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Mein Lieblings-Weihnachtslied

Weihnachten gilt nicht nur als Fest des Lichtes und der Liebe, es ist auch das Fest der Lieder. Menschen kommen zusammen, um gemeinsam zu singen, sei es im Gottesdienst oder zu Hause im Kreis der Familie. LZ-Redakteur Ulf Stüwe hat Superintendentin Christine Schmid, Dechant Carsten Menges und Pastor Jürgen Bohle nach ihren Lieblings-Weihnachtsliedern befragt.

Lüneburgs Superintendentin Christine Schmid mag ihr Lieblings-Weihnachtslied schon seit Grundschultagen. Foto: t&w
Lüneburgs Superintendentin Christine Schmid mag ihr Lieblings-Weihnachtslied schon seit Grundschultagen. Foto: t&w

„Für mich zählt Paul Gerhards Lied ‚Ich steh an deiner Krippen hier‘ zu den schönsten Weihnachtsliedern“, sagt Superintendentin Christine Schmid. „Es ist ein sehr persönliches Lied, ein innerer Dialog zwischen dem, der singt, und dem Christkind.“ Licht und Dunkelheit – typisch für viele Weihnachtslieder – stünden für persönliches Leid und persönlichen Trost, die über dieses Lied zu erfahren seien.
„Ich habe eine lebenslange Beziehung zu diesem Lied“, sagt Schmid. Schon beim Krippenspiel in der Grundschule habe sie es mitgesungen, später in ihrer Jugend schätzte sie die „etwas rustikalere Fassung“ von Herman van Veen. „Auch bei meiner Amtseinführung 2007 wurde es gesungen.“ Noch heute summe sie es oft vor sich hin.
Vielen sei das Lied durch das Weihnachtsoratorium bekannt, es gehöre zu den Kern-Chorälen des Bach’schen Werkes. „Bei uns gibt es keine Christvesper ohne dieses Lied.“ Natürlich würden an Heiligabend auch die Klassiker gesungen, denn es sei wichtig, Vertrautes wiederzuerkennen. „Lieder stärken das Gefühl von Eingebundenheit und Zusammengehörigkeit.“

Ich steh an deiner Krippen hier
Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesulein, mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir‘s wohlgefallen.

Jürgen Bohle  ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lüneburg. Foto: t&w
Jürgen Bohle ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lüneburg. Foto: t&w

Das Lied sei bei ihm „auf der inneren Festplatte abgespeichert“, sagt Jürgen Bohle, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lüneburg, über sein Weihnachtslied „Die Nacht ist vorgedrungen“. Für ihn stehe es als „Bild für Jesus Christus“, es nehme Bezug auf einen Bibeltext (Römer 13, 11 – 14), über den in der Adventszeit gepredigt wird. „Das Lied macht deutlich, dass es einen hellen Morgenstern gibt, der in der Finsternis zu uns strahlt.“
Besonderes Gewicht bekomme das Lied durch die Biographie des 1903 geborenen Verfassers des Textes, Jochen Klepper. Der Text entstand 1937, „sechs Jahre später war Klepper, der von den Nazis verfolgt wurde, weil er mit einer Jüdin verheiratet war, tot“. Klepper, seine Frau und seine Tochter hatten vergeblich versucht, Deutschland zu verlassen. Als sie keinen Ausweg mehr sahen, wählten sie den Freitod.
„Klepper spielt mit Licht und Schatten. Er beschreibt mit der Geburt des Kindes in der Krippe von Bethlehem das Licht und die Hoffnung“, interpretiert Bohle das Lied. Manchmal seien die Lasten des Alltags so groß, dass man glaubt, man gehe darin unter. „Immer dann rufe ich dieses Lied in mir ab.“

Die Nacht ist vorgedrungen
Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dechant Carsten Menges. Foto: t&w
Dechant Carsten Menges. Foto: t&w

Der lateinische Titel des Liedes „Nun freut euch, ihr Christen“, lautet „Adeste fideles“, es ist das Lieblings-Weihnachtslied von Dechant Carsten Menges von der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Lüneburg. „Ich mag es wegen der Melodie und der Fröhlichkeit und weil es Lobpreis enthält“, sagt Menges. Der Text sei „theologischer“ als der anderer Weihnachtslieder, die empfindet Menges teilweise als „eher süßlich“.
Besonders gefalle ihm das Lied aber, weil es sich an das Glaubensbekenntnis anlehne. „ ,Nun freut euch, ihr Christen‘ ist eine Aufforderung, sich auf den Weg zu machen. Geht selber los ist die Botschaft, die ich darin erkenne.“ Zum Ausdruck komme sie in dem Kehrvers „Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn“.
Erste Bekanntschaft mit dem Lied habe Menges in seiner Zeit als Messdiener gemacht. „Seitdem singe ich es immer in der Weihnachtszeit, selbst im Auto.“ Ihm gefällt, dass dieses Lied nicht so bekannt sei wie die gängigen Weihnachtslieder wie „O du fröhliche“ oder „Stille Nacht, heilige Nacht“, die würden schon in der Adventszeit überall gesungen und seien „etwas ausgelutscht“.

Nun freut euch, ihr Christen
Nun freut euch, ihr Christen, singet Jubellieder
und kommet, o kommet nach Bethlehem.
Christus, der Heiland, stieg zu uns hernieder.
Kommt, lasset uns anbeten; kommt, lasset uns anbeten;
kommt, lasset und anbeten den König, den Herrn.