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Windkraft ja, aber mit Maß. So lautet eine Grundposition vieler Bürgerinitiativen, die größere Mindestabstände von Windrädern zu Wohnsiedlungen einfordern. Die Windräder hier in Südergellersen sind vielen Anwohner schon zu nah. Foto: A/phs
Windkraft ja, aber mit Maß. So lautet eine Grundposition vieler Bürgerinitiativen, die größere Mindestabstände von Windrädern zu Wohnsiedlungen einfordern. Die Windräder hier in Südergellersen sind vielen Anwohner schon zu nah. Foto: A/phs

Gefährden Windräder Straßenverkehr?

dth Lüneburg. Der kürzliche, ganztägige Erörterungstermin in der Lüneburger Ritterakademie zur Planung von Vorrangflächen zur Windenergienutzung durch den Landkreis Lüneburg hat noch mehr Fragen aufgeworfen, als zuletzt berichtet. So will der Landkreis laut Lüneburger Kreisrätin Monika Scherf klären lassen, ob ein Windrad-Park an der Landesstraße 221 sich negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken könnte. Zudem will der Kreis Behauptungen der Bürgerinitiative Wetzen-Oerzen-Südergellersen (BIWOS) nachgehen, wonach eine alternative Planung sowohl eine größere Flächenauswahl als auch größere Mindestabstände von Windkraftanlagen zu Wohnsiedlungen ermögliche.

Wie berichtet, sieht der Landkreis vor, als eine von kreisweit noch insgesamt acht Vorrangflächen, nordöstlich von Wendhausen ein 93,6 Hektar großes Windkraft-Areal auszuweisen. Das Vorranggebiet ragt dabei mit einem nördlichen Zipfel über die Landesstraße 221 zwischen Sülbeck und Neetze. Reinstorfs Bürgermeister Burkhard Bisanz wies beim Erörterungstermin auf die L221 als Unfallschwerpunkt hin. Im Zuge eines Verkehrsversuches wurde dort für den Straßenverkehr zuletzt eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von durchgehend Tempo 80 angeordnet. Der Kreis solle nun klären, inwiefern sich Windräder dort auf die Verkehrssicherheit auswirkten. Bisanz bezog sich dabei auf ähnliche Erwägungen des Landkreises, die ihn dazu bewogen hätten, eine Teilfläche bei Etzen an der Bundesstraße 209 nicht auszuweisen. Zwar hatte der Landkreis bereits in der schriftlichen Abwägung zu dem Thema geantwortet. Doch nach der erneuten Eingabe beim Eröterungstermin sagte Scherf nun zu, sich noch einmal mit dem Thema „tiefergehend zu beschäftigen“. Im Bereich Wendhausen-Boltersen stehen bereits vier Windräder, davon lediglich eines auf der vorgesehenen Vorrangfläche. Sollten diese realisiert werden, geht die Kommune vom Bau sechs weiterer Windräder aus.

Zudem bohrten beim Erörterungstermin die BIWOS-Vertreter Manfred Illmer und Oliver Zeeck noch beim Aspekt „Vorbehaltsflächen Wald“ nach. Die BIWOS kritisierte in der Vergangenheit, dass einerseits bei Südergellersen bestehender Wald unter dem Vorwand dort Blaubeeren anbauen zu wollen, abgeholzt werden durfte und das Areal somit für Windkraft-Vorrangflächen eingerechnet wurde (LZ berichtete). Und auf der anderen Seite sogenannte „Vorbehaltsflächen Wald“ als tabu gelten, auch wenn sich dort gar kein Wald, sondern nur Acker befindet. Die These der BIWOS ist: Würde tatsächlich vorhandener „echter Wald“ geschützt werden anstatt Vorbehaltsflächen, die tatsächlich Wiesen und Felder sind, könnte der Kreis nicht nur mehr Vorrangflächen zur Verfügung stellen, sondern auch größere Mindestabstände zur Wohnbebauung. Die Rede ist von teilweise bis zu zwei Kilometern. Bisher hat der Kreis maximal 1000 Meter zu Wohngebieten vorgesehen. Würde der Landkreis dem Vorschlag folgen, müsste er seine bisherige jahrelange Planung mit harten und weichen Tabuzonen über den Haufen werfen. So versuchte bereits beim Erörterungstermin Landkreis-Berater Burkhard Kalliefe, ehemaliger Leiter der Stabstelle Regional- und Bauleitplanung, die Behauptungen der BIWOS mit eigenen Zahlen zu widerlegen. Dennoch sagt Kreisrätin Scherf: „Wir werden das intensiv prüfen.“

Die Knackpunkte aus dem Erörterungstermin werden noch einmal im Kreistags-Ausschuss für Erneuerbare Energien behandelt. Die nächste öffentliche Sitzung des Gremiums findet am Montag, 12. Januar, um 15 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses der Samtgemeinde Bardowick (Schulstraße 12) statt. Konkret wird es dabei auch um die Reduzierung der Teilfläche Oerzen gehen.

5 Kommentare

  1. Ich habe lange überlegt wodurch ein Windpark die Verkehrssichertheit negativ beeinflussen könnte und bin zu dem Schluss gekommen, dass man ein Windrad möglichst nicht direkt auf die Strasse stellen sollte. Ist das vielleicht gemeint?

    • @ Heidi

      sehr witzig und hilft einer sachlichen Diskussion weiter. Schon mal an Eiswurf und Schattenschlag gedacht?

  2. heidi, steht die sonne tief und die windräder drehen sich, gibt es schlagschatten. und zwar im wechsel. sowas kann schon mal irritieren. haben sie den vielen verkehr auf dem foto gesehen? damit meinte man wohl das vogelhäuschen. ha ha.

    • Danke Klaus für den sicher berechtigten Hinweis. Doch bei tief stehender Sonne gibt es auch ohne Windräder durch die Bäume an den Straßen ebenfalls häufig einen ständigen Licht-/Schattenwechsel zu jeder Jahreszeit. Das ist durchaus unangenehm beim fahren und fordert erhöhte Konzentration. Aber wird deshalb die Abholzung der Bäume gefordert? Nein! Wäre auch Blödsinn. Warum soll dann der Licht-/Schattenwechsel durch Windräder ein anderer sein und die Planung beeinflussen? Wer sich dadurch irritiert fühlt hat zwei Möglichkeiten. Erstens langsamer fahren oder zweitens gar nicht fahren und auf Bus und Bahn umsteigen (oder auch Fahrrad).
      Und wenn ich bei dem vorigen Kommentator den Hinweis auf Eisschlag lese, halte ich das für sehr weit her geholt. Hier genügt es doch einen Mindestabstand der Windräder zu einer Fahrbahn fest zu legen. Ich fahre viel und zu jeder Jahreszeit durch Schleswig-Holstein und in Niedersachsen durch Ostfriesland, wo bekanntlich schon viele Windparks stehen. Noch nie habe ich dort Eisschlag durch Windräder erlebt, davon annähernd gehört oder auch nur daran gedacht. Doch wenn man Argumente gegen etwas finden will, gelingt das mit etwas Fantasie in der Regel auch.
      Zum Schluss eine kurze Anmerkung zu meinem ersten Eintrag, der bewusst provozieren sollte: „Ein bisschen Spaß muss sein…“.

    • P.S. an Klaus: Das Vogelhäuschen konnte ich identifizieren. Doch auf dem Bild herrscht dort kein Verkehr. Steht vielleicht zu nah an den Windrädern im Hintergrund.