Dienstag , 27. September 2016
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Uni-Vizepräsident Holm Keller, hier bei einem Semesterauftakt, hatte für das KIC-Projekt namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen geworben. Foto: t&w
Uni-Vizepräsident Holm Keller, hier bei einem Semesterauftakt, hatte für das KIC-Projekt namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen geworben. Foto: t&w

Leuphana geht leer aus – Uni-Pleite bei Milliarden-Projekt

mm Lüneburg. KIC. Diese drei Buchstaben verzauberten über Monate die Uni-Leitung in Lüneburg, es sollte der nächste große Coup an der Leuphana werden dieses Mal war der Geldtopf milliardenschwer, es ging nicht nur um 100 Millionen wie beim Innovationsinkubator. Die Leuphana hatte sich in einem Verbund mit 64 Partnern für eine Wissens- und Innovationsgemeinschaft (kurz KIC genannt) im Gesundheitssektor beim Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) beworben. Was Rang und Namen hatte, war dabei. Doch es gab europaweit drei weitere Anträge. Dienstag fiel die Entscheidung in Budapest. Und das von der Leuphana angeführte Konsortium ging leer aus.

Für die Uni ein schwerer Schlag, schließlich laufen Mitte 2015 wichtige von der EU geförderte Inkubator-Projekte aus, für viele Wissenschaftler auf Zeit wird es vermutlich keine Anschlussverträge geben.

In Budapest konnte dafür das Konsortium InnoLife jubeln. Es wird nun das großangelegte EU-Vorhaben mit dem Titel „Gesund leben und aktiv altern“ mit mehr als 140 Partnern aus der Wirtschaft sowie von Forschungseinrichtungen und Universitäten umsetzen. Die Partner kommen aus 14 EU-Ländern. Mit darunter sind der spanische Ableger des US-amerikanischen Pharma­riesen Abbott Laboratories, aus Frankreich das Nationalinstitut für Gesundheit und Medizinische Forschung und die englische Universität Oxford. Bis 2018 will das InnoLife-Konsortium, so hieß es in Budapest, pro Jahr unter anderem 70 neue Start-up-Unternehmen in der Gesundheitsbranche anschieben. Zudem sollen 2016 bis zu 80 Geschäftsideen entwickelt werden, 2018 dann schon 140.

Auch die Leuphana sah sich eigentlich gut gerüstet für diesen großen Wettbewerb, hatte namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Verbund. Zu den Partnern gehörten unter anderen die Harvard Universität, das MIT Media Lab, die chinesische Sun Yat Sen Universität oder auch Kroatien und die Republik Malta. Von Seiten der Unternehmen schlossen sich beispielsweise die Impfstoffhersteller Novartis Vaccines und Sanofi-Pasteur an. Über zwei Jahre arbeitete das Konsortium an dem KIC-Antrag, federführend die Leuphana in Person von Holm Keller, der bei einem Erfolg auch der Chef der neu zu gründenden Gesellschaft werden wollte.

Doch der Uni-Vizepräsident gibt sich nicht niedergeschlagen, er sieht in der KIC-Pleite auch eine Chance: „Für die Leuphana hat die Entwicklung dieses internationalen Netzwerks vielfältige Potenziale für zukünftige Partnerschaften eröffnet“, erklärte er. Und weiter: „Diese Partnerschaften gilt es nun zu befördern und zum Nutzen der Universität weiterzuentwickeln.“ Allerdings ohne EU-Gelder.

Die erhält aber das Konsortium InnoLife. Das EIT stellt als Startkapital bis zu vier Millionen Euro bereit. Nach Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommens 2015 könnten bis zu 400 Millionen Euro in einem Zeitraum von sieben Jahren fließen. Doch es geht noch um mehr. Erwartet wird, dass durch das KIC ein Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro ausgelöst wird.

Hoch war mit 100 Millionen Euro auch das Finanzvolumen für den EU-Innovationsinkubators an der Leuphana ­ der läuft im Juni 2015 aus. Rund 170 Forscher seien derzeit in den drei Themengebieten Digitale Medien, Nachhaltige Energie und Gesundheit beschäftigt, heißt es auf der Internetseite der Leuphana. Darüber hinaus gibt es aber auch eigene Inkubator-Stellen in der Uni-Verwaltung. Offen ist, ob und wenn ja, wie diese Posten nach Auslaufen des Innovationsinkubators fortgeführt werden. „Eine Bilanz soll Anfang nächsten Jahres gezogen werden“, sagt Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff.

