Dienstag , 27. September 2016
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Die Sparkasse Lüneburg hat allein An der Münze 2500 Tresorschließfächer. Die sind bundesweit zunehmend gefragt, doch in Lüneburg ist der Run nicht so groß, dass wie andernorts schon Wartelisten geführt werden müssen. Foto: t&w
Die Sparkasse Lüneburg hat allein An der Münze 2500 Tresorschließfächer. Die sind bundesweit zunehmend gefragt, doch in Lüneburg ist der Run nicht so groß, dass wie andernorts schon Wartelisten geführt werden müssen. Foto: t&w

Hinter Schloss und Riegel

ahe/dpa Lüneburg. Das Ersparte kommt aufs Sparbuch bei der Bank. Da ist es sicher, da wächst die Rücklage durch die Zinsen immerhin noch ein bisschen an. So haben die meisten Deutschen über Jahrzehnte gedacht und gehandelt. Weil die Zinsen inzwischen gen null tendieren, das Bedürfnis nach Sicherheit aber nach wie vor groß ist, scheinen immer mehr Menschen zu einer Alternative zum Konto zu tendieren: Bankschließfächer und Heimtresore.

Zunehmend wird Bargeld hinter Schloss und Riegel eingelagert, diesen Trend will die Deutsche Presse-Agentur ausgemacht haben und nennt als Beispiel unter anderem die Sparkasse Stade-Altes-Land. Die hat ihren Tresorvorraum jetzt sogar von einem Künstler farbenfroh wie einen Regenbogen gestalten lassen, der Weg zum Schließfach solle für die Kunden zum Erlebnis werden.

Eine Bestätigung des Trends kommt auch vom Bundesverband deutscher Banken. Für den sagt Julia Topar: „Das beobachten wir schon länger. Es gibt mittlerweile bei vielen Banken sogar Wartelisten für die Schließfächer, weil die Nachfrage so groß ist.“ Hinter den dicken Wänden und Schlössern suchten die Sparer nicht nur Schutz für klassische Sachwerte wie Gold und Schmuck, sondern immer mehr auch für ihr Bargeld. Tresorfa­brikanten reiben sich die Hände angesichts des florierenden Geschäfts. „Wir verkaufen im Jahr rund 20000 Schließfächer an Banken, und der Bedarf steigt weiter“, sagt Peter Krebs. Er ist Geschäftsführer der Essener Geldschrankfabrik. Er habe den Trend zum Mietfach schon vor längerer Zeit festgestellt.

Laut Tresorfabrikant Krebs werden auch Heimtresore verstärkt nachgefragt. Vielleicht, weil sie auf Dauer billiger sein können oder doch weil Kunden ein gewisses Misstrauen gegenüber Banken hätten, wie Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW vermutet? Dennoch sei ein Bankschließfach sicherer als ein eigener Tresor. Denn im vergangenen Jahr wurde laut polizeilicher Kriminalstatistik fast 150000 Mal in deutschen Wohnungen eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg der Delikte um 13 Prozent.

Und vor Ort? Die Sparkasse Lüneburg hat mehr als 8000 Tresorschließfächer an 17 Standorten, die meisten etwa 2500 in der Hauptgeschäftsstelle An der Münze sind rund um die Uhr für die Kunden zu erreichen. Etwa 6000 Fächer sind aktuell belegt. „Anfang des Jahres hatten wir eine erhöhte Nachfrage“, sagt Unternehmenssprecher Frank Elsner, der den Grund dafür zu kennen glaubt: „Da gab es vermehrt Einbrüche in der Region.“ Auch bei der Commerzbank sei die Nachfrage gestiegen: „Es wird häufiger nach Schließfächern gefragt“, sagt Dagmar Baier, Pressereferentin für Norddeutschland. Allerdings gibt es auch hier keine Warteliste. „Wir bieten noch freie Fächer an.“

Keine erhöhte Nachfrage gibt es bei der HypoVereinsbank. „Von den 100 Schließfächern in Lüneburg sind cirka 70 bis 80 vermietet“, teilt Pressesprecherin Birgit Zabel mit. Einen Run auf Schließfächer, gar eine Warteliste kann auch die Deutsche Bank nicht bestätigen. Filialdirektor Lars Volkmann sagt: „In Lüneburg stehen ausreichend Schließfächer für unsere Kunden zur Verfügung. Wer eines benötigt, bekommt auch eins.“ Ähnlich die Situation bei der Volksbank Lüneburger Heide. „Wartelisten brauchen wir nicht“, sagt Sprecher Joachim Matz, „die Nachfrage ist seit Jahren konstant und wird von unseren Filialen abgedeckt.“ Er macht für sein Haus gar den Trend aus: „Trotz niedriger Zinsen haben wir 2014 registriert, dass die Kunden wieder verstärkt Geld bei uns anlegen.“

Trend zum Cash
Laut einer Studie der US-Depotbank State Street halten die Deutschen die Hälfte ihres Vermögens als Barwert. Weltweit seien es im Schnitt 40 Prozent, die nicht in Anlageprodukte fließen, sondern als liquide Mittel im Portemonnaie, auf dem Girokonto, im Schließfach oder womöglich unter der Matratze schlummern. 2012 hielten demnach die Kleinanleger in aller Welt nur 31 Prozent ihres Vermögens als Barwert. Fest steht: Mit risikoarmen Bankprodukten lässt sich derzeit kaum Rendite erwirtschaften. Manche Tagesgeldkonten, die eigentlich vergleichsweise gute Zinsen bringen, liegen inzwischen bei 0,01 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Geschäftsbanken bereits negative Einlagezinsen in Rechnung.