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Drei der insgesamt zwölf Autoren des Scharnebecker Heimatkalenders, der bereits zum 23. Mal erscheint: Willi Sgodzaj, Joachim Pflücker und Christian Krohn (v.l.). Foto: A/sel
Drei der insgesamt zwölf Autoren des Scharnebecker Heimatkalenders, der bereits zum 23. Mal erscheint: Willi Sgodzaj, Joachim Pflücker und Christian Krohn (v.l.). Foto: A/sel

Zur Erholung in den Wald – Heimatforscher stoßen bei Erbstorf auf Einrichtung für Tuberkulosekranke

off/ki Scharnebeck. Er war auf der Suche nach einer idyllischen Wanderroute. Und fand ein neues Thema für den Scharnebecker Heimatkalender. An einem eiskalten Januartag 2013 traf Willi Sgodzaj bei einem Waldspaziergang zufällig einen alten Förster beim Holzmachen. Und hörte im Gespräch mit ihm zum ersten Mal von den Überresten eines Krankenhauses im Scharnebecker Forst. Sofort war Sgodzajs Neugier als Heimatforscher geweckt und seine Recherche begann.
Das Ergebnis seiner Nachforschungen liegt nun schwarz auf weiß vor, als April-Thema des neuen Scharnebecker Heimatkalenders. Zum 23. Mal lädt der Verein für Heimatkunde im Raum Scharnebeck 2015 zur Reise durch die Samtgemeinde ein, insgesamt elf Autorinnen und Autoren berichten über aktuelle und zeitgenössische Themen vom Heimatforscher Robert Sponagel (Januar) über die Biberratte an der Elbe (Juli) bis zur Geschichte der Flüchtlingsfamilie Hensch aus Scharnebeck (Dezember).

Mehr als 250 „Scharnebecker“ Themen hat der Verein für Heimatkunde seit 1993 in seinem Kalender bereits behandelt. Eine der Neuentdeckungen in der aktuellen Ausgabe ist die Geschichte des alten Krankenhauses. Kaum hatte Willi Sgozaj davon gehört, ließ er sich vom Förster die Überreste des Fundamentes zeigen und begann nach weiteren Hinweisen zu suchen. „Zufällig ist unser Vereinsvorsitzender Christian Krohn im Archiv auf einen Bauplan des Krankenhauses gestoßen“, sagt Sgodzaj. Er selbst recherchierte in alten Zeitungen und im Stadtarchiv. Das alte Krankenhaus entpuppte sich bald als „Walderholungsstätte“, eine Tagesstätte für leicht an Tuberkulose Erkankte.

„Gebaut hat die Walderholungsstätte der Vaterländische Frauenverein in Lüneburg Anfang des 20. Jahrhunderts.“ Laut einem Bericht in den „Lüneburgischen Anzeigen“, Vorgänger der heutigen LZ, ist die Anlage mit offener Liegehalle für zehn Personen mitten im Scharnebecker Gehölz am 5. September 1912 eingeweiht worden. Den Bau ermöglicht hat eine großzügige Spende, Material wurde zum Selbstkostenpreis bereitgestellt, „und die Frau des damaligen Regierungspräsidenten, Martha Heinrichs, war unermüdlich im Einsatz“, so Sgodzaj. Die laufenden Kosten sollten durch die „Opferwilligkeit“ der Lüneburger Bürger, der Landesversicherungsanstalt und des Zentralvereins zur Bekämpfung von Tuberkulose finanziert werden.

„In der Heilstätte sollten leicht an Tuberkulose Erkrankte tagsüber aufgenommen und verpflegt werden, An- und Abreise mit der Kleinbahn Lüneburg-Erbstorf erfolgen“, berichtet Sgodzaj. Was er weiß: „Am 6. September 1912 hat die Kleinbahn die ersten Kranken hinausgebracht.“ Was der 72-Jährige nicht herausgefunden hat: Wann und wie die Geschichte der „Walderholungsstätte“ endete. Es könnte ein weiteres Thema sein, vielleicht für den nächsten, übernächsten oder überübernächsten Scharnebecker Heimatkalender. Im September zumindest geht die Kalendergruppe unter dem Vorsitz von Christian Krohn wieder auf „Kalendertour“ für die Ausgabe 2016.

Den aktuellen Kalender gibt es für 6 Euro in verschiedenen Geschäften in Scharnebeck zu kaufen mit folgenden weiteren Themen: „Heimatforscher“ Robert Sponagel (von Anke Schuldt, geb. Sponagel), Malerei im Chorgestühl der St. Marienkirche (Joachim Pflücker), Alte Richtstätten im Raum Scharnebeck (Henning Soltau), Seltene Pflanzen aus der Bennerstedt (Armin Eschment), Nutrias bei Barförde (Hans Röhr), Verbesserung der Heerstraßen Brietlingen Lüdershausen (Otto Puffahrt), Feuerwehrstruktur vor Gründung der Samtgemeinde (Egon Ojowski), Alte Binnendeiche in der Elbmarsch (Otto Puffahrt), Jungbronzezeitliches Gräberfeld auf dem Kronsberg (Christian Krohn), Familie Hensch in Scharnebeck (Dietmar Hensch).

One comment

  1. vielleicht werden diese herrschaften in bleckede beim ölhof fündig? dort wurden auch menschen mit tbc hingeschickt.