Die nächsten Aufrufe für KIC-Anträge startet das EIT übrigens 2016, dann unter anderem für den Bereich Ernährung.

21 Kommentare

  1. Auch die Leuphana sah sich eigentlich gut gerüstet
    eigentlich? wie soll das gehen,hat sie, oder hat sie nicht? sie hat nicht. warum ? es gibt sogenannte Netzwerke. die sind noch schlauer als ein herr keller. ob dazu es viel braucht, kann ich nicht sagen, ich kenne ihn nicht persönlich, aber was ist mit der naivität an der leuphana-spitze? die kenne ich auch nicht persönlich, aber ich sehe das ergebnis. und nicht nur bei dieser pleite.

  2. Anstatt nach dem erwartbaren Platzen dieses Riesen-PR-Ballons sogleich erneut von „vielfältigen Potenzialen für zukünftige Partnerschaften“ im „entwickelten internationalen Netzwerk“ zu salbadern, sollte man sich an der nominell zur „Universität“ aufgepumpten Fachhochschule Leuphana vielleicht endlich einmal wieder seiner akademischen Verantwortung und seiner originären Aufgaben entsinnen: der soliden fachlichen Ausbildung von tüchtigen Lehrern, Ingenieuren und Anwärtern auf den höheren Dienst in regionalen Behörden und für den heimischen Arbeitsmarkt. Dann braucht man eines Tages vielleicht auch keine properen jungen Menschen in abgewrackten „Schlecker-Markt-Appendizes“ mehr zu interviewen, die ihre verzweifelte berufliche Perspektivlosigkeit und ihre gedankliche Desorientierung in der angeblich zu hippen „Positionierungsexperimenten“ einladenden „neuen Medienkultur“ dadurch überspielen, dass sie sich „Sozial-Entrepeneure“ nennen und einem ebenso ratlos sympathisierenden wie wohlwollend um Verständnis bemühten LZ-Redakteur grauenhaft ungereimtes Zeug über „Ideen“ erzählen, die sie „irgendwie ins Haus locken“ möchten, und über „eigene Pläne, die sie irgendwie umsetzen“ wollen. (http://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/205141-alles-steht-bereit)

    • Rita , ich liebe,,bwl,, die optimieren immer so schön. warum fangen die eigentlich nicht bei der leuphana damit an?

    • Hallo Frau Böttjer (bei uns auch gerne Rita),

      vielen Dank für deine offenen Worte, wir freuen uns immer über Anregungen! Wir selbst verstehen uns in keiner Weise als Entrepreneure, davon sind wir weit entfernt. Ehrenamtliche Selbstaufgabe für mehr Subkultur und eine Brücke zwischen Lüneburger Bürger/innen und Studierenden in der Stadt können kaum als Unternehmung verstanden werden. Vielmehr arbeiten wir alle neben unserem Vollzeitstudium in Nebenjobs um uns unser ehrenamtliches Engagement leisten zu können.

      Was du mit der verzweifelten beruflichen Perspektivlosigkeit unserer Generation Y meinst können wir gut nachvollziehen. Allerdings sind wir genau wegen unserem Projekt Zum Kollektiv sehr weit von verzweifelnder Perspektivlosigkeit entfernt. Wir haben uns unser eigenes Dauerpraktikum geschaffen, welches unser Studium ergänzend ausfüllt, indem es uns einmalig und unbezahlbar auf die berufliche Praxis vorbereitet.

      Genau damit sind wir alles andere als desorientiert, sondern wissen sehr genau was wir machen, warum wir dies machen und wo wir später hinwollen!

      Nichtdestotrotz finden wir, dass du ein hoch aktuelles Thema unserer Generation ansprichst und würden uns freuen, wenn du Lust hast vielleicht dazu einen Diskussionsabend in der Vitrine zu gestalten. Denn genau dafür ist sie da, um Brücken zu schlagen.

