Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Eisbrecher-Flotte, die nach strengem Frost auf der Elbe und in den Kanälen das Eis knacken soll, ist einsatzbereit. Gerade wurde die Testfahrt absolviert. Foto: tja
Die Eisbrecher-Flotte, die nach strengem Frost auf der Elbe und in den Kanälen das Eis knacken soll, ist einsatzbereit. Gerade wurde die Testfahrt absolviert. Foto: tja

Die Eisbrecher sind los – Schiffe starten zur Probefahrt auf der Elbe

tja Geesthacht. Volle Kraft voraus für die Kraftpakete, die bei Eisgang für einen geordneten Wasserabfluss auf der Elbe sorgen sollen: Die Eisbrecher-Flotte des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), die im Geesthachter Hafen an der Wärderstraße stationiert sind, hat jetzt ihre Probefahrt vor dem Saisonstart absolviert. „Alle Schiffe sind einsatzbereit“, bilanziert Andreas Schultz. Er koordiniert die Spezialschiffe, wenn der Eisaufbruch nötig sein sollte. Mit bis zu 1170 PS können sie sich gegen die Eismassen anstemmen.

„Büffel“, „Bison“, „Keiler“, „Wisent“ und Co. heißen die Eisbrecher. In der Regel muss die Schifffahrt auf der Elbe bei anhaltendem Frost oder bei starkem Eisgang eingestellt werden. Auf den Kanälen ist das meistens schon früher nötig. Der Aufbruch der geschlossenen Eisdecke erfolgt dann jeweils rechtzeitig bei einsetzendem Tauwetter, um eine schnellstmögliche Wiederaufnahme der Schifffahrt zu ermöglichen. Aber insbesondere auch der Schutz der Ufer und der baulichen Anlagen vor Eisgang durch unkontrolliert abgehendes Eishochwasser gilt als Hauptaufgabe der Besatzungen.

„Wir haben die Eisbrecher zwei Tage lang getestet und die Besatzungen geschult“, sagt Schultz. Außer aus Geesthacht kommen die Besatzungsmitglieder auch aus Lauenburg, Mölln, Bleckede, Waren an der Müritz und sogar Frankfurt an der Oder. Gegebenenfalls leben die Besatzungen während eines längeren Einsatzes auch an Bord. Schiffsführer, Steuermann, Matrose und Maschinist bilden jeweils eine Crew.

Die Eisbildung auf der Elbe beginnt mit der Bildung von Grundeis auf der Flusssohle und Randeis in den Buhnenfeldern. Durch aufschwimmendes Grundeis in Verbindung mit abbrechendem Randeis bilden sich die typischen runden Treibeisschollen, die dann flussabwärts treiben. Bei starker Treibeisbildung kommt das Eis zum Stehen und bildet eine geschlossene Eisdecke. Im Februar 2012, als die zehn Spezialschiffe des WSA zum bisher letzten Mal auf der Elbe massiv gefordert waren, schrammte man knapp an einer Katastrophe vorbei: Damals hatte sich eine Eisbarriere gebildet, hinter der sich rasend schnell ein Hochwasser staute. Im letzten Moment gelang es den Eisbrechern, am Stauwehr einen Durchbruch für den Wasserabfluss zu schaffen. Erstmals in der Geschichte des Eisaufbruchs waren die Schiffe sogar nachts im Einsatz, was als extrem gefährlich gilt. Eine ähnliche Situation gab es 1986, als Pioniere der Bundeswehr unterhalb von Geesthacht eine Eisbarriere sprengen mussten.

Was den Besatzungen der Spezialschiffe in diesem Winter bevorsteht, ist unklar. „Eine Prognose kann man nicht abgeben, manchmal geht es ganz schnell“, erklärt Schultz. Wenn es mindestens minus 10 Grad kalt ist, dauert es nur zwei oder drei Tage, ehe die Elbe mit Treibeis bedeckt ist.