Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Meister des Halbgewichts
Heute 116,6 Kilo, damals 210 Kilo: Malte Gebert hat sein Gewicht fast halbiert. Der Adendorfer trainiert regelmäßig im Fitnessstudio, damit die Pfunde purzeln. Foto: t&w
Heute 116,6 Kilo, damals 210 Kilo: Malte Gebert hat sein Gewicht fast halbiert. Der Adendorfer trainiert regelmäßig im Fitnessstudio, damit die Pfunde purzeln. Foto: t&w

Meister des Halbgewichts

ca Lüneburg. Als Malte Gebert die ersten Male ins Fitnessstudio kam, fragten sich die anderen Gäste unwillkürlich, ob Crosstrainer und Fahrrad die schiere Masse tragen würden. Das ist gut ein Jahr her, heute erntet der 26-Jährige viel Bewunderung, denn er hat sein Gewicht nahezu halbiert. „Ich habe 94,4 Kilo abgenommen, mein Spitzengewicht lag bei 210 Kilo“, erzählt der Adendorfer. Es sind nicht nur die Pfunde, die Malte hinter sich lässt, sondern auch eine Menge anderer Ballast er geht leichter durchs Leben.

Richtig schlank war Malte Gebert nie. „Als ich zur Welt kam, war ich das größte und schwerste Kind auf der Station“, sagt er. Fettleibigkeit liege in der Familie. Doch über Jahre sei das Gewicht kein großes Thema zu Hause gewesen. „Es gab keine Cola bei uns, Teller waren normal gefüllt.“

Mit 14 allerdings war er moppelig, ging zur Ernährungsberatung. Und nahm weiter zu. Er erklärt das so: „Ich habe Feldhockey gespielt, da habe ich Muskeln aufgebaut.“ Muskeln sind schwerer als Fett, das weiß jeder Kraftsportler. Für ihn endete die Beratung im Frust: „Die haben mir gesagt, dass ich zu viel esse.“

Frust hat ihn lange begleitet. Gerede hinter seinem Rücken. Eine Lehre zum Metallbearbeiter, die er 2009 abschloss, kein Anschlussvertrag. Jobs, die nach ein paar Wochen und Monaten endeten. „Ich saß zu Hause und habe angefangen zu essen, alles, was da war.“ Seine Eltern hätten gedroht, den Kühlschrank zu verschließen. Getan hätten sie es nicht. Bewegung spielte auch keine Rolle mehr: „Sport machst du nicht, du bis ja nicht mehr vorzeigefähig.“

4832398
Vor einem guten Jahr wog Malte Gebert 210 Kilo. Foto:nh

2012 ging Malte Gebert zum Arzt. „Der hat den Schalter bei mir umgelegt. Er hat gesagt, wenn ich so weitermache, hätte ich noch acht Jahre zu leben.“ Sieben Monate Ernährungstherapie, Bewegung, psychologisches Gutachten. Und eine Operation. Malte bekam einen sogenannten Schlauchmagen. Die Chirurgin in der Hamburger Schön-Klinik trennte ein Stück seines Magens ab. Die Folge: Der Stoffwechsel verändert sich, die Pfunde schmelzen.

„Ich esse kaum Kohle­hydrate“, sagt Gebert. Kartoffeln, Nudeln, Getreide lässt er weitgehend weg. Süßigkeiten ebenso. Zudem treibt er Sport im Fitnessstudio. Ausdauer auf dem Crosstrainer, einer Maschine zum Dauerlauf auf der Stelle, bei der Arme und Beine in Bewegung sind. „Am Anfang konnte ich zugucken, wie ich abnahm. Dann kam eine Stagnation.“ Doch er blieb am Ball. „Ich verliere nicht mehr so viel Gewicht, aber es geht nach unten.“ Anerkennung hilft ihm: „Beim Sport fühle ich mich wie ein Promi. Da kommen manche und sagen: Ich schaffe es nicht, mal fünf Kilo runterzubekommen, aber Du.“ Er lächelt stolz: „Die herablassenden Blicke sind weg, Leute begegnen mir anders.“

Zu Ende ist sein Weg noch nicht. Er hat zwar reichlich Gewicht verloren, doch seine Haut hat sich so ausgedehnt, dass sie gewaltig durchhängt. „Es sieht nicht schön aus. Und die Haut liegt aufeinander, scheuert und wird wund.“ In zwei, drei Jahre stehen neue Operationen an. Die zu groß gewordene Hülle soll dann mit Skalpell, Nadel und Faden quasi zum Maßanzug gestutzt werden: „Es wird alles gestrafft an Armen, Beinen, Bauch, Brust, Rücken, Hintern. Auch Fettgewebe wird abgesaugt.“

Wenn das durch ist, glaubt er, sich auch anderen wichtigen Dingen widmen zu können, einer Freundin zum Beispiel: „Jetzt will ich mich nicht ablenken lassen.“ Klingt genauso selbstbewusst wie ein anderer Satz. Malte Gebert arbeitet in einem Baumarkt. Er weiß nicht, ob der Betrieb ihn übernimmt. Klar wäre es enttäuschend, wenn er eine Kündigung erhielte: „Aber ich lasse mich nicht mehr so frustrieren.“ Kein seelisches Kalorienpflaster aus dem Kühlschrank zur vermeintlichen Aufrichtung.

116,6 Kilo wiege er bei 1,83 Meter Größe, sagt er. Gut zwanzig Kilo sollen noch runter. „Aber eigentlich habe ich mein Ziel erreicht“, bilanziert Gebert. „Ich brauche keine Übergrößen mehr.“ Deshalb muss er auch los. Er braucht eine neue Hose, die alte rutscht so.