      Liebe Grüße,
      Zum Kollektiv

    • Liebe Kinderchen,

      mein Geburtsdatum ist der 8. August 1920. Das ist der Sonntag, an dem beim Leichtathletikfest des Lüneburger Sport-Klubs von 1901 erstmals auch Damen für den Verein starten durften, wofür der damalige Vorsitzende Alfred Bellmann gesorgt hatte, und der Sonntag, an dem auch der Komponist Wilhelm Keller (Karnevalkantatchen, Die Völker spielen Völkerball, etc.) geboren wurde, der ab 1960 für ein paar wenige Jahre Musikerziehung und musikalische Heilpädagogik an unserer alten PH unterrichtete, das ist die Woche, in der der letzte der Pariser Vorortverträge unterzeichnet wurde, der Monat, in dem die Frauen in den USA das Wahlrecht erhielten und das Jahr, in dem Charles Bukowski zur Welt kam, die polnische Armee den Durchbruch an der Weichsel schaffte, Papst Benedikt XV. Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, heilig gesprochen hat, der Panamakanal eröffnet wurde, Knut Hamsun den Nobelpreis für Literatur erhielt, in der chinesischen Provinz Gansu innerhalb von Minuten 200.000 Menschen durch ein Erdbeben starben und Zorro bzw. Douglas Fairbanks senior die Filmtheater eroberte. Nun werdet ihr mein Alter sicher leicht ausrechnen können und vielleicht sogar Verständnis dafür aufbringen, wenn ich zwar durchaus „Lust habe“, aber leider nicht mehr die Energie dazu, „einen Diskussionsabend in Eurer Vitrine zu gestalten“.

      Dafür, dass ich meine Skepsis Eure Initiative betreffend einfach so auf Euch als Personen übertragen habe, muss ich mich jedoch entschuldigen. Denn ich wünsche und glaube Euch selbstverständlich gerne, dass Ihr „sehr genau wisst, was Ihr macht, warum ihr dies macht und wo ihr später hinwollt!“ Nur, denke ich, manchmal schadet es nicht, solches Wissen zu teilen oder mitzuteilen. Besonders, wenn man sich über Zeitung und Internet an andere wendet. Und ein Dauerpraktikum als Vorbereitung auf die berufliche Praxis ist natürlich immer gut, sofern die berufliche Praxis kein nachbereitendes Dauerpraktikum wird. Ich hatte mir Eure Selbstdarstellung auf Eurer Homepage angesehen und gelesen Euer Verein biete „Kultur- und Projektschaffenden eine Plattform um eine große Bandbreite an Ideen und Projekten zu realisieren.“ Ihr präsentiert Euch geheimnisvoll andeutend „als ein Partner, der eine gewisse Infrastruktur, persönliche Fähigkeiten und Erfahrung in einigen Bereichen anbieten kann, und in der Zusammenarbeit mit anderen, die eigenes einbringen können, lernen möchte. Die große Bandbreite an Aktionen bietet vielen Menschen die Möglichkeit sich auf vielfältige Weise mit einzubringen oder von den Möglichkeiten des Vereins zu profitieren.“ (Fälscht Ihr Briefmarken? Handelt Ihr mit Matchbox-Autos und Steiff-Teddybären? Raubt Ihr Banken aus? Geht´s um Speed-Dating?)

      Was mich irritiert und auch an dem LZ-Artikel störte, ist das Fehlen jeglicher inhaltlichen Festlegung – sofern diese nicht in dem Wort „Kultur“ stecken soll. Aber ist das in Zeiten möglich, in denen Immobilienfirmen, Trinkhallen, Geheimdienste, die Süßwarenindustrie, Waffenhändler, Dörfer im Landkreis Castrop Rauxel, Finanzbehörden, der ADAC und Mörderbanden sich genauso mit ihrer jeweils spezifischen „Corporate Culture“ großtun, wie Spielcasinos, Hochschulen, Weinbauern, Beerdigungsinstitute, freie Theatergruppen, der Dachverband der organisierten Buchillustratoren, nordniedersächsische Abscheidetechniker und die Verwaltungsoffiziere des Großmonuments auf dem Mansu-Hügel im Stadtzentrum von Pjönjang?

      Sind wirklich ALLE „herzlich eingeladen mitzumachen, als Vereinsmitglied oder auch nicht, ob unterstützend in der Umsetzung, mit eigenen Ideen und Angeboten oder anderweitig helfend“?

      Mitzumachen wobei? Beim Mitmachen?

