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Der Kupferstich der Altarbibel aus dem Jahr 1711 zeigt eine Stadtansicht Jerusalems. Foto: t&w
Der Kupferstich der Altarbibel aus dem Jahr 1711 zeigt eine Stadtansicht Jerusalems. Foto: t&w

Erfrischend auch mit 300 Jahren – Familie von Stern schenkt der Kirchengemeinde St. Johannis eine Altarbibel von 1711 + + + Mit LZplay-Video

ahe Lüneburg. Die Täter waren dreist, gingen im Gotteshaus auf Beutezug, noch dazu kurz nach Weihnachten. Dezember 2010: Am helllichten Tage knackten Diebe die Vitrine im Nordschiff der St. Johanniskirche, griffen sich die darin ausgestellte wertvolle von Sternsche Bibel aus dem Jahr 1672 und machten sich damit unbemerkt aus dem Staub. Die Kirchengemeinde schaltete die Polizei ein, wandte sich an Suchdienste und Antiquariate bis heute ist die gestohlene Bibel nicht wieder aufgetaucht. Den materiellen Verlust kann Superintendentin Christine Schmid nicht beziffern, doch der Verlust wiegt bis heute schwer: „Der ideelle Wert ist sicher deutlich höher als der monetäre.“ Nun hat die Kirchengemeinde St. Johannis ein vorweihnachtliches Geschenk bekommen, das über den Kunstraub ein wenig hinweg tröstet: Die Familie von Stern hat aus Anlass des 400-jährigen Bestehens ihrer Druckerei der Gemeinde eine Altarbibel von 1711 geschenkt. „An Heiligabend werden wir im Gottesdienst daraus die Weihnachtsgeschichte lesen“, sagt Christine Schmid.

Die Superintendentin hat in den vergangenen Tagen schon mehrfach in der „neuen“ alten Bibel geblättert eine Lutherbibel mit Erklärungen von Lucas Osiander im Format Großfolio in einem roten Ledereinband mit Metallbeschlag, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Es sei ein besonderes Gefühl, selbst für jemanden, der den Inhalt bestens kennt. „Zu wissen, dass schon vor 300 Jahren die Menschen daraus die Weihnachtsgeschichte gehört haben, ist toll. Die Bibel ist sehr gut erhalten, die Kommentare zu jedem Vers sorgen dafür, dass man sich unterbrechen lässt, langsamer und bedächtiger liest. Das ist ganz erfrischend und liefert neue Erkenntnisse, auch für mich.“ Die Pastorin sieht große ­Parallelen zwischen der Situation von Maria und Josef und vielen Flüchtlingen im Jahr 2014: „Da spiegelt sich vieles wider, und das zeigt, wie aktuell die Weihnachtsgeschichte auch heute noch ist.“

Von den Lutherbibeln mit Osianders Erklärungen, die „typisch reformatorisch mit ausgiebigen Bilddarstellungen, von zwei großen Kupferstichen abgesehen, sparsam umgehen und sich stattdessen mehr auf das Wort Gottes konzentrieren“, wie Christine Schmid erklärt, seien damals wohl 1000 bis 2000 Exemplare pro Auflage von den Sternen gedruckt worden. „Dieses Exemplar ist aus der zweiten Auflage. Eine solche Altarbibel war damals ein Prestigeobjekt. Sowas konnten sich nur die großen Kirchen leisten oder solche, die einen Patron als Gönner hatten. ­Parallel dazu haben die Sterne damals aber auch günstige Schulbibeln gedruckt.“

Auch die Osiander-Bibel, deren heutigen Wert Experten auf etwa 3000 Euro schätzen, soll künftig dauerhaft für Besucher der Kirche zu sehen sein, in einer gut gesicherten Vitrine, die gerade extra dafür gebaut werde, wie Christine Schmid ausführt: „Gelegentlich, vor allem bei festlichen Anlässen, werden wir sie im Gottesdienst nutzen.“