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Die Sperrung der Bardowicker Schleuse ist nun ein weiteres Hindernis für Ausflugsfahrten etwa des Lüneburger Salz-Ewers oder des Bardowicker Museumschiffs Ilmenau. Foto: dth
Die Sperrung der Bardowicker Schleuse ist nun ein weiteres Hindernis für Ausflugsfahrten etwa des Lüneburger Salz-Ewers oder des Bardowicker Museumschiffs Ilmenau. Foto: dth

Wegen Baufälligkeit gesperrt

Auf die Schnelle
– Thema: Marode Schleuse Bardowick
– Folge: Sperrung für Schifffahrt
– Hintergrund: Bauwerksinspektion

dth Bardowick. Nach der Schleuse Wittorf hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg nun an der Ilmenau auch die Schleuse Bardowick für die Schifffahrt voll gesperrt. Die Sperrung gilt für unbestimmte Zeit bis auf Widerruf. Das ist das Ergebnis der jüngsten Bauwerksinspektion durch das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg, das kürzlich über den Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice (Elwis) mitgeteilt wurde. Auf LZ-Nachfrage sagt WSA-Leiterin Bettina Kalytta: „Die Schleusentore in Bardowick sind baufällig, insbesondere das Obertor.“
Bereits im Oktober 2013 hatte das WSA die Bardowicker Schleuse, Baujahr 1933, einer eingehenden Überprüfung unterzogen. WSA-Mitarbeiter legten die Schleuse trocken und gaben schließlich zumindest zum Teil Entwarnung. Kalytta: „Wir konnten das Tor im Sommer mit Bordmitteln notdürftig reparieren.“ Doch lange gehalten hat das nicht. Kalytta: „Neue Tore wären notwendig.“ Bereits bei der Inspektion im Herbst 2013 schätzte sie auf Nachfrage die Kosten für ein neues Tor auf rund 100000 Euro. „Ob das dann in den Haushalt 2014 noch hineinpasst, kann ich nicht abschätzen“, sagte sie vor einem Jahr. Dieser Tage scheint das mit Blick auf 2015 weiter ungewiss.
Zumal das WSA Lauenburg laut Kalytta zuletzt „große Personalengpässe“ überwinden musste. Mit Blick auf die Schleusen und Wehre an der Ilmenau sagt sie: „Wir werden uns dem Thema zu Jahresbeginn wieder verstärkt widmen.“
Dann steht auch die weitere Auseinandersetzung mit der umstrittenen Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung der Ilmenau und der Entwidmung der Ilmenau als Bundeswasserstraße auf der Agenda. Kalytta: „Da müssen auch mit Blick auf die vorhergesagten Wasserstandsänderungen noch Untersuchungen gemacht werden. Wir gehen ergebnisoffen an die Sache ran.“
Die umstrittene Machbarkeitsstudie, initiiert von Bund und Land, schlägt für die Ilmenau vier Umgestaltungsvarianten vor. Die bisher vom WSA favorisierte Variante sieht den Einbau sogenannter Sohlgleiten vor, eine Art Rampen im Flussbett, die auf einer Länge von 50 Metern einen Höhenunterschied von einem Meter aufweisen. Die Schleusen würden zu Abflussrinnen reduziert, die seltenen Nadelwehre komplett zurückgebaut. Damit würde der Wasserstand auf 50 Prozent der bisherigen Stauhaltung verbleiben und Wassermengen darüber hinaus würden automatisch abfließen. Doch der abgesenkte Wasserstand macht nicht nur der Stadt Lüneburg Sorgen, die um die Standfestigkeit historischer Häuser an der Ilmenau fürchtet (LZ berichtete).
Im Januar will der Verein „Historische Ilmenau“ die Gespräche mit dem WSA dazu weiterführen. Der Verein, in dem sich Binnenschiffer, Anwohner, Landkreise und Kommunen verbündet haben, fordert den Erhalt der denkmalgeschützten Wehre und Schleusen.
Die nun festgestellte Baufälligkeit der Schleuse Bardowick ist ein weiterer herber Schlag ins Kontor der Schleusenbefürworter, die in der Vergangenheit dem WSA eine nachlässige Wartung vorgeworfen hatten, was die Behörde aber stets zurückwies.
Im Gegensatz zu den Schleusen sind die seltenen Nadelwehre an den Schleusenstandorten Bardowick, Wittorf und Fahrenholz weiter in Betrieb. Kalytta: „Die Nadelwehre werden vor allem erst bei tieferen Temperaturen gelegt, um zu verhindern, dass sie zum Beispiel durch Eisgang beschädigt werden.“ Oder teilweise nach starken Regenfällen, um den Abfluss zu gewährleisten.
Für die Schleusen gilt gemeinhin eine Betriebszeit von Anfang April bis Ende Oktober. Die Schleusen Wittorf und Bardowick werden jedoch, sofern sie nicht grundlegend instand gesetzt werden, durchgehend geschlossen bleiben. Außer für Bau- und Aufsichtsfahrzeuge. Die offizielle Sperrung der Schleuse Wittorf dauert bereits seit März 2012.