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Die siebenjährige Mischlingshündin Sina verbringt Weihnachten im Lüneburger Tierheim. Leiterin Selina Martens passt auf, damit es ihrem Schützling an nichts fehlt. Foto: t&w
Die siebenjährige Mischlingshündin Sina verbringt Weihnachten im Lüneburger Tierheim. Leiterin Selina Martens passt auf, damit es ihrem Schützling an nichts fehlt. Foto: t&w

Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum

emi Lüneburg. Sina ist seit einem Monat im Lüneburger Tierheim. Die siebenjährige Mischlingshündin wartet auf einen neuen Besitzer, der ihr ein liebevolles Zuhause bietet. Doch noch muss sie sich ein wenig gedulden.

Das Tierheim verhängt seit zehn Jahren einen Vermittlungsstopp zwischen Weihnachten und Silvester, um zu verhindern, dass die Tiere unter dem Weihnachtsbaum landen und die unliebsamen Geschenke nach den Feiertagen wieder zurückgegeben werden. Denn Tierheim-Leiterin Selina Martens hat früher häufig die Erfahrung gemacht: „Solange die Leute Urlaub haben, ist alles schön. Erst, wenn die Arbeit wieder losgeht, tauchen die Probleme auf. Dann nervt der süße Welpe plötzlich, von dem man dachte, er werde schon noch stubenrein…“

Die 50-Jährige hat in den vergangenen Jahren viel erlebt, über das sie nur den Kopf schütteln kann: „Auch heutzutage kommen noch Menschen am 23. oder 24. Dezember ins Tierheim und sagen: ,Ich weiß nicht, was ich meinem Kind schenken soll. Können Sie mir nicht noch schnell ein Kaninchen in eine Box packen?“ Für Martens ein Unding: „Tiere gehören nicht unter den Baum! Meistens geht die Überraschung in die Hose, weil derjenige, der beschenkt wird, nicht einverstanden ist.“

Weihnachten sei für Hunde und Katzen nur Stress pur: „Die Bude ist voll, die ganze Familie ist da, alle hetzen von einem Termin zum nächsten, es ist laut. In so einer Situation einzuziehen, ist für die Tiere nicht schön. Stellen Sie sich vor, Sie würden selbst so in eine Gastfamilie einziehen, das sind vielleicht doch zu viele Eindrücke auf einmal.“

Kein positives Ankommen gibt es für die Vierbeiner auch an Silvester: „Durch die ganze Böllerei erschrecken sich viele Hunde so, dass sie weg­ und manchmal sogar vors Auto laufen“, sagt Martens. „Meine Katzen sperre ich persönlich bis Neujahr ein, denn ich habe schon erlebt, dass den Tieren Böller an den Schwanz gebunden wurden.“ Wieder so ein Erlebnis, das die Tierheim-Leiterin fassungslos macht und vor dem sie ihre Schützlinge bewahren will.

Die 31 Hunde, 66 Katzen und 24 Kleintiere von Wellensittich bis Chinchilla sollen im Lüneburger Tierheim ruhige und schöne Weihnachten genießen. „An Heiligabend kommen Menschen, die Geschenke für die Tiere bringen. Nachmittags füttere ich alle Tiere noch einmal. Zur Feier des Tages bekommen sie Leckerlis, denn das Essen soll auch für sie schöner sein als sonst.“

Erst ab dem 3. Januar 2015 dürfen Sina und die anderen Tiere wieder abgeholt werden. Bis dahin stehen die Tierheim-Mitarbeiter natürlich trotzdem bei Fragen bereit. Denn Selina Martens rät: „Man sollte sich erst einmal informieren, bevor man ein Tier aufnimmt gerade wenn Weihnachtszeit ist.“

Auch die Katzenhilfe Bleckede vermittelt zurzeit keine Tiere.

Tipps für ein sorgenfreies Fest mit dem Haustier

Nicht nur auf Menschen übt die Weihnachtszeit einen besonderen Zauber aus, auch Tiere fühlen sich von flackernden Kerzen, bunten Glaskugeln und leicht erreichbaren Süßigkeiten magisch angezogen. Damit die Weihnachtszeit für Menschen, die schon ein Haustier haben, und ihre Schützlinge möglichst sicher verläuft, gibt „Tasso“, das Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland, Tipps heraus. Die wichtigsten hat die LZ zusammengestellt:

  • Der Weihnachtsbaum sollte gut gesichert sein, damit er bei etwaigen Kletterversuchen nicht umfällt. Tannennadeln im Wasser des Baumständers können wegen der ätherischen Öle für Tiere lebensgefährlich sein. Das gilt auch für Stromkabel. Beides am besten mit einem Tuch abdecken.
  • Glaskugeln, Lametta, brennende Kerzen laden zum Spielen und Reinbeißen – und damit zum Verschlucken, Verletzen und Verbrennen – ein. Im Ernstfall sofort zum Tierarzt fahren. Alternativ Papp- und Kunststoffkugeln sowie LED-Kerzen als Baumschmuck verwenden.
  • Schokolade sollte für Tiere tabu sein. Das enthaltene Theobromin ist zumindest für Hunde giftig und kann zu Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall und sogar zum Tod führen.
  • Besorgen Sie sich die Telefonnummer des tierärztlichen Notdienstes in Ihrer Nähe, damit Sie im Ernstfall nicht erst danach suchen müssen.
  • Bieten Sie Ihrem Tier die Möglichkeit, sich in ein ruhiges Zimmer zurückzuziehen, wenn ihm danach ist. Weihnachten bedeutet in jedem Fall eine Reizüberflutung.
    Weitere Infos: www.tasso.net