Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nach der Schießerei stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten am Klinikum. Die Ermittler halten die Beteiligten für hoch gefährlich. Foto: A/ca
Nach der Schießerei stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten am Klinikum. Die Ermittler halten die Beteiligten für hoch gefährlich. Foto: A/ca

Angriffe gegen Ermittler

ca Lüneburg. Beweisen lässt sich nichts, aber natürlich haben Polizisten einen Verdacht, wer hinter den hinterhältigen Attacken steckt. „Organisierte Kriminalität“, sagt ein ranghoher Beamter. Ziel waren mehrere seiner Kollegen, die im Fall der Brandstiftung am Stintmarkt im Dezember vergangenen Jahres ermitteln, sowie Beamte, die das Umfeld rund um die Schießerei am Städtischen Klinikum im Spätsommer aufhellen sollen. An Streifen-, aber vor allem auch an Privatwagen von Polizisten haben Unbekannte in den vergangenen Monaten Radmuttern gelöst. Sogar am Lenker des Fahrrads eines Kontaktbeamten hat es Manipulationen gegeben. Die betroffenen Polizisten haben rechtzeitig bemerkt, dass etwas an ihren Fahrzeugen nicht stimmte, sodass niemand verletzt wurde.

Lüneburgs Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu bestätigt entsprechende LZ-Informationen. Hält sich ansonsten aber bedeckt: „Wir hatten mehrfach derartige Angriffe auf Privat- und Dienstwagen. Mitarbeiter wurden sensibilisiert, auf Fahrzeuge zu achten. Auch haben wir Ermittlungsverfahren eingeleitet.“ Gegen Unbekannt, dabei ist es geblieben, denn Täter wurden bislang nicht gefasst.

Aus Polizeikreisen ist mehr zu hören. Beamte vermuten, woher die Drahtzieher der Aktionen stammen könnten. Das ergibt sich für sie aus den Kollegen, deren Fahrzeuge angegangen wurden, und zeitlichen Zusammenhängen. So waren Kommissare betroffen, die den Brandstifter vom Stint suchen, sowie Ermittler, die Angehörige der beiden kurdischen Familienclans befragt haben, die sich Anfang September erst in einem Fitnessstudio am Pulverweg eine blutige Schlägerei und einen Tag später eine Schießerei am Klinikum an der Bögelstraße geliefert haben. Parallel dazu stellten Polizisten die Attacken fest.

Sie glauben auch nicht, dass Verdächtige, die Ermittler für Köpfe krimineller Strukturen der Stadt halten, selber zugeschlagen haben: „Die suchen sich einen Junkie, der das erledigt.“ Für ein paar Gramm Stoff sei so ein „armer Teufel“ zu jeder Tat bereit, auch wenn es lebensgefährlich für das Opfer ausfällt.

Wie ernst die Polizeiführung die Vorfälle nimmt, ließ sich kürzlich in einem Verfahren beobachten, das sich um Falschparken und Bedrohung durch einen italienischstämmigen Wirt am Stint drehte. Einer der Beamten sagte im Amtsgericht aus, er habe unter anderem deshalb Anzeige erstattet, weil er in das Ermittlungsverfahren rund um die Brandstiftung im Lösecke-Haus eingebunden war und dass versucht worden sei, ihn massiv unter Druck zu setzen. Zwar gilt dieser Gastronom im Lösecke-Fall nicht als verdächtig, trotzdem wollte die Polizei offenbar ein Zeichen setzen, wie empfindlich sie auf Einschüchterungsversuche reagiert.

Seine Vorgesetzten hätten ihn und seine Familie unter besonderen Schutz stellen wollen, sagte der Hauptkommissar, der lange Jahre als Zeugenschützer im Bereich der organisierten Kriminalität eingesetzt war. Doch er habe abgelehnt.

Nicht nur bei der Polizei reagieren Beamte vorsichtig, auch in der Justiz betrachtet man das Auftreten von Angeklagten durchaus aufmerksamer. Mindestens ein Richter soll in den vergangenen Wochen verbal bedroht worden sein, wissen Ermittler. Daraufhin sollen Richter entsprechende Gespräche mit der Polizeiführung zu diesem Thema sehr ernst genommen haben.

One comment

  1. Ich spreche aus, was andere nicht wagen: Die Mafia macht sich in Lüneburg breit.