      Mit sehr lieben Grüßen

      Eure Rita

      • Sie haben die „Corporate Culture“, wie Sie sie nennen schon erfasst. Der Wille Menschen Veranstaltungen verschiedenster Art zu ermöglichen, indem man Sie mit Fähigkeiten und Infrastruktur unterstützt, ist die Grundidee. Der Hintergedanke ist die Verknüpfung von Stadt und Universität. Das die Kultur dabei in den Vordergrund gerückt ist, ist Teil der Entwicklung des Vereins.
        Diese Fähigkeiten sind Eventorganisation, technische Infrastruktur, finanzielle Planung etc. Dazu kommt Infrastruktur wie eben die Vitrine, die als leerer Raum bezogen und dann durch Ausbau zu einem multifunktionalen Raum gestaltet wurde.
        Das mag noch keine Ingenieure, tüchtigen Lehrer oder Beamte für den höheren Dienst sein, aber Sie selbst sprechen in der Beschreibung ihrer Generation vom Fortschritt der Kultur. Das Kollektiv ist kein Charles Bukowsky, das ist klar. Aber im Kleinen versucht der Verein Kultur in der Stadt einen Nährboden zu geben.
        Wie klappt das? Wenn Studierende Deutschkurse für Flüchtlinge geben, Literaturzirkel eine Lesung in der Vitrine veranstalten oder Musiker eine Jamsession machen, sind das geschlossene Veranstaltungen. Wenn wir dann aber einen Barabend machen oder gemeinsam Tatort schauen und die Menschen dieser Veranstaltungen in gemütlicher Runde aufeinandertreffen entstehen neue Verbindungen. Vielleicht hat ein Flüchtling Lust bei der Jamsession Musik zu machen oder jemand aus dem Literaturkreis unterstützt den Deutschkurs. Man weiß es nicht, aber es könnte passieren.

        Man kann keine Möglichkeiten erzwingen, aber man kann versuchen sie zu schaffen. Denn die Bildung einer Universität besteht nicht nur aus Technischem oder Bürokratischem, sie hat eine humanitäre Idee.

        Wenn Sie Corporate Culture in einem Wort haben mögen, versuch ich es mal mit einem Bild aus Ihrer Generation, dem „Gemischtwarenladen“.

      • Lieber Nikolaus,

        vielen Dank für Deine Ausführungen.

