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In Höhe der Bardowicker Ringstraße wurde unter anderem diese Eiche mit einem Stammdurchmesser von rund 90 Zentimetern gefällt. Dafür ist der Platz auf der Sitzbank künftig etwas sonniger. Foto. dth
In Höhe der Bardowicker Ringstraße wurde unter anderem diese Eiche mit einem Stammdurchmesser von rund 90 Zentimetern gefällt. Dafür ist der Platz auf der Sitzbank künftig etwas sonniger. Foto. dth

Eichen fallen auf der Landwehr

dth Lüneburg/Bardowick. Die Motorsäge kreischt, die Nerven liegen blank: Zwar darf das kulturhistorische Naturdenkmal Landwehr, das einst die mittelalterliche Stadtgrenze Lüneburgs markierte, forstwirtschaftlich genutzt werden. Dennoch sorgen jetzt jüngste Baumfällungen unter anderem in Höhe Neu-Bardowick durch die Lüneburger Stadtforst für Unmut.

Das bewaldete Wall- und Grabensystem ist eine beliebte Lauf- und Wanderstrecke. So auch für die Vögelserin Christine Beulke, die sich an die LZ gewandt hat: „Ich war erstaunt, als ich das Ergebnis des Baumfällwahnsinns im Bereich Bardowick im Bereich Landwehr entdeckt habe. Es kann doch nicht sein, dass gesunde Bäume dieser Größe einfach gefällt werden. Wer ordnet aus welchen Gründen solche Arbeiten an? Es sind keine Bäume, die im Wege stehen, Gefahr für Mensch oder Tier bedeuten und ansonsten stören.“

Gefällt wurden insgesamt acht Eichen mit einem geschätzten Alter zwischen 160 und 190 Jahren, so die Angaben des Stadtforstamtes. Die Bäume mussten unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen fallen, es waren sogenannte Zielstärkenbäume.

Stadtförster Michael Stall sagt: „Die Eichen hatten einen Stammdurchmesser von mehr als 80 Zentimetern erreicht. Dann ist das Risiko hoch, dass die Stämme von Pilzen oder Fäulnis gefährdet werden.“ Deshalb sei eine vorherige wirtschaftliche Verwertung sinnvoll. Hingegen blieben ähnlich alte Bäume stehen, wenn sie weniger wirtschaftlich, aber umso wertvoller für den Naturschutz sind, zum Beispiel Höhlenbäume. Durch die behutsame Auslichtung werde zudem die natürliche Waldverjüngung befördert.

In der gesamten Alten Landwehr seien so kürzlich acht einzelne alte Eichen gefällt worden. Sechs davon seien zudem an Grundstücksgrenzen entfernt worden, um der Verkehrssicherungspflicht wegen möglicherweise herunterfallenden Totholzes genüge zu tun, so Stall. „Dabei beachten wir die Prinzipien der naturgemäßen Waldwirtschaft.“ Demnach verbietet sich ein Kahlschlag und der Grundcharakter des Waldes bleibt erhalten.

Die LZ fragte zudem bei der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landkreis Lüneburg, nach, inwiefern derart alte Bäume in der in dem Landschaftsschutzgebiet Landwehr schützenswürdig sind. Dazu sagte Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Das Landschaftsschutzgebiet verbietet nicht, dass der Wald bewirtschaftet wird. Es gehört zwar zum Charakter der Landwehr, dass sie bewaldet ist, dadurch ist aber nicht jeder einzelne Baum geschützt.“ Das Naturdenkmal habe vor allem eine kulturhistorische Bedeutung, die sich vor allem durch das alte Wall- und Grabensystem auszeichne. Holzmann betont: „Es besteht kein Schutz einzelner Bäume wie bei manchen historischen Alleen.“

Auf die Frage, ob für die Landwehr ein ähnliches Konzept wie die Urwaldzelle im Südergellerser Naherholungsgebiet Hambörn denkbar sei, sagt Holzmann: „Das würde bedeuten, dass man den Wald nicht mehr bewirtschaften dürfte. Auch Verkehrssicherungsmaßnahmen müssten dann unterlassen werden. Doch das würde die Naherholungs-Nutzung der Landwehr für Fußgänger und Radfahrer möglicherweise erschweren.“

2 Kommentare

  1. Ich finde es sehr schade und traurig, das diese Baume gefällt werden mussten.
    Das ist doch Wahnsinn, das man so alte Bäume fällt.
    Natürlich kann es eine Gefahr für den Mensch sein, aber muss das denn so enden???

  2. Dr. Günter Prigge

    Ob Zielstärkenbäume oder Verkehrssicherungspflicht, egal welche Begründung auch immer, dahinter steht pure Geldgier.
    Die untere Naturschutzbehörde verdient nicht ihren Namen , wie so oft in Niedersachsen. Die ganze Aktion ist ein einziges Trauerspiel. Die Verantwortlichen zeigen keinerlei Respekt vor der Natur, es muß alles platt gemacht werden, alles unter dem Deckmäntelchen „naturgemäße Waldbewirtschaftung“. Hanebüchenes Sammelsurium von Begründungen für diese Fällaktion. Leider haben die Verantwortlichen hier Narrenfreiheit.