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Bei der Adendorferin Gabriele Matern wurde vor knapp zwölf Jahren ein Hirntumor festgestellt. In einem Buch berichtet sie über ihre Erfahrungen. Foto: be
Bei der Adendorferin Gabriele Matern wurde vor knapp zwölf Jahren ein Hirntumor festgestellt. In einem Buch berichtet sie über ihre Erfahrungen. Foto: be

„Ich will leben“ – Adendorfer Tumorpatientin möchte anderen mit einem Buch über ihre Erkrankung Mut machen

pet Adendorf. Es begann mit einem Gefühl von Taubheit in der linken Gesichtshälfte. Es folgte eine Kernspintomografie als „Ausschlussuntersuchung“. Und dann der Schlag mit der Keule: Hirntumor. Das Leben der damals 43-jährigen Gabriele Matern wurde von einem Tag auf den anderen komplett umgekrempelt. Nichts ist seitdem mehr wie vorher. Aber Matern, heute 55 Jahre alt, beißt sich durch. Devise: „Ich will leben.“ Ihre Erinnerungen an die Krankheit und ihr Leben damit hat die Adendorferin in einem jetzt erschienenen Buch beschrieben: „…In einem Sommer wie diesem…“.

„Als ich erfuhr, dass ich einen Gehirntumor habe, dachte ich zuerst: Nun ist alles aus! Ich wollte mich in eine Ecke verkriechen und auf das Sterben warten! Ich war auf Gott und die Welt sauer! Konnte es nicht jemand anderen treffen? Warum ausgerechnet mich?“ So beginnt Gabriele Matern damit, ihre Geschichte zu erzählen. „Das, was geschehen ist, so gut wie möglich zu erklären.“

Dabei herrscht gerade Aufbruchstimmung bei ihr, als die Diagnose sie trifft. Sie hat eine Umschulung begonnen, ein neues Leben soll beginnen. Dann das Aus aber nicht das endgültige Aus. Und genau das, dass eine schwere Krankheit nicht das endgültige Aus sein muss, will Gabriele Matern vermitteln. „Man kann es schaffen, auch wenn man so eiskalt erwischt wird wie ich.“

Ein „gutartiger“ Tumor ist es, der bei Gabriele Matern diagnostiziert wird. „Gutartig“ zwar, aber deshalb nicht ungefährlich. „Der Tumor hat auf das umliegende Gewebe gedrückt. Und das Gehirn ist auch nicht dafür gemacht, dass bei einer Operation stundenlang darin herumgefuhrwerkt wird“, sagt sie. Ihre Operation dauert viereinhalb Stunden, der Tumor wird entfernt, zunächst bleiben Lähmungen im rechten Arm und Bein, spastische Probleme, Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen, mangelnde Belastbarkeit. Gabriele Matern muss ihre Umschulung abbrechen, reicht Frührente ein.

Mit Hilfe weniger Menschen, die zu ihr halten, meistert die Adendorferin aber ihr Schicksal. Ihr körperlicher Zustand bessert sich in kleinen Schritten, was bleibt sind Kopfschmerzen, schwere Depressionen und zeitweise Panik­attacken. Die richtige Kur mit den richtigen Therapeuten zur richtigen Zeit ist dann der vorläufig letzte Schritt in ein weitgehend normales Leben. „Mir wurde klargemacht, dass ich nicht alle Einschränkungen auf meine Krankheit zurückführen darf“, erzählt Gabriele Matern über eine wichtige Erkenntnis.

Neben ihrem eigentlichen Geburtstag feiert die 55-Jährige ein zweites Mal im Jahr Geburtstag am 21. Mai, „dem Tag meiner Operation“. Das Ausgehen macht ihr wieder Freude und sie feiert auch Feste viel intensiver als vorher. Sie hat sich besonders auf dieses Weihnachtsfest gefreut und auf Silvester mit Feiern im eigenen Heim, bei Verwandten und Freunden, der Silvestertour in den Hamburger Hafen. „Dinge, die ich vor kurzem noch nicht hätte machen können.“

Vor mehr als zehn Jahren wurde bei Gabriele Matern die Diagnose „Gehirntumor“ gestellt. Ein Jahr nach ihrer Operation begann sie, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. „Aber ich habe gemerkt, dass das zu früh für mich ist, es war noch zu schmerzhaft.“ Erst zehn Jahre später fand sie durch Zufall ihre ersten Schreibversuche wieder. „Da habe ich gemerkt, ich bin so weit, dass ich das schreiben kann.“ Und das hat sie getan.

Heute ist Gabriele Matern zufrieden mit ihrem Leben. Aber einmal im Jahr kommt doch die Angst vor der Krankheit wieder in ihr hoch: Wenn sie sich regelmäßig im Frühjahr einer erneuten Kernspintomografie unterzieht, zur Kontrolle. „Die Ärzte sagen ich muss das nicht machen lassen. Aber ich will das, ich brauche das für mich. Als Sicherheit.“
„…In einem Sommer wie diesem…“, 154 Seiten, von Gabriele Matern ist unter der ISBN-Nummer 978-3-7357-9083-5 erschienen und erhältlich.