        Jetzt ist mir schon deutlicher geworden, was Ihr da anbietet. Es handelt sich ganz offensichtlich um eine Kombination aus Teestube, Begegnungsstätte, Veranstaltungs- bzw. Tanzlokal und Kleinkunstbühne? Einen „multifunktionalen Raum“ nennt Ihr das heute? Das klingt angestrengt technisch. Früher hätten wir Oberprimaner-Gänse von der Wilhelm-Raabe das ganze „freie Singspielhalle“, „Schwofbude“ oder „Ludersocke“ genannt und wären zu Dammann ins Gast- und Gesellschaftshaus „Zur Eiche“ (Auf der Altstadt 43) gegangen. Du weißt sicher, dass bis weit in die 1930er und 40er Jahre die dominante Form der Stehgreif- und Improvisationskunst das informelle Bohème-Lokal mit Vortragspodium und Klavier, im Stil der ursprünglichen Pariser Cabarets war. Auch bei Dammann verkehrten Künstler, Autoren, und Musiker der, wie man heute sagen würde, Lüneburger Kreativ-Szene und trugen eigene Werke vor. Es gab kein festes Programm mit engagiertem Ensemble; die theatralischen Elemente waren höchstens extemporiert und aus dem Hut gezaubert und jeder Besucher war dazu eingeladen, selber aufzutreten, etwas aus sich herauszuspinnen und zum Besten zu geben. Das war tatsächlich ein „kultureller Gemischtwarenladen“, in dem schon am Nachmittag Krethi und Plethi beisammen saß, bei Branntwein, Bier oder Kaffee Zeitungen studierte, „Orientzigaretten“ (Nil) rauchte, Pläne schmiedete, Geschäfte anbahnte, Verabredungen traf oder einfach nur Karten drosch und in dem kunterbunt vereint – wie im „Blauen Engel“ von Heinrich Mann – Handwerker, Huren, Landvolk und Gymnasialprofessoren mit Schülern, Kriegsversehrten und Schuhmachergehilfen das begeistert applaudierende Publikum gaben, wenn zu fortgeschrittener Stunde ein polnischer Kaufmann aus Schneverdingen und eine italienische Handarbeitslehrerin aus Betzendorf Cha-Cha-Cha tanzten oder ein Direktionsrat ein Gedicht mit dem Titel „Huldigung an die hehre Künstlerin Fräulein Rosa Fröhlich“ deklamierte. Allerdings wäre damals wohl niemand in so einem corner shop (englisch); mom-and-pop shop (amerikanisch); französisch: petit magasin du coin, auch petite épicerie [du coin]; niederländisch: winkel op de hoek, buurtwinkel; schwedisch: kvartersbutik; spanisch: tienda de la esquina, deren verbindende Merkmale ,Kleinräumigkeit, Nähe, Überschaubarkeit und Nachbarschaftlichkeit‘ waren, daneben freilich auch ,Altertümlichkeit und provinzielle Zurückgebliebenheit‘, auf den für meinen Geschmack recht steifbeinig daherstolzierenden Gedanken gekommen, das Ganze als „Brückenschlag zwischen“ oder „Verknüpfung von Stadt und Universität“ – also als Annäherung von Bildungsschicht und gemeinem Volk – zu bezeichnen, genausowenig wie Herr Dammann gesagt hätte, er „unterstütze“ die bei ihm verkehrenden Menschen „mit Fähigkeiten und Infrastruktur“ („Eventorganisation, Technik, finanzielle Planung etc.“). Das, was er da zum Miteinander und zur Unterhaltung und Lebenslust seiner Gäste beitragen konnte, hätte er wohl weit weniger pompös ausgedrückt.
        Nun ja, so ändern sich die Zeiten. Dass Ihr „humanitäre Bildungsdefizite“ Eurer Universität auf diesem Wege hofft kompensieren zu können, finde ich zugleich traurig (weil Ihr die Notwendigkeit zu einem Ausgleich auf diesem Wege als Euch offenbar aufgebürdet versteht), heroisch und sehr idealistisch, wünsche Euch aber viel Erfolg dabei. Noch ein Wort zum „Fortschritt der Kultur“, von dem ich „in der Beschreibung meiner Generation“ angeblich gesprochen habe. Ich habe ein ziemlich wahlloses Potpourri pointillistischer Impressionen gegeben, die alle leicht durch andere hätten ersetzt werden können. „Fortschritt“ mit der starken Konnotation von Perfektibilität ist ein geschichtstheologisch bis zur Unkenntlichkeit belasteter Begriff, den ich in historischen Zusammenhängen nur ungern verwende. Einigen wir uns darauf, dass ich von „Veränderungen“ gesprochen und mich bemüht habe, sie nicht über die Maßen zu bewerten. Und ich bitte zuletzt darum, einer alten Frau, die nicht mehr sehr gut sieht, die sicher sehr zahlreichen Tippfehler und orthographischen Schnitzer nachzusehen.

        Mit lieben Grüßen

        Deine Rita

      • Rita, ich glaube, das ist etwas Zuviel der Nachrichten aus dem prallen Lüneburger Leben für unsere mit den ballaststoffreichen und nur teilweise verdaubaren SCHubCamp-Ideologemen gestopften „kreativen Vernetzer von Stadtbürger/inne/n“ und „urbaner Universität“ durch „kulturelle räumliche Zwischennutzungen und Wander-Hörsäle“, die sich fragen, „in wie weit universitäre Angebote in die Stadt verlegt werden können und in wieweit die Bürger/inne/n an der Kultur der Universität partizipieren können“. Das, was Du da erzählst, passt ja alles gar nicht in die ausgedachten und angelesenen Schemata des beruflich vielleicht, hochschulpolitisch auf jeden Fall nutzbaren Social-Marketing-Knowledge. Derart verwirrend „praxisnah“ haben sich die Betreiber des Lüneburger Kulturvereins “Zum Kollektiv e.V.” das „forschende Lernen“ in „multifunktionalen Räumen“ sicher nicht vorgestellt. Man möchte in interkultureller Gemeinschaft „Tatort“ schauen und pseudo-professoralen Rat geben, aber weder intrakulturelle Tatorte sondieren noch Professor „Unrat“ kennenlernen.

