogen“. Geschäftsführer Froh versuche weiterhin durch Lobbyarbeit, die Regularien auf dem deutschen Taximarkt aufzubrechen.

Deutlich bessere Geschäftsaussichten gäbe es derweil in Ost- und Südeuropa. Die Wachstumskurve gehe dort steil nach oben. Das muss sie aber auch: „Wir brauchen mehrere Hunderttausend Fahrten pro Monat“, sagt Froh. Im Durchschnitt zahlten Fahrgäste bei Wundercar sechs Euro pro Fahrt. Noch schreibe das Start­up mit 25 Mitarbeitern keine schwarzen Zahlen, für die nächste Phase würden noch zehn Millionen Euro benötigt. Das Ziel: „Wir wollen in vielen Regionen die Marke für Car-Sharing in der Stadt sein auf dem europäischen Markt und vielleicht auch in Brasilien.“