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Fünf Jahre lang war Raul Blum obdachlos. In Lüneburg möchte der 46-Jährige nun ein neues Leben anfangen. Foto: ada
Fünf Jahre lang war Raul Blum obdachlos. In Lüneburg möchte der 46-Jährige nun ein neues Leben anfangen. Foto: ada

„Ich wollte wieder Mensch werden“ – Ehemaliger Obdachloser erzählt von dem Leben auf der Straße + + + Mit LZplay-Video

ada Lüneburg. 8 Uhr an einem Freitagmorgen die Krümel auf dem Frühstücksteller von Raul Blum verraten, dass es Sesambrötchen gab. Die kaufe er nur an guten Tagen, sagt Blum. Er bugsiert sein Fahrrad aus dem engen Hausflur mitten in der Lüneburger Innenstadt. Blum hat es eilig, muss zum Arzt und dann zur Arbeit.

Früh aufstehen, Termine einhalten, arbeiten an den geregelten Tagesablauf gewöhnt sich Blum gerade erst. Fünf Jahre lang war der 46-Jährige obdachlos, lebte auf Hamburgs Straßen. Der Tod seiner Frau war es, der den gebürtigen Esten einst in ein tiefes Loch stürzte. Er trank, nahm Drogen, wurde kriminell. „Was mich von dort weggebracht hat, war die zu sehen, die aufgegeben haben“, sagt Blum heute, „ich wollte wieder Mensch werden.“

Vor zwei Jahren kam er nach Lüneburg und fing neu an. Die Stadt erinnere ihn an seine Heimat, sagt Blum, hier fühle er sich wohl. Heute hat er wieder ein Dach über dem Kopf, teilt sich die kleine Stadtwohnung mit einem Mitbewohner. Den Job hat er über die Zeitarbeit bekommen, die Sucht mit einem Entzug bekämpft. Ja, es gebe noch Rückfälle, gesteht Blum, gerade dann, wenn er glückliche Familien sehe und ihn die Einsamkeit wieder einhole. Doch auch wenn der Weg in ein geregeltes Leben steinig ist, Raul Blum möchte ihn gehen, da ist er sich sicher: „Jetzt möchte ich wieder leben, und ich denke, dass es vielleicht doch Menschen gibt, die daran interessiert sind, dass ich lebe.“

Die LZ hat Raul Blum besucht und mit ihm über das Leben auf der Straße, seine Ziele und die Zukunft gesprochen.