      • Herr Klaus, sind Sie das wieder? Ich habe den Eindruck, dass ich in innerstudentische Zwistigkeiten hineingezogen werde, wenn ich auf Ihren Einwurf antworte. So etwas möchte ich aber vermeiden. Nur soviel: Soziales Engagement ist ein persönlich ganz unterschiedlich motiviertes Handeln zugunsten Schwächerer und Benachteiligter, das meist auf den Prinzipien der Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit beruht. Das bedeutet, man investiert Zeit und/oder Geld in ein Projekt, das einem guten Zweck dient (Wohltätigkeit). Über junge Menschen wie die rührenden Self-made-Praktikanten von Zum Kollektiv e.V., die neben den eigentlichen Pflichten ihrer schulischen Ausbildung solche uneigennützigen Mühen weitgehend selbstlos auf sich nehmen, sollten wir auch dann nicht süffisant urteilen, wenn wir ihre Ziele und Methoden nicht sofort vollständig verstehen. Im Gegenteil, wir sollten sie achten, wertschätzen, ehren und zum Weitermachen ermuntern und uns beglückwünschen, dass es sie gibt und der unverdorbene und lernfähige Idealismus wenigstens in ihnen noch lebt.

        • Liebe Rita,

          gibt es Sie wirklich? Ich kann es nicht glauben!

          Ich würde Sie gerne unbedingt kennen lernen!

          Selten, nein – nie las ich in meinem Leben solche Kommentare wie den Ihren!

          Sie haben mir soben den Tag versüßt!

          Herzlich Birger Rietz

      • Lieber Birger,

        wen gibt es schon wirklich? Schauen Sie sich das Foto von Herrn Keller oben an und lesen sie die pressetechnisch von den gewiss in Harvard geschulten Spezialisten des „kommunikativen“ Verlautbarungssettings bis zur finalen Freigabe mehrfach durchkomponierte Darstellung seines Scheiterns. Wieviel „Wirklichkeit“ ist dort zu entdecken? Und mich kennenlernen? Das ist in beinahe hundert Jahren engsten täglichen Umgangs nicht einmal mir geglückt. Ist denn nicht letztlich jeder bis ins Grab das fremde, einsame Gespenst, das unbemerkt wie auf geheimen Pfaden zwischen der öffentlichen Figur (die Katheter legt, um den Pleuraspalt bei einer Cholezystektomie zu drainieren, bzw. Schornsteine reinigt oder Leserbriefe schreibt) und der privaten Person (die aufsteht, Pausenbrote schmiert, den Hund ausführt und ihr Leben lebt) hin- und hergeistert und mit ironischer Distanz über diese beiden Puppen lacht, welche die Welt für einen selbst hält?

        Sie, der seit Mitte 2013 jeden Tag mit imponierendem Einsatz etwas Konkretes in Lüneburg tut, um wahrhaftes Leid zu lindern, und der (zusammen mit anderen) Menschen aus existentiellen Notlagen hilft, sollten nicht eine Greisin zu verstehen suchen, die zuweilen von ihren Grimaldi-Gazetten und Kreuzworträtselheftchen angeödet an das Computer-Keyboard wechselt, weil für sie nur das – dem Kreislauf sicher viel zuträglichere – Hinaustreten auf die Terrasse inzwischen so beschwerlich ist wie vermutlich die Erstbesteigung des Matterhorns für die Seilschaft Whympers im Jahre 1865, sondern Sie sollten sich um eine Annäherung an die jungen Enthusiasten von „Zum Kollektiv“ bemühen. Zwar waltet unter dessen Mitgliedern noch einige unbeholfene Schaustellerlust, die sich mit „Event“-Nachrichten und akademisch aufgeföhnten „Fluffy-Statements“ (in stark verbesserungsbedürftigem Deutsch) glaubt dekorieren zu müssen („Wir bauen unser Fundament auf gemeinsame Werte: Der All-Win Gedanke, die vier Säulen der Nachhaltigkeit, Vertrauen und Respekt sowie eine ständige Investition in diese Werte als steter Begleiter unseres Projekts“, etc.), aber der Wille, sich tatsächlich sozial zu engagieren und nicht nur Party-, Partner-, Präsenz- und Praktikanten-„Credits“ für vage Karrierezwecke im Kreativ-Business zu akkumulieren, scheint echt zu sein.

