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1963 auf der Leopoldstraße in München: Udo Jürgens verspeist ein Würstchen, sein Promoter und Freund Hansi Hoffmann bleibt bei Kaffee und Zigarette. Foto: nh
1963 auf der Leopoldstraße in München: Udo Jürgens verspeist ein Würstchen, sein Promoter und Freund Hansi Hoffmann bleibt bei Kaffee und Zigarette. Foto: nh

Das war auch eine Art Heimat – Udo Jürgens lebte als Kind in Barendorf

oc Lüneburg/Barendorf. Drei Tage, bevor Udo Jürgens Ende September 80 Jahre alt wurde, sprach er noch mit seinem jahrzehntelangen Weggefährten Hansi Hoffmann: „Hansi, wir können sicher keine Bäume mehr ausreißen, aber wir können noch viele pflanzen.“ So erinnert sich Hoffmann, der seit 25 Jahren in Lüneburg lebt, an den nun plötzlich gestorbenen großen Sänger und Entertainer, dessen Leben mit Lüneburg noch viel enger verbunden ist. Er ging sogar hier zur Schule, aufs Johanneum, das war in der Zeit um das Kriegsende 1945 herum. Die enge Beziehung der Familie zu Lüneburg ist geblieben: Udo Jürgens Tochter Jenny spielt seit September die Hauptrolle in der Kult-Serie „Rote Rosen“.

Ein Onkel von Udo Jürgens, der als Udo Jürgen Bockelmann zur Welt kam, besaß in Barendorf ein Gutshaus, das später Heimvolkshochschule wurde. Ein weiterer Onkel, Werner Bockelmann, war von 1945 bis 1946 Oberbürgermeister in Lüneburg, von 1946 bis 1955 Stadtdirektor. Udo Jürgens selbst wuchs in Kärnten auf, zum Kriegsende aber war er mit seiner Mutter und Geschwistern in Barendorf. Das schien seinem Vater sicherer zu sein. Udo Jürgens saß mit seiner Familie im Keller des Gutshauses, als 1945 belgische Truppen, wie er sich in einem LZ-Interview erinnert, kamen „die gingen schon wüst vor“. Der Junge musste in Barendorf Fälle von Lynchjustiz miterleben. In seinem Roman „Der Mann mit dem Fagott“ wird diese Zeit lebendig.

Lüneburg erlebte der Sänger im Rückblick dennoch als „eine Art Heimat“, es rege sich „eine Art Sehnsucht“, wenn er den Namen der Stadt höre. Seine Tante Elke besuchte er noch viele Male in Barendorf. „Lüneburg war für Udo Jürgens immer auch der Ort für Sauerfleisch und Bratkartoffeln. Die haben wir oft in der Kutscherstube, auch mit seiner Tante, gegessen“, erzählt Hansi Hoffmann. Sogar nach Konzerten in Hamburg sei der Sänger dafür mitunter in die Stadt gekommen.

Hoffmann, der als Tournee-Promoter arbeitete, lernte Udo Jürgens am 4. September 1960 bei einem Musikfestival im Casino von Knokke kennen. Es entspann sich eine enge Zusammenarbeit, die Jahrzehnte währte, bis New York und nach Südamerika führte. Hoffmann war bald für lange Jahre mehr als ein Promoter, „ich war als Freund für sein persönliches Wohlergehen verantwortlich“, erzählt der gestern sehr aufgewühlte, geschockte Hansi Hoffmann. Er wurde 1964 sogar Pate von Udo Jürgens Sohn John aus der ersten Jürgens-Ehe mit Erika Meier, genannt Panja.

Konzerte hat Udo Jürgens auch in Lüneburg gegeben, in der Nordlandhalle. Die Halle mochte er nicht, sie war denkbar ungeeignet. Aber: „Mir wurde ganz anders ums Herz, als ich heute in die Stadt einfuhr und die vertrauten Häuser sah“, eröffnete er sein Konzert 1980. Nach Konzerten wurde in Rolf Bergmanns Dixie, Am Berge, gefeiert. Feiern, das konnte der Sänger gut. Eine blonde LZ-Redakteurin musste damals auf der Hut sein.

Vorbei. Er habe noch viele schöne Lieder im Karton, hatte Jürgens seinem Kumpel Hansi Hoffmann vor wenigen Wochen gesagt. Nun bleibt es bei den gut 1000, die er geschrieben hat.