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Frank Jonas und seine ehrenamtliche Mitarbeiterin Regina Künzel begutachten das heiß begehrte Karussell. Foto: kre
Frank Jonas und seine ehrenamtliche Mitarbeiterin Regina Künzel begutachten das heiß begehrte Karussell. Foto: kre

(K)ein Kaufhaus wie jedes andere – Das „Fundus“ in Dahlenburg besteht seit nunmehr sieben Jahren

kre Dahlenburg. Es ist ein Geschenk, das auf jeden Fall Eindruck machen würde unter dem Weihnachtsbaum: Ein alter Geldspielautomat, der noch mit der D-Mark gefüttert werden will. Doch so ungewöhnlich das Präsent auch ist, einen Käufer hat das ,,Groschengrab“ bislang noch nicht gefunden. ,,Der ist leider ein bisschen unser Ladenhüter“, sagt schmunzelnd ,,Fundus“-Chef Frank Jonas.

Andere Artikel dagegen gehen weg im Dahlenburger Sozialkaufhaus „Fundus“ wie geschnitten Brot: Das Spieluhr-Karussell beispielsweise, das sich auf dem Tresen vor Regina Künzels Kasse dreht: Kaum im Laden angekommen, gibts auch schon die ersten Kaufwilligen: „Eine gute Kundin hat es sich bereits reserviert“, sagt Kaufhaus-Leiter Frank Jonas. Und sollte es sich die Dame doch noch anders überlegen, kein Problem: Die nächsten Interessenten hoffen nur darauf.

Auf den ersten Blick ist das ,,Fundus“ ein Kaufhaus wie viele andere auch: Kleidung gibt es hier zu kaufen, Hausrat, Spielzeug, Bücher und Möbel.Trotzdem ist im ,,Fundus“ alles anders: Keine der zum Verkauf stehenden Artikel sind fabrikneu, im Gegenteil: Sie stammen aus Haushaltsauflösungen, sind Spenden. Was sie alle gemeinsam haben von dem original 50er-Jahre-Telefon mit Wählscheibe über die Bleikristall-Gläser bis hin zum Hugo-Boss-Kostüm: Zum Wegwerfen sind sie allesamt viel zu schade. Im „Fundus“ starten sie deshalb ihr „zweites Leben.“

Eröffnet wurde das Sozialkaufhaus in der Lüneburger Straße vor nunmehr sieben Jahren. Träger der Einrichtung ist die job.sozial GbR und die neue arbeit Lüneburg. Das Ziel des Projektes: Langzeitarbeitslosen Menschen eine Perspektive zu bieten, ihnen im besten Fall den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter funktioniert prima“, lobt Kaufhauschef Frank Jonas. 22 Langzeitarbeitslose sind zurzeit im „Fundus“ beschäftigt. Sie kontrollieren die eingehenden Spenden, packen Kartons aus, füllen Regale auf, bauen Möbel zusammen, führen kleinere Reparaturen durch und beraten bei Bedarf die Kunden. Da sind Leute mit schmalem Geldbeutel genauso wie Gut- und Besserverdienende auf der Jagd nach Schnäppchen. Deshalb sind alle Artikel im Geschäft auch mit zwei Preisen ausgezeichnet: Der günstigere für Menschen mit Kundenkarte, die staatliche Förderung erhalten (z.B. Arbeitslosengeld II, Wohngeld, Bafög etc). Der ,,normale“, in der Regel 50 Prozent höhere Preis, ist für Kunden, die nicht auf staatliche Leistungen angewiesen sind.

Die Skepsis, die noch beim Start vor sieben Jahren den „Fundus“-Mitarbeitern entgegenschlug, ist Geschichte. Längst ist das Kaufhaus in der Lüneburger Straße zu einer ganz normalen Einkaufsadresse geworden. Das belegen auch die Zahlen: „Pro Jahr zählen wir durchschnittlich 20000 Besucher“, sagt Frank Jonas stolz. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die Samtgemeinde Dahlenburg insgesamt nur rund 6000 Einwohner hat.

Aber auch, was die eigentliche Aufgabe des Kaufhauses betrifft, nämlich Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren, kann das ,,Fundus“ durchaus Erfolge vorweisen: ,,In diesem Jahr haben vier Teilnehmer den Sprung in eine Beschäftigung geschafft“, freut sich Jonas. Das ist doch auch eine schöne Geschichte gerade zum Weihnachtsfest.