        Als Camus-Leser wissen Sie sicher, Birger, dass der Franco-Algerier im November 1945 notierte (Tagebücher 1935-1951. Deutsche Übersetzung von Guido G. Meister. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1963, S. 208): “Wie ungeheuer muss man sich anstrengen, um nur normal zu sein! Und um wieviel mehr noch muss sich jemand anstrengen, der sich selbst und seinen Geist beherrschen will. Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Möglichkeit. Aber er ist für diese Möglichkeit unbegrenzt verantwortlich. (L’homme n’est rien en lui-même. Il n’est qu’une chance infinie. Mais il est le responsable infini de cette chance.)“

        Nehmen Sie Kontakt auf „Zum Kollektiv e. V.“ und reden sie mit diesen gutwilligen, Ihnen frisch und zum Anpacken entschlossen nachrückenden Studenten, pardon: mit diesen „Studierenden“ über „tätige Nächstenliebe in Verbindung mit kulturellem Lernen und Lehren“ als eine „Möglichkeit des Menschen, sein äußerstes Vermögen in selbstbestimmter Verantwortung auszuschöpfen“ (Camus). Man braucht nicht mit dem Brundtland-Bericht von 1987 zu wedeln, jeden Schritt in Richtung Stadtzenrum erst gender-, dann regie- und anschließend metatheoretisch abzusichern und ein Banner mit Markenlogo in den Hausfarben seiner Schule durch die Straßen zu tragen, auf der in Riesenlettern „Verantwortung für die Umwelt, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Gesundheit und kulturelle Vitalität“ geschrieben steht (was im Übrigen mittlerweile sogar Landschlachtereien, Autofabriken und Handelskonzerne tun: http://www.rewe-group.com/nachhaltigkeit/saeulen/), um Kamillentee mit AsylbewerberInnen aufzubrühen, gemeinsam Blumenbeete zu harken oder Fernsehkrimis zu schauen, Flüchtlingen beim Ausfüllen von Anträgen zu assistieren, ihnen beim Staubsaugen oder bei der Möblierung ihrer Unterkunft zur Hand zu gehen oder um ihre Kleinkinder zu betreuen, während die Eltern auf harten Holzbänken in hansestädtischen Behördenfluren lernen, was es heißt, das Sitzfleisch in Geduld zu trainieren.

        Ebenso herzlich

        Rita Böttjer

        • Liebe Frau Böttcher!

          so schallt es durch meine kleine, heute mühsam auf 16 Grad gebrachte Küche: „Eppur si muove!“ – es gibt Sie doch! Denn der erste Zweck ist, sich seiner als einzelnes Wesen in einem anderen Selbstbewusstsein bewusst zu machen!
          Puis-je me mettre une de vos fleurs? Ihrer herzlichen Empfehlung folgend werde ich mich bekannt machen mit den jungen Damen und Herren und * vom Kollektiv und schauen, ob sich nicht doch eine Ludersocke daraus machen lässt.
          Ach Lüneburg, Schätze verbirgst du!
          Ich grüße Sie ganz herzlich! Und bin weiterhin davon überzeugt, mit Ihnen doch noch einen Kaffee trinken zu können, Ihre Wirklichkeit sans phrase wirklicher denn die platt plastik-vergoldete Materialität der Kellers und Spouns und ihrer einstürzenden Neubauten!
          Sende Ihnen eine Umarmung quer durch eine Nacht geistiger Desertifikation – Bleiben Sie nie Sie selbst, dann werden wir uns finden! Birger Rietz

  3. Hat man an der Leuphana wirklich geglaubt, dass die EU nach dem OLAF Desaster der Leuphana erneut EU Gelder in die Hand drückt? Und europäische Spitzenforschung nach China und den USA zu verlagern, passt auch nur in die Logik des Herrn Keller.

  4. Sorry, aber mein Backoffice hat nicht delivered. Deshalb bring ich meine Core Ideas jetzt einfach mal auf der Tonspur rüber.

    Das oben ist also die aktuelle Topline? Da sind absolutly more als zehn Prozent short. Die Frage ist: Wie kann man in diesem FY trotzdem die Guidance treffen?

    Klar ist, der Lag muss bei R&D durch einen Quick Deploy ausgeglichen werden. Aber die Quick Wins dürfen nicht das Big Picture beclouden.

    Könnte man nicht beim Ad Budget streamlinen? Oder von On Brand in Richtung KDS shiften? Und die Content Curation gamifizieren mit more Romance und Drama in der Retail Experience! Eure Students will love that. Dann hätte das ganze auch more Zazz.

    Oder bei Opex ein paar cuts machen? Das wäre meines Erachtens der beste Approach, der Headcount ist an den Benchmarks gemessen ohnehin zu hoch.

    Nur, bloß nicht overengineeren! Das ist es! Low hanging fruits first, you don’t have to boil the ocean. Aber das Topic eng monitoren und reliable forecasten!

