Aktuell
Home | Lokales | Abschied von Paula, der Elster
Rund sechs Monate lang hat Doris Brückmann aus Breetze die Elster Paula großgezogen, waren die beiden unzertrennlich. Doch nun hat Paula einen Freund, ist in die Natur zurückgekehrt. Foto: t&w
Rund sechs Monate lang hat Doris Brückmann aus Breetze die Elster Paula großgezogen, waren die beiden unzertrennlich. Doch nun hat Paula einen Freund, ist in die Natur zurückgekehrt. Foto: t&w

Abschied von Paula, der Elster

off Breetze. Ein halbes Jahr lang waren sie unzertrennlich, Doris Brückmann und Paula, die Elster. Mit der Hand zog die Breetzerin das verwaiste Vogeljunge auf (LZ berichtete), das dankte es ihr mit seiner Treue. Bis vor wenigen Tagen. „Paula hat jetzt einen Freund“, sagt Brückmann. Und damit ist sie als zweibeinige Ziehmutter abgeschrieben. Noch treibt sich die Elster mit ihrem Artgenossen zwar auf dem Grundstück herum, „aber wenn ich sie rufe, kommt sie nicht mehr“. Doris Brückmann weiß, dass es das Beste so ist. Und trotzdem:“Ich bin wahnsinnig traurig.“

In den letzten Monaten hat die 60-Jährige ihre Elster ins Herz geschlossen, „Paula ist ein richtiges kleines Familienmitglied geworden“, sagt sie. Freunde hatten den kleinen Rabenvogel im Mai vor der Haustür gefunden, winzig klein und ganz offenbar verwaist. Weil Doris Brückmann schon einmal eine Elster aufgezogen hat, brachten sie auch Paula zu ihr. Die fütterte sie anfangs mit Nassfutter für Hunde, später mit Mehlwürmern, Rührei und Schnecken. Paula wurde größer, lernte fliegen, wich Doris Brückmann aber auch dann nur selten von der Seite.

Sommer und Herbst verbrachten Doris Brückmann und Paula Seite an Seite, „dann wurde sie zunehmend scheuer“, sagt die Breetzerin. Immer häufiger ignorierte die Elster die Rufe ihrer Ziehmutter und eines Tages kam sie gar nicht mehr. „Nur noch den Käse, den ich ihr hinlege, holt sie sich.“ Ihre Tage teilt Paula nun mit einer anderen Elster. Und das vermutlich ihr Leben lang. Elstern gelten als treu, bleiben mit ihrem Partner solange zusammen, bis einer von beiden stirbt. Vielleicht erobert sich das Paar ein Revier auf dem Grundstück von Doris Brückmann, doch allzu viel Hoffnung macht sich die 60-Jährige nicht.

Auch ihr erstes Findelkind hat nach einem halben Jahr einen Freund gefunden und ist dann für immer davon geflogen. Doris Brückmann ahnte, dass Paula denselben Weg einschlagen wird. Aufhalten wollte sie die Elster nie. „Sie bleibt, solange sie will“, sagte die Breetzerin im Juli, „wenn sie will, fliegt sie weg.“ Jetzt naht der Abschied. Und auch wenn Doris Brückmann stolz auf sich sein könnte, der Elster das Leben gerettet zu haben. . . Dass Paula sie am Ende einfach so zurücklässt, „das tut schon weh“, sagt sie.

One comment

  1. Das ist ja eine rührende Geschichte…. doch der natürliche Trieb ist wohl dann eben doch stärker als die Freundschaft zu den Menschen.
    Ich finde es gut, dass die Elster den Weg in die Natur zu den Artgenossen gefunden hat und die Instinkte nicht ganz verloren hatte.
    Auch wenn es für Frau Brückmann traurig ist. Doch sie hatte ja viele Monate eine außergewöhnliche Begleitung. Die Erinnerungen daran sind auch viel wert. Sowas erlebt doch kaum ein Mensch.