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Susanne Buetow hat ein großes Herz für die kleinen Wallabys. Im Arm hält die 29-Jährige Roodolph.  Foto: nh
Susanne Buetow hat ein großes Herz für die kleinen Wallabys. Im Arm hält die 29-Jährige Roodolph. Foto: nh

Ziehmutter für zwei Wallabys – Ehemalige Lüneburgerin kümmert sich in Tasmanien um verwaiste Känguru-Babys

Zwei freilaufende Wallabys haben jüngst im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg für Aufsehen gesorgt. Schließlich sind Kängurus in Norddeutschland in freier Wildbahn eher selten, sie haben ihre Heimat auf der anderen Seite der Erdkugel in Australien. Eine, die sich mit den kleinen Kängurus bestens auskennt, ist die ehemalige Lüneburgerin Susanne Buetow. Sie lebt seit Jahren in Tasmanien südlich von Australien und kümmert sich um kleine Wallabys, die keine Mutter mehr haben. Für die LZ berichtet die 29-Jährige aus Down Under.

Nachdem ich 2007 meine Ausbildung bei der Lüneburg Marketing GmbH abgeschlossen habe, zog es mich, hauptsächlich des Surfens wegen, hinaus in die weite Welt. Lüneburg liegt halt doch zu weit weg vom Meer. Auf meiner ersten Reise durch Australien bin ich auch in Tasmanien gelandet. Die atemberaubende Natur, menschenleere Strände, Wellen sowie das verblüffende Tierreichtum haben es mir sofort angetan. Was ich jedoch nicht erwartet habe, als ich vor eineinhalb Jahren hierher ausgewandert bin, ist, dass ich hier ganz schön flux mehrfache „Mutti“ geworden bin. Zurzeit bestimmen zwei Bennetts Wallaby Babys und ein Rufus Wallaby Baby, was bei mir zu Hause Sache ist.

Leider ist auch hier in Tasmanien der menschliche Einfluss auf die Natur nicht aufzuhalten. Wir zerstören Lebensraum und zwingen die faszinierenden Tiere, die hier zuhause sind, in die Enge. Die einheimischen Tiere sind überwiegend nachtaktiv. Ich habe meine Kleinen aufgenommen, weil ihre Mama entweder erschossen oder des nachts überfahren wurde. Jeden Tag sehe ich überfahrene Tiere auf der Straße. Ich laufe dann wie ein aufgescheuchtes Huhn mitten auf die Straße und kontrolliere, ob es sich um ein Weibchen oder Männchen handelt. Im Beutel der Weibchen stecken nämlich häufig Wallaby Joeys so nennt man die Babys , die den Unfall überlebt haben.

Wallabys werden wie Kängurus als Embryo geboren und dann im Beutel großgezogen. Auf sich alleine gestellt, haben sie keine Chance und würden qualvoll verhungern oder erfrieren. Im Beutel haben sie 24 Stunden am Tag Zugang zur Muttermilch und was außerdem sehr wichtig ist Wärme. Die Joeys können nämlich ihre eigene Körpertemperatur alleine nicht halten. Das heißt für mich, wenn ich die Joeys aufnehme, rund um die Uhr, also auch nachts, Fläschchen vorbereiten und füttern. Dann wird auch sanft der Popo stimuliert, damit sie ihr „Geschäft“ machen, Wärmflasche, Handtücher und Beutel werden gewechselt, eine leckere Auswahl an Gras gepflückt und einiges mehr.
Wallaby Joeys bleiben je nach Art circa sieben Monate im Beutel der Mutter und sind danach viel eigenständig draußen unterwegs. Sie lernen zu hüpfen und entwickeln ihre Sprungmuskulatur. Springen ist übrigens eine effizientere Art der Fortbewegung als Gehen oder Laufen. Je schneller die Tiere springen, desto weniger Energie verbrauchen sie, ein sogenannter „Flummi“-Effekt. Die Rekordgeschwindigkeit eines Forester Kängurus, die einzige Känguruart in Tasmanien, liegt bei 64 Kilometern pro Stunde.

Bei so viel Aktivität brauchen sie natürlich viel Platz. Ich habe hier zu Hause bereits verschiedene Außengehege unterschiedlicher Größe gebaut. Ein weiteres, sehr großes ist in Planung. So kann ich die Joeys Schritt für Schritt an ein Leben in der freien Wildnis gewöhnen und, sobald sie abgestillt sind, nach cirka 15 Monaten freilassen. Normale Milch vertragen die Kleinen nicht, da sie einen zu hohen Laktosegehalt hat. Deshalb mixe ich ein speziell hergestelltes Milchpulver namens „Di-Vetelact“ an. Zurzeit verbrauche ich alle zwei Wochen eine 900-Gramm-Dose.

Die Aufzucht der Wallabys ist hochinteressant. Man lernt viel über die Tiere und ihr Verhalten. Alle haben ihre eigene kleine Persönlichkeit und einen eigenen Charakter. Durch unterschiedliche Laute und Körpersprache zeigen sie wie Menschenkinder, was sie brauchen. Und wenn ich einmal nachts den Wecker überhöre, hüpfen sie die Treppe hinauf, stehen mit großen Knopfaugen neben meinem Bett, als ob sie sagen wollten: „Mama, nun ist es aber wirklich Zeit für mein Fläschchen.“

Spendenprojekt
Wer sich um Wallaby-Babys kümmert, braucht viel Zeit, Fürsorge und Geld. Ziehmutter Susanne Buetow sucht daher Unterstützung. Auf der Internetseite www.betterplace.org/p24309 informiert sie über ihr Vorhaben, Geld für Wallaby-Milch und für Material für ein größeres Außengehege zu sammeln. „Wenn viele Menschen, die etwas Gutes für die Tiere tun möchten, nur einen kleinen Betrag spenden, zum Beispiel einmal auf einen Kaffee in der Mittagspause verzichten und stattdessen 3 Euro für die Wallabys spenden, dann kommt schon einiges zusammen für die Waisenkinder. Sie werden es mit einem Luftsprung danken“, versichert die Exil-Lüneburgerin.