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Dora Vogel begleitete als Kindermädchen zwei Jahre lang den Lebensweg von Udo Jürgens. Foto: be
Dora Vogel begleitete als Kindermädchen zwei Jahre lang den Lebensweg von Udo Jürgens. Foto: be

„Immer, immer wieder geht die Sonne auf“ – Ehemaliges Kindermädchen trauert um Udo Jürgens

jdr Lüneburg. Dass „ihr Udo“ so plötzlich gegangen ist, mag Dora Vogel noch nicht recht wahrhaben. Zwei Jahre lang begleitete die Barendorferin als Kindermädchen den Lebensweg des bedeutenden Sängers und Entertainers, der Sonntag unerwartet verstarb. „Ich wünsche ihm einfach nur, dass er in Frieden ruhen möge.“ Die Wege von Udo und seinem Lüneburger Kindermädchen kreuzten sich auch später da war er schon ein Star. Aber er hat sie nie vergessen.

„Es hat mich, meinen Mann und meine Familie sehr getroffen“, beschreibt die heute 84-Jährige ihre Gefühle vom Sonntagabend, als sie die Nachricht erreichte. Dora Vogel, die seit einiger Zeit im Seniorenheim Adendorf lebt, schaute wie jeden Abend fern, als gegen 18 Uhr ein Spruchband mit der Nachricht über den Tod ihres ehemaligen Schützlings über den Bildschirm lief.

Von 1945 bis 1947 kümmerte sich die damals 15-Jährige als Kindermädchen der Familie Bockelmann auf deren Gutshof in Barendorf um Udo Jürgens und seine zwei Brüder Manfred und John. „Viel Zeit war es ja nicht, die wir miteinander verbrachten, aber ich erinnere mich gut und gerne“, sagt Dora Vogel nachdenklich. „Udo hat ziemlich an mir gehangen er war ein besonderes Kind, sehr gebildet, begabt und gefühlvoll.“

Ein Treckführer hatte Dora Paul, wie sie mit Mädchennamen hieß, zusammen mit ihrer Mutter, der Schwester, den Großeltern, der Tante und einer Cousine im Jahre 1945 aus dem westpreußischen Rosenberg nach Barendorf gebracht. War das Ziel ihrer Flucht eigentlich das bei Stade liegende Himmelpforten gewesen, durchkreuzten Tiefflieger ihre Pläne und man blieb sicherheitshalber in der Ostheide. Wie die Seniorin berichtet, habe es zu der Zeit viele Flüchlinge in Barendorf gegeben „beinahe mehr als Einheimische“.

Gert Bockelmann, der Onkel von Udo Jürgens, bei dem er mit seinen Brüdern und der Mutter zwei Jahre lebte, hatte den Pauls angeboten, ihre Pferde aufzunehmen. „Darüber waren wir sehr froh, insgesamt waren die Bockelmanns immer ausgesprochen nett zu uns, sie haben uns immer ordentlich behandelt.“ Erste Bande waren somit geknüpft. Dass Dora Vogel bereits in der Heimat eine Lehre als Erzieherin absolviert hatte, sollte ihr in Barendorf schließlich zugutekommen. „Die Bockelmanns gaben mir eine Anstellung als Kindermädchen“, erinnert sich Dora Vogel. „Im Sommer haben wir Spaziergänge gemacht, waren viel in der Natur. Im Winter wurde viel gebastelt Spielzeug gab es ja nach dem Krieg kaum welches.“

Nach zwei Jahren dann holte Vater Rudolf Bockelmann seine Frau Käthe mit den drei Söhnen zurück nach Kärnten. „Der Abschied ist mir fürchterlich nah gegangen“, erinnert sich Dora Vogel. Rudolf Bockelmann hatte ihr angeboten, die Familie zu begleiten, auch in Österreich den Dienst als Kindermädchen fortzuführen. Doras Mann Gert Vogel verrät jedoch: „Das Angebot hat sie ausgeschlagen, weil sie mich kennengelernt hatte“, sagt der 88-Jährige zufrieden. „Zum Glück, denn bald können wir nun Eiserne Hochzeit feiern.“

Trotz der räumlichen Distanz: Aus den Augen verloren hatte Dora Vogel ihren ehemaligen Schützling Udo Jürgens nie. Nicht nur, dass sie ihn in den Siebzigern zwei Mal wiedertreffen konnte. Über Jahrzehnte sammelte sie zudem fleißig jeden Schnipsel, der sich in Zeitungen und Magazinen finden ließ. Zwei prall gefüllte Mappen sind es bis heute geworden. Ihre Lieblingserinnerungen Fotos vom Treffen auf dem Lüneburger Stadtfest und in der Nordlandhalle hat sie sich neben wenigen anderen persönlichen Gegenständen mit in das Seniorenheim genommen. „Das war mir wichtig“, sagt Dora Vogel und fährt fort „In meinem Herzen wird Udo weiterleben, man muss nach vorne schauen. Er selbst hat es gesungen Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht.“

Schockiert hat die Nachricht vom Tode Udo Jürgens auch Sven Bender, dessen Kanzlei im ehemaligen Haus des Lüneburger Oberbürgermeisters Bockelmann residiert. Die Villa wird 2015 hundert Jahre alt und laut Bender hatte Udo Jürgens zugesagt, bei der privaten Feier dann als Ehrengast zu kommen.