    Asapst aufgleisen! Und den Rest auf der Arbeitsebene klären!

    Key Learning: Ihr müsst noch besser kommunizieren!!!! Keine Frage!

    Bin raus aus dem Call. Kann keinen weiteren Value adden. Sorry, hab nur die High-Priority-Actionables auf dem Screen. Für alles andere bin ich zu tight getaktet.

  5. Pleite als Chance

    Ich tu mich damit irgendwo ’n Stück weit schwer, zu sagen, okay, von der Sache her ist es halt so, dass man schon findet, krass und so, aber im Endeffekt hab ich für mich persönlich entschieden, dass ich da ab ’nem gewissen Punkt sage: Okay, das ist deren Meinung, und das ist meine Meinung, Punkt.

    Franjo P. (Sparkassen-Charmeur und Finalist des Wettbewerbs „Entrepreneur des Jahres 2006“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young)

  6. Alive and KICing

    „Die nächsten Aufrufe für KIC-Anträge startet das EIT übrigens 2016, dann unter anderem für den Bereich Ernährung.“

    Bedeutet das, dass Holm Keller dann erneut ins Rennen geht? Zum Konsortium gehören dann die Nationalstaaten Zypern, Gibraltar und Rumänien und außerdem die Unimensa und das Cafe Neun.

    • Kerstin Dörbächler

      Nicht zu vergessen: Des Wodkas reine Seele von der Lomonossow Universität in Moskau und von Igor Puschkarjow, Oxfordabsolvent, Gemüsegroßhändler und Bürgermeister von Wladiwostok, außerdem MIT´s Howard Dining Hall at Maseeh, 305 Memorial Drive, Cambridge, MA 02139, sowie Singapore Sling, Universiti Teknologi Nanyang (NTU), und Stadtmarketing-Professor Doktor Benno Fabricius (LMG) vom Verband der Lüneburger Schausteller und Wurstbudenbräter (VdLSW), zugleich einziger Herausgeber und Chefredakteur, Gutachter und Autor, Vertriebsleiter, Käufer und Leser des wissenschaftlich zirzensischen Fachorgans „Ohne Netzwerk und doppelten Boden“ (ONDB).

      2016 Ernährung bzw. Food4Future oder betriebliche Herstellungsprozesse bzw. Added-value Manufacturing? Warum nicht? Für Medizin oder „Gesundheitsökonomie“ besaß man ja schließlich auch keinerlei Qualifikation. Aber beim Strukturieren und Erstellen impressionabler Konvolute mit Antragsprosa hat man dazu gelernt. Was ist „New Public Management (NPM)“ denn anderes als das „proaktive“ Verschleiern von fachlicher und organisatorischer Inkompetenz durch „Kommunikation“ und „Networking“ zur Wohlfahrt im Hintergrund bereitstehender Gutachter- und Consulting-Armeen und sogenannter „wirtschaftsliberaler Denkfabriken“, deren Marionettenfäden sich aus dem Stiftungsgeflecht in die Hochschulen spannen? Man selber kann nichts, außer Bankauszüge lesen und andere Leute „in Positionen“ davon überzeugen, dass sie das schnell bemerkte Fehlen einschlägiger Fähigkeiten für sich behalten, weil so niemand erfährt, dass sie im Grunde auch nichts können. Mit anderen Worten: Man erweckt durch dynamisches Schaffen und Wahrnehmen von Presseterminen den Anschein, das, was man nicht kann, besser als andere dadurch ausgleichen zu können, dass man die, die es – vielleicht – gut können, in sein Boot holt und öffentlich darüber redet, als sei man nicht auf sie angewiesen, sondern tue ihnen einen Gefallen.

  7. Ein erwartbares Ergebnis.

  8. Irgendjemandem in Budapest scheint aufgefallen zu sein, dass man es hier weniger mit einer Hochschule als viel mehr mit einer als Akademia verkleideten Vertriebsplattform der Bertelsmann Stiftung zu tun hat.

  9. Wie ungeheuer muss man sich anstrengen, um nur normal zu sein! wer bestimmt, was normal ist? die mehrheit? hat sie immer recht? Rita , egal, wieviel sie hier schreiben, ob mann ,oder frau, ich ahne dass wahre geschlecht, normalität gibt es nirgends auf der welt. und selbst wenn es sie geben würde, wäre der mensch damit glücklich? wohl kaum. er strebt nach was höherem.