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Blick auf das kommende Jahr: Geschäftsführer Dr. Michael Moormann erwartet für das Klinikum ein Plus von 1,7 Millionen Euro. Foto: t&w
Blick auf das kommende Jahr: Geschäftsführer Dr. Michael Moormann erwartet für das Klinikum ein Plus von 1,7 Millionen Euro. Foto: t&w

Finanzhaushalt: Gesetzgeber lässt das Klinikum bluten

as Lüneburg. „Hand in Hand für Ihre Gesundheit“ ist das Motto der Gesundheitsholding Lüneburg, die 2007 gegründet wurde und unter deren Dach inzwischen neun Gesellschaften firmieren. Erstmals seit der Gründung werden alle Gesellschaften im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben. Das geht aus den Wirtschaftsplänen 2015 hervor, die auch Thema im Wirtschaftsausschuss sind, der heute ab 14 Uhr im Traubensaal des Rathauses tagt.

Während zwei Drittel der niedersächsischen Kliniken rote Zahlen schreiben, weist das Lüneburger Klinikum für das kommende Jahr ein Plus von 1,6 Millionen Euro aus. Doch bis vor wenigen Wochen war sogar noch ein Plus von mehr als drei Millionen Euro geplant. Dann gab es eine Gesetzesänderung, die das Klinikum satte 1,7 Millionen Euro kostet. Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, erläutert: „Eigentlich sollten die sogenannten Mehrleistungsabschläge 2014 auslaufen.“ Die mussten Kliniken an die Kassen zahlen, wenn sie mehr Patienten behandeln, als im Budget des Vorjahres vorgesehen. Für diese Mehrleistungen musste an die Kassen ein Abschlag oder Rabatt in Höhe von 25 Prozent fließen. Fassungslos zeigt sich Moormann darüber, dass der Gesetzgeber nun kurzerhand dafür sorgt, „dass dieser dreijährige Mehrleistungsabschlag rückwirkend ab 2013 eingeführt wird und dauerhaft gelten soll“. Gleichzeitig werde der Versorgungszuschlag beibehalten, durch den das Budget aller Kliniken um 0,8 Prozent aufgestockt wird. „Das bedeutet, dass den Kliniken, die aufgrund ihrer Qualität einen hohen Patientenzulauf haben, erst einmal Geld abgezogen wird, um es dann nach dem Gießkannen-Prinzip über alle auszuschütten. Damit bestraft der Gesetzgeber Investitionen in Qualität.“

Für die Psychiatrische Klinik Lüneburg wird ein Überschuss von 461000 Euro prognostiziert, fürs laufende Jahr wird ein Plus von 574000 Euro erwartet. „Die Psychiatrische Klinik befindet sich auf einem stabilen Niveau“, sagt Geschäftsführer Rolf Sauer, auch Chef der Gesundheitsholding. Zum prognostizierten Plus im kommenden Jahr trage eine Leistungsausweitung bei. „Wir planen, in Uelzen und Soltau neue Tageskliniken für Kinder und Jugendliche sowie in Winsen/Luhe eine Tagesklinik für Erwachsene zu eröffnen.“ Dahinter stehe die Überzeugung: Je dichter der Patient am sozialen Umfeld ist, desto hilfreicher sei das für seine Therapie. Tageskliniken seien ein ergänzender Baustein zur stationären Versorgung.

Sorgenkind der Holding war 2013 noch die Orthoklinik mit einem Minus von rund 244700 Euro, 2012 hatte sie ein Minus von rund 197000 Euro eingefahren. „In diesem Jahr werden wir erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis verzeichnen können. Und für das kommende Jahr erwarten wir ein Plus von 225000 Euro“, sagt Sauer mit Blick auf den Wirtschaftsplan. Der Grund für das positive Ergebnis: Es konnten zusätzliche Belegärzte gewonnen werden, die 2015 erstmals ganzjährig eingeplant sind.

Die Kurmittel GmbH weist mit einem geplanten Überschuss von 205000 Euro ein geringeres Ergebnis als im laufenden Jahr (340000 Euro) aus. Das gehe darauf zurück, dass im kommenden Jahr ein Therapiebecken neu gebaut werden solle, um das bestehende zu ersetzen, sagt Sauer. „Wir gehen davon aus, dass die umfangreichen Baumaßnahmen weniger Besucher zur Folge haben werden und die Umsatzerlöse zurückgehen.“ Dass die Salztherme Lüneburg (SaLü) sich immer weiter entwickeln kann und nicht wie Einrichtungen in anderen Kommunen dem Sparzwang und damit einer Schließung unterliegt, ist auch den Erträgen aus Avacon-Aktien zu verdanken, die jedes Jahr an diese Gesellschaft fließen.

Bilanzgewinne erwartet
Die weiteren Gesellschaften der Holding sollen laut Wirtschaftsplänen folgende Ergebnisse einfahren:

  • Ambulanzzentrum Lüneburg: Plus 4000 Euro
  • Städtisches Pflegezentrum: Plus 34 000 Euro
  • Service Plus: Plus 91 000 Euro
  • Tagesklinik am Kurpark Lüneburg: Plus 62 000 Euro
  • Sports & Friends: Plus 23 000 Euro

One comment

  1. Kliniken bekommen etwas gekürzt, wenn mehr Patienten kommen als GEPLANT? Kann man die Gesundheit von Bürgern/Versicherten denn PLANEN? Sind wir wieder in der PLANWIRTSCHAFT? Dass der hippokratische Eid von Politik und Kassen immer weiter ausgehöhlt wird, weiß man ja. Aber dieses Beispiel zeigt mal wieder auf besonders drastische Weise, was da vor sich geht.