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Bürgervereinsvorsitzender Rüdiger Scholz (l.) und Laudator Folker Thamm (r.) freuen sich gemeinsam mit Prof. Dr. Werner Preuß. Er erhält in diesem Jahr den Ehrenring. Foto: be
Bürgervereinsvorsitzender Rüdiger Scholz (l.) und Laudator Folker Thamm (r.) freuen sich gemeinsam mit Prof. Dr. Werner Preuß. Er erhält in diesem Jahr den Ehrenring. Foto: be

Dr. Werner Preuß ausgezeichnet – Sein Herz gehört der Regionalkultur

rast Lüneburg. „In unserer Hansestadt ist jede Menge los in Sachen Kultur. Ein wichtiger Bestandteil der Kultur ist die Erinnerungskultur.“ Das sagte Rüdiger Schulz, Vorsitzender des Bürgervereins Lüneburg, in seinen einleitenden Worten bei dem von einem jungen Streicherquartett begleiteten Bürgeressen am Sonnabend im Kronen-Brauhaus. Einen wichtigen Beitrag zu dieser Erinnerungskultur leiste der im August 2014 eröffnete Friedenspfad der Friedensstiftung Günter Manzke. Das dazugehörige Faltblatt stellt 24 Kriegsdenkmäler vor. Das Impressum weist neben der Manzke-Stiftung auch einen Mann als Herausgeber aus, der die Texte dafür verfasst hat und den Schulz als „ausgesprochen regen Publizisten“ bezeichnete, der sich „um die Kultur in unserer Hansestadt verdient gemacht hat“: Apl. Prof. Dr. phil. habil. Werner Hermann Preuß. Er ist der „Bürger des Jahres 2014“ und erhielt bei der Veranstaltung den Sülfmeisterring.

Die Laudatio hielt Pastor i.R. Folker Thamm, dem gleich nach seinem Amtsantritt in Lüneburg 1987 das Preuß-Buch über die Zeit von Heinrich Heine in der Salzstadt in die Hand fiel: „Loreley am Lösegraben.“ Für Thamm, selbst „Bürger des Jahres 2005“, war es eine „germanistisch-kriminalistisch-literarische Sensation“, dass der Autor belegte, das Gedicht von der Loreley entstand in Lüneburg. Ein Lob gab es auch für alle anderen Werke wie etwa „Aus Lüneburgs Biedermeier- und Revolutionszeit“. Insgesamt verfasste der Autor 24 wissenschaftliche Monographien und Editionen, sieben Sachbücher und Bildbände, 30 wissenschaftliche Beiträge und 42 weitere Publikationen.

Thamm ging auf das Leben des Preisträgers ein: Werner Preuß wurde 1955 in Winsen geboren, aber bald zogen die Eltern nach Lüneburg, wo er 1974 am Johanneum das Abitur ablegte. Die Familienwurzeln liegen in Ostpreußen. Sein Vater hatte sich noch in der Weimarer Zeit als Soldat verpflichtet, und als seine Zeit eigentlich um war, kam der 2. Weltkrieg. Der Vater überlebte den Krieg, aber der Verlust der Heimat war doch der große Familienschatten, durch den Sohn Werner sensibilisiert wurde. Drei Halbgeschwister starben im Zusammenhang mit Krieg und Flucht. Diese durch die Familiengeschichte entstandene Sensibilität führte bei Werner Preuß zur Kriegsdienstverweigerung. Der Zivildienst folgte.

Werner Preuß hat in Lüneburg Pädagogik, Philosophie und vieles mehr studiert. Nach dem Diplom war er zunächst Assistent bei Prof. Hermann Schweppenhäuser. Eine Promotion folgte, es ging um den Dichter des „Sturm und Drang“ und der Aufklärung, Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Eine Habilitation erfolgte im Mai 2000, aber diese führte nicht zu einem Lehrstuhl. Seit 2010 ist Werner Preuß an der Leuphana Außerplanmäßiger (Apl.) Professor in der Fakultät Kulturwissenschaften, Institut für Geschichtswissenschaft und Literarische Kulturen, Fachgebiet: Neuere deutsche Literatur und Regionalkultur und ihre Vermittlung.

Folker Thamm beschrieb Werner Preuß als einen „unglaublich liebenswürdigen, begabten und fleißigen Historiker und Kulturwissenschaftler, der sich mit Herzblut, großem Engagement und Sachverstand einsetzt für die Bewusstmachung der Regionalkultur in all ihren Schattierungen“. Über Freya Scholing und Curt Pomp hat er jeweils eine fein bebilderte Biographie verfasst, Lüneburg und einige seiner Stadtteile hat er liebevoll beschrieben nach oft langwierigen Recherchen, so etwa das Wasserviertel. In einem neuen Projekt befasst er sich mit den Lebensbildern der Präsidenten der Industrie- und Handelskammer, taucht so ein in die Wirtschaftsgeschichte Lüneburgs. Und vor kurzem editierte er einen fast vergessenen Roman von Margarete Boie, die von 1912 bis 1919 bei den Lüneburgschen Anzeigen, der heutigen Landeszeitung, als Redakteurin arbeitete und 1946 in Lüneburg starb. Ihr Roman heißt „Der Auftakt“ und beschreibt, was in einer mittleren deutschen Stadt während des Ersten Weltkriegs mit den dort lebenden Menschen geschieht.

Die Verdienste von Preuß türmen sich laut Thamm zu einem Berg und machen ihn zum würdigen Bürger des Jahres 2014.

One comment

  1. Eine absolut verdiente Auszeichnung. Auch ich bin sehr an der Lüneburger Geschichte interessiert und verfolge fasziniert die Arbeit von Herrm Dr. Preuß.