Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Straßenmeistereien versalzen Winter die Premiere
Einsatzleiter Jörg Neben prüft auf dem Betriebshof in Embsen die Qualität des Salzes, das Stefan Bath mit dem Telelader in ein Streufahrzeug füllt. Foto: t&w
Einsatzleiter Jörg Neben prüft auf dem Betriebshof in Embsen die Qualität des Salzes, das Stefan Bath mit dem Telelader in ein Streufahrzeug füllt. Foto: t&w

Straßenmeistereien versalzen Winter die Premiere

kre Embsen. Vor fünf Tagen war der meteorologische Winteranfang in der Nacht zu gestern, 4. November, zeigte der kalte Geselle nun zum ersten Mal seine gefährlich frostige Seite. Mit Bodenfrost und überfrierender Nässe: Kein Problem aber für die Männer von den Räumdiensten in Stadt und Landkreis, die zu ihren ersten Streueinsätzen in diesem Winter ausrücken mussten.

Als erstes draußen waren die Mitarbeiter der Straßenmeisterei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, zuständig für 240 Kilometer Bundes- und Landesstraßen im Landkreis Lüneburg. ,,Wir sind bereits am frühen Abend ausgerückt, von 18 bis 22 Uhr“, berichtet Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Landesbehörde. Der zweite Einsatz erfolgte von 3 bis 7 Uhr, damit der Berufsverkehr gefahrlos rollen konnte. Am Ende waren es rund 23 Tonnen Salz, die die Räumfahrzeuge der Straßenmeisterei verbrauchten.

Bestens vorbereitet ist man auch beim Betrieb Straßenbau und -unterhaltung (SBU) des Landkreises Die Salzlager sind voll, der Maschinen- und Fahrzeugpark für den Winterdienst ist hergerichtet, die Streugeräte sind justiert und kalibriert, die Einsatzpläne geschrieben: ,,Rund 1000 Tonnen Salz lagern in unseren Hallen in Embsen, Breetze und Neuhaus“, berichtet SBU-Chef Michael Seegers. In einem durchschnittlichen Winter müsste das reichen, um die 385 Kilometer Kreisstraßen sowie 115 Kilometer Radwege im Kreisgebiet eisfrei zu halten.

Auch in der Stadt Lüneburg war der Räum- und Streudienst auf den ersten Frostangriff gut vorbereitet: 122 Kilometer Straßen, 121,5 Kilometer Radwege wurden hier in den frühen Morgenstunden mit 17 Tonnen Feuchtsalz und vier Tonnen Sand abgestreut. Danach war auch in der Hansestadt die erste überfrierende Nässe in diesem Winter kein Thema mehr.

Wie sich das Wetter in den kommenden Monaten entwickeln wird, kann jetzt noch niemand sagen. ,,Der letzte Winter beispielsweise hat praktisch gar nicht stattgefunden“, erinnert Seegers. Nur 29 Einsätze mussten seine Kollegen im Winter 2013/14 fahren ein Klacks im Vergleich zum Winter vor zwei Jahren. Der hatte die Männer schon deutlich mehr gefordert. ,,Da kamen wir auf insgesamt 64 Einsätze“, berichtet der Technische Leiter beim SBU, Rüdiger Scholz.

Doch selbst dieser Zeitraum war nichts gegen den Winter 2009/2010 den kältesten der vergangenen zehn Jahre. Die Durchschnittstemperatur der drei Wintermonate lag damals 1,5 Grad unter dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Und zu diesen Bibbermonaten gesellte sich dann auch noch ein bundesweiter Salznotstand. Weil die Räumdienste über Wochen hinweg die Straßen von Schnee und Eis befreien mussten, ging den Straßenmeistereien das Salz aus.

Für die wenigen Mengen, die noch auf dem Markt verfügbar waren, wurden extrem hohe Preise verlangt. ,,295 Euro für die Tonne“, erinnert sich SBU-Einsatzleiter Jörg Neben und fügt schmunzelnd hinzu: ,,Angebot und Nachfrage!“ Der Landkreis damals auch in Salznöten hatte diese Preise trotzdem nicht bezahlt, sich nach diversen, wenig Erfolg versprechenden Versuchen mit Sand und Splitt für eine Notlösung mit Abraum-Salz entschieden. ,,Das hat auch ganz gut funktioniert“, berichten Neben und Scholz. Für die Tonne mussten sie damals um die 80 Euro bezahlen. ,,Ein fairer Preis“, finden die beiden.

Aktuell kostet die Tonne Streusalz den Kreis 75 Euro. ,,Allein für den Streumitteleinsatz entstehen uns so durchschnittliche Kosten von jährlich 150000 Euro“, rechnet Seegers vor. ,,Dazu kommen zusätzliche Personalkosten für Rufbereitschaften und für Wochenend- und Feiertagseinsätze,“ gibt der SBU-Chef zu bedenken.

Vier eigene Lkw, zwei Unimogs mit Anhänger und ein angemieteter Lkw führen auf den Kreisstraßen den Winterdienst durch, dazu kommen noch vier Kleinfahrzeuge für das Räumen und Abstreuen der Radwege.

Die Premiere in der Nacht zu gestern hat gut geklappt auch wenn der Wetterbericht die Männer vom SBU etwas überrascht hatte: „Danach hätte es eigentlich trocken bleiben sollen“, sagt Rüdiger Scholz. Doch die Situation auf der Straße war eine andere, und deshalb rückten die Männer aus, streuten knapp 20 Tonnen Salz. Genauer ein Salz/Sole-Gemisch. „Das hat sich bewährt“, sagt Seegers.

Unterrichtsausfall bei Schnee und Eis

Sobald Schnee fällt und die Straßen glatt sind, stellen sich viele Schüler die Frage: Liegen bleiben oder doch aufstehen? Ob der Unterricht oder die Schülerbeförderung in Hansestadt und Landkreis Lüneburg ausfällt, können Schüler und Eltern auch per E-Mail erfahren. Ein Newsletter, den Interessierte über www.landkreis-lueneburg.de/schulausfall abonnieren können, informiert online über den Unterrichtsausfall. Bisher findet der Unterricht in den Schulen in Hansestadt und Landkreis wie geplant statt. „Wir entscheiden jeden Morgen neu, ob der Unterricht wegen des Winterwetters ausfallen muss“, erklärt Carsten Schigulski vom Fachdienst Schule und Kultur, „das ist der Fall, wenn die Sicherheit des Schulweges und die Schülerbeförderung witterungsbedingt nicht mehr gewährleistet werden können.“ Als Träger der Schülerbeförderung trifft der Landkreis Lüneburg die Entscheidung, ob Unterricht in Hansestadt und Landkreis stattfindet und gibt gegebenenfalls einen Ausfall wegen Schnee und Eis bekannt. Die Betreuung der Kinder an den Schulen ist auch bei Unterrichtsausfall gewährleistet: Lehrerinnen und Lehrer kümmern sich trotz Glätte vor Ort um ihre Schützlinge. Seit dem Winter 2009/2010 bietet der Landkreis Lüneburg den Schulausfall-Newsletter an, für den sich bis jetzt rund 12 300 Personen registriert haben. Auch über Twitter oder per RSS-Feed berichtet der Landkreis über Neuigkeiten und aktuelle Geschehnisse aus der Region. Grundsätzlich gilt: Eltern, die eine unzumutbare Gefährdung ihrer Kinder auf dem Schulweg durch extreme Witterungsverhältnisse befürchten, können ihre Kinder auch dann zu Hause behalten oder vorzeitig vom Unterricht abholen, wenn kein genereller Unterrichtsausfall angeordnet worden ist. Das gilt für alle Schulkinder des Primar- und des Sekundarbereichs I. Über aktuelle Schulausfälle informieren am frühen Morgen auch die Radiosender in ihren Nachrichtensendungen zusammen mit den Verkehrshinweisen. Zudem können auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen unter www.vmz-niedersachsen.de neben Verkehrsmeldungen die Schul- und Unterrichtsausfälle für Niedersachsen abgerufen werden.↔lk