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Der Poitou-Esel gehört zu den gefährdeten Nutztierrassen. In der Archeregion Flusslandschaft Elbe hat er ein Zuhause gefunden, war beim Archetag in Dellien/Amt Neuhaus zu bewundern. Foto: t&w
Der Poitou-Esel gehört zu den gefährdeten Nutztierrassen. In der Archeregion Flusslandschaft Elbe hat er ein Zuhause gefunden, war beim Archetag in Dellien/Amt Neuhaus zu bewundern. Foto: t&w

Ein Herz für bedrohte Tierrassen

emi Vögelsen. Auf seiner „Krayberry Farm“, rund 30 Kilometer westlich von Washington D.C., pflanzt er Gravensteiner Äpfel und Grünkohl an. Über das Internet informiert er sich, was in Gorleben und dem Biosphärenreservat „Niedersächsische Elbtalaue“ passiert. Auch wenn er seit zehn Jahren als Leitender Agrarökonom bei der Weltbank in den USA arbeitet, ist Dr. Holger A. Kray „mit der Region immer noch tief verbunden“. Deshalb stand für den 46-Jährigen fest, dass er sich irgendwann Deutschlands erste Arche-Region an der Elbe zwischen Dömitz und Lauenburg ansehen würde. In diesem Sommer war es soweit und Holger Kray begeistert. Jetzt trat er als erstes und bisher einziges Mitglied aus Übersee dem Arche-Förderverein bei, um mit seinen internationalen Kontakten eine Vernetzung zu schaffen.

Schon als Kind legte Holger Kray im Delmenhorster Gemüsegarten seiner Eltern Versuchsbeete an, pflanzte, buddelte, probierte. „Ich bin schon mein ganzes Leben lang ein Mensch, der zutiefst an Natur und ihrer Nutzung interessiert ist“, sagt Kray. Nach dem Abitur machte er eine zweijährige landwirtschaftliche Lehre im Betrieb Luhmann in Quickborn bei Dahlenburg. Dort lernte er auch seine heutige Frau Barbara kennen, die aus Radbruch stammt. Nach einem Studium der Agrarwissenschaften und der Doktorarbeit in Agrarökonomie verschlug es ihn nach beruflichen Stationen in München, Frankfurt und dem europäischen Ausland schließlich in die Vereinigten Staaten.

Bei einem seiner seltenen Zwischenstopps in der Region hat sich die LZ mit Holger Kray in Vögelsen getroffen. Foto: emi
Bei einem seiner seltenen Zwischenstopps in der Region hat sich die LZ mit Holger Kray in Vögelsen getroffen. Foto: emi

Mit Frau, zwei Kindern, Hund, Hühnern, Ponys und Bienenvölkern lebt der Agrar­ökonom heute auf der „Krayberry Farm“ im Bundesstaat Maryland, die er ausschließlich nach natürlichen Prinzipien bewirtschaftet. Viel Zeit zum Pflanzen, Buddeln und Probieren bleibt ihm dort allerdings nicht. Kray ist berufsbedingt 90 bis 160 Nächte im Jahr international unterwegs. Als Mitarbeiter im Landwirtschaftssektor der Entwicklungsbank der Vereinten Nationen reist der 46-Jährige in Länder von Rumänien bis Uruguay, um bei der Entwicklung von Landwirtschaft und ländlichen Räumen zu helfen.

Die Hälfte der Zeit verbringt Holger Kray mit hochrangigen Regierungsmitgliedern, mit Landwