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Oliver Christoffers, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen in Lüneburg. Foto: t&w
Oliver Christoffers, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen in Lüneburg. Foto: t&w

Der schnellere Weg zum Facharzt

as Lüneburg. Immer wieder gibt es Kritik von gesetzlich Versicherten an den langen Wartezeiten für Termine beim Facharzt. Das will die Bundesregierung im Rahmen des geplanten Versorgungsstärkungsgesetzes ändern. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen verpflichtet werden, sogenannte Terminservicestellen einzurichten, die gesetzlich Versicherten mit Überweisung bei medizinischer Notwendigkeit einen Behandlungstermin binnen vier Wochen vermitteln. Kritik kommt von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Oliver Chris­toffers, KVN-Geschäftsführer für Lüneburg, sagt: „In der derzeitigen Gesetzesformulierung sehen wir nicht die Dringlichkeit berücksichtigt. Wenn jeder Anspruch auf Terminvermittlung hat, führt das zum Kollaps der Vermittlungsstelle.“

Schon vor drei Jahren habe der Gesetzgeber klargestellt, dass der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen auch die „angemessene und zeitnahe“ fachärztliche Versorgung umfasse, heißt es seitens des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Die vdek-Landesvertretung habe sogar 2013 versucht, eine entsprechende Regelung vor dem Schiedsamt durchzusetzen, nachdem sich die KVN einer inhaltlichen Diskussion verschlossen habe. „Die Kassen zahlen an die Kassenärztlichen Vereinigungen ein Budget dafür, dass sie die Versorgung sicherstellen“, sagt vdek-Sprecher Hanno Kummer. Verschiedene Untersuchungen würden belegen, dass gesetzlich Versicherte in vielen Regionen bei Fachärzten häufig länger auf einen Termin warten müssen als Privatpatienten.

Deshalb begrüßt der vdek die Pläne der Bundesregierung, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Terminservicestellen einrichten sollen. Kriterien dafür, dass sich ein Patient an diese Stelle wenden kann, sind „eine Überweisung für einen Facharztbesuch außer bei Behandlungsterminen bei einem Augenarzt oder einem Frauenarzt sowie eine medizinische Dringlichkeit“, verdeutlicht Kummer. „Kann die Servicestelle keinen Termin innerhalb der nächsten vier Wochen vermitteln, hat sie einen ambulanten Behandlungstermin im Krankenhaus anzubieten. Die Regelung gilt jedoch nicht bei verschiebbaren Routineuntersuchungen und bei Bagatellerkrankungen. Im Klartext: Liegt keine Dringlichkeit vor, bleibt eine ausbleibende Terminvermittlung durch die Servicestelle ohne Sanktion.“

Oliver Christoffers sieht im Gesetzentwurf die Dringlichkeit nicht genug formuliert. Das könnte dazu führen, dass künftig jede Überweisung zu vermitteln wäre. „Damit würde aber das Ziel, zeitnahe Termine für dringende Behandlungsbedarfe zu vermitteln, konterkariert.“ Außerdem müssten die Ärzte den Servicestellen Kapazitäten melden, was zu einem großen Ausmaß von Bürokratie führen könnte. „Der Gesetzgeber sieht zudem auch das Einholen von Zweitmeinungen bei Operationen vor. Auch das bindet weitere Kapazitäten bei Ärzten, sprich: Es bedeutet mehr Arbeit.“ Zudem sehe der Gesetzesentwurf in einem weiteren Punkt vor, dass in Regionen mit einer „Überversorgung“ Praxen geschlossen werden sollen. Berechnungen der KVN nach stünden damit in den nächsten Jahren auch 1400 Facharztpraxen zur Disposition. Das stehe im Widerspruch zur angestrebten Garantie für schnellere Termine beim Facharzt.

9 Kommentare

  1. Du hast selbst als Notfall bei deinem Orthopäden keine Chance vor 4 Wochen einen Termin zu bekommen. Augenärzte noch schlimmer. Und die Orthopädie bzw.Ambulanz im KH kannste vergessen. Daran sollte gearbeitet werden. MRT genauso.

  2. Versucht mal einen Termin beim Kinderarzt zu bekommen !! Am Wochenende ist die Notfallpraxis in der Jägerstrasse total überlaufen mit Kindern. Weil du einfach keinen Termin beim Kinderarzt bekommst. Bei Augenärzten …. Wartezeit auf einen Termin ca. 5 Monate !! Die ärztliche Versorgung geht hier wirklich rapide „den Bach runter“ !! Und das in einem der reichsten Länder der Welt. SCHANDE !!

  3. seit doch froh, wenn die ärzte keine zeit haben. wenn die ärzte in brasilien streiken, leben dort die menschen zum beispiel länger. und wer wie ich im lüneburger krankenhaus auf der neurologie gelandet ist und dort sechs tage untersucht wurde, obwohl ich gesagt habe, was ich habe, kann nur froh sein, keinen termin zu bekommen. diagnose infarkt im hirnstamm ist nicht witzig, wenn anschließend der hno-arzt feststellt, es war,, nur,, ein infarkt im innenohr.

  4. vorsicht ist die mutter der porzellankiste. ich gehöre zu denen, der in manchen situationen bei krankheiten dass 10 fache an wirkstoffe braucht und oft ist es das gegenteil, dann brauche ich nur ein zehntel. der arzt ist dann nur der dompteur. er probiert was aus. ob man es überlebt ist dann nur glücksache. man kann nur froh sein, wenn man zur mehrheit gehört, was die reaktionen angeht. darauf ist jeder arzt gefasst. wehe es gibt ausnahmen. und wer weiß, ob er dazu gehört?

  5. jeder, der 230 zu 130 blutdruck hat und am nächsten tag 90 zu 60 hat, weiß, wo von ich hier schreibe. dass liebe vegetative nervensystem ist eben nicht zu beherrschen. auch nicht mit autogenem training nach jokobsen und ähnlichen spaßvögeln.

    • Von stümperhaften Ärzten kann wahrscheinlich jeder ein Lied singen. Nur für Betroffene, die wirklich eines Facharztes bedürfen, wirken diese Kommentare zynisch…

      • vorsicht , stümperhafte ärzte ist eine beurteilung , die ich mir nicht zugestehe. erfahrung ist durch nichts zu ersetzen. lebenserfahrung hat man in jungen jahren üblicher weise weniger. dass heißt aber nicht, dass der alte automatisch schlauer ist. und was am monatsende alles herhalten muss, weil angeblich kein geld mehr da ist, hat mit stümperhaft wenig zu tun.

  6. Ich denke hier auf oder über Ärzte zu schimpfen ist der falsche Ansatz. Sie sind für teils wirklich sehr lange Wartezeiten auf einen Termin nicht verantwortlich zu machen. Das Problem hat m.E. andere Ursachen.

    Da ist zum einen die Kassenärztliche Vereinigung die darüber entscheidet, welcher Arzt sich wo niederlassen darf. Der Schlüssel dafür richtet sich m.W. nach den Einwohnerzahlen. Nun mag es nach dem Schlüssel der KV in Lüneburg zum Beispiel genügend Orthopäden, Haut-, Augen- und andere Fachärzte geben, doch hat dieser „Verteilungsplan“ Schwächen. Erstens bezweifel ich, ob die Bedarfsberechnung wirklich bedarfsgerecht ist, oder ob nicht der Faktor „Einkommensverteilung“, sprich verfügbares Budget zu sehr im Vordergrund steht. Zweitens liegt es in der Natur der Sache dass es Ärzte gibt die einen guten Ruf haben und entsprechend stärker konsultiert werden. Andere Praxen sind dagegen so gut wie leer und kämpfen vielleicht sogar um ihre Existenz. Es geht also auch um Qualität/Qualitätssicherung. Hier wird m.E. viel zu wenig darauf geachtet. Jedenfalls von Seiten der KV. Wenn ich es richtig erinnere, werden Ärzte in Schweden nach dem Erfolg ihrer Therapie bezahlt. Die Patienten wissen sehr gut wo sie eine kompetente Behandlung und Beratung erhalten. Und schon sind wir wieder bei den langen Wartezeiten.

    Dann gibt es aber noch ein anderes Phänomen. In kaum einem anderen europäischen Land gehen die Menschen so oft zum Arzt wie in Deutschland. Zudem werden in Deutschland sehr schnell Antibiotika und auch teure Medikamente (die nebenbei bemerkt in den meisten europäischen Ländern weitaus billiger sind) verschrieben. Hier leistet die Pharmaindustrie „erstklassige“ Arbeit über ihre Pharmaberater und mit einer starken politischen Lobby. Das Problem ist in großem Maße das System der gesetzlichen Krankenversicherung selbst.

    Nach meiner Auffassung hat sich dieses System so verselbstständigt, dass der Gesetzgeber schon seit Jahrzehnten hier den Überblick und vor allem die Weitsicht verloren hat. In jeder Legislaturperiode wird erneut an diesem System herum gedoktort, ohne das ein Therapieerfolg erkennbar ist. Aber auch wenn der Gesetzgeber Entscheidungen manchmal auf die lange Bank schiebt und häufig viel zu spät reagiert – Wartezeiten hat er wie die Patienten wenigstens nicht.

    • tja oscar ich plediere schon lange dafür, dass ärzte eigene verträge mit den kommunen abschließen dürfen. aber so ist das, pfründe für armseliges verhalten ist bei uns ganz groß in mode. die kv ist überflüssig.