Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Gemeinsame Streuscheiben für Radfahrer und Fußgänger wie hier an der Kreuzung Altenbrückertorstraße/Willy-Brandt-Straße darf es nach der neuen Straßenverkehrsordnung nicht mehr geben. Foto: be
Gemeinsame Streuscheiben für Radfahrer und Fußgänger wie hier an der Kreuzung Altenbrückertorstraße/Willy-Brandt-Straße darf es nach der neuen Straßenverkehrsordnung nicht mehr geben. Foto: be

Die kleine Ampelrevolution

mm Lüneburg. Ein „augenscheinlich sperriges Thema“ hatte Michael Thöring von der Koordinierungsstelle Verkehrsentwicklung jetzt mit in den Verkehrsausschuss des Rates gebracht. Es ging um die neue Straßenverkehrsordnung (StVO). Danach müssen sich Fahrradfahrer bei der Überquerung von Straßen künftig nicht mehr an das Ampelzeichen für Fußgänger halten. Ob sie fahren dürfen, sagt ihnen die Ampelschaltung für den Autoverkehr aber nur, wenn es keine gesonderten Signale für den Radverkehr gibt. Noch gibt es in Lüneburg an vielen Stellen gemeinsame Streuscheiben für Fahrradfahrer und Fußgänger, die es nach der neuen StVO aber nicht mehr geben darf. Anpassungen müssen auch an den viel befahrenen Kreuzungen zwischen Innenstadt und Bahnhof umgesetzt werden.

Die novellierte StVO vom 1. April 2013 sehe vor, dass Radler an Ampeln künftig das Rot, Gelb, Grün für den Autoverkehr beachten müssen und nicht mehr die Lichtzeichen für Fußgänger. Für die entsprechenden Anpassungen an Ampeln wurde den Kommunen Zeit bis zum 31. Dezember 2016 gegeben.

Die Verwaltung hat ein Kataster der innerstädtischen und in der Baulast der Stadt befindlichen Ampeln erstellt und Maßnahmen zur Änderung der dortigen Signalisierungen erarbeitet. Demnach wird es unter anderem Änderungen an der Scholze-Kreuzung (Querung Lünertorstraße über Am Schifferwall/Schießgrabenstraße) und an der Scharff-Kreuzung (Querung Altenbrückertorstraße über Schießgrabenstraße/Willy-Brandt-Straße) geben. Denn an den beiden Kreuzungen gibt es nach der neuen StVO eine doppelte Signalisierung für Radfahrer und zwar die Ampeln für den Autoverkehr und zusätzlich eine gemeinsame Streuscheibe mit Fußgängern. Das muss sich ändern. Michael Thöring erklärte wie: „Radfahrer sollen ein eigenes Signal auf der jeweils gegenüberliegenden Seite erhalten, dies wird parallel zur Kfz-Ampel geschaltet. Die gemeinsamen Streuscheiben werden durch Scheiben mit einem Fußgängersymbol ersetzt.“ Bis dahin gelte: Von Radfahrern müssen an Knotenpunkten, wo die Anpassungen noch nicht vorgenommen wurden, weiterhin die gemeinsamen Signale für Radfahrer und Fußgänger beachtet werden.

Die Änderungen führten dazu, dass Fahrradfahrer künftig etwas längere Grünzeiten als Fußgänger hätten. Auch könnten Autofahrer durch die separate Radlerampel besser abschätzen, ob noch Fahrräder während der Grünphase durchkommen. Thöring verdeutlichte noch einmal: „Radfahrer haben sich generell zukünftig dort, wo Radfahrersignale aufleuchten, nach diesen zu richten, dort wo keine auftauchen, nach denen des Autoverkehrs. An diesen Stellen sind Haltebalken auf dem Radweg eingezeichnet.“ Haltebalken gibt es bereits an der Scholze- und an der Scharff-Kreuzung, an der Einmündung Bleckeder Landstraße/Henningstraße beispielsweise fehlen sie noch, dort sollen jetzt welche kommen.

Im Zuge der Anpassungen von Signalanlagen wurden auch Überlegungen angestellt, wie an Stellen, wo es häufig einen Rückstau von Autos gibt, dieser besser vermieden werden kann. Beispielsweise wird die Lünertorstraße auf der Bahnhofseite durch das neue Hanseviertel immer stärker frequentiert. Angedacht ist ein neues Steuerungsverfahren, so solle es eine eigene Grünzeit nur für den Autoverkehr geben. Dadurch könnte erst mehr Verkehr abfließen, dann würden Radfahrer mit durchgelassen.

3 Kommentare

  1. oh oh, die verwirrung ist komplett, hoffentlich passieren keine zusätzlichen unfälle dadurch. in der ehemaligen ddr hatte der fußgänger in der ampel immer ein hut auf. heutzutage: wer geht noch mit hut? was ist, wenn in der zukunft die räder anders aussehen? wird dann an der ampel nachgeliefert?

  2. Hartmut Oetzmann

    Gerade an Scharff- und Scholzekreuzung hat die Stadt Lüneburg einen entscheidenden Fehler begangen. Denn die gemeinsame Regelung für Fahrradfahrer und Fußgänger gilt und galt auch bisher nur für die Fußgängerfurt. Gedacht war dabei nur, daß Fahrradfahrer an diesen Stellen fahrend die Kreuzung überqueren durften. Gerade an o.g.Kreuzungen ist jedoch die Radwegführung neben der Fahrbahn und nicht über die Furt. Somit gilt schon nach der alten StVO an diesen Stellen: Fahrradfahrer haben die Verkehrsampel zu beachten.

  3. Selbstverständlich sind gemeinsame Streuscheiben für Radfahrer und Fußgänger auch nach der neuen StVO weiter zulässig. Die einzige Änderung ist, dass sich Radfahrer nicht mehr nach den reinen Fußgängersymbolen richten müssen und dass die Radfahrer-Symbole nur für die Radfahrer gelten, die auch auf dem Radweg fahren. Wer statt auf dem nicht benutzungspflichtigen Radweg auf der Fahrbahn fährt, darf aber schon heute stets die Radfahr-Symbole ignorieren. Allerdings hat Lüneburg ja kaum nicht benutzungspflichtige Radwege, weil die StVO-Novelle von 1997 noch nicht mal ansatzweise von der Stadt umgesetzt ist.

    Die neue „einfache“ StVO-Regelung wurde hier „kompakt“ für die Behörden erklärt:
    http://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/pdf/broschuere-signale-fuer-den-radverkehr-2013.pdf

    Wenn aber schon die Behörden und die Landeszeitung die neue Regelung nicht verstehen, versteht es auch kein Verkehrsteilnehmer. So wird auch in Zukunft stets dann gefahren, wenn irgendeine der Streuscheiben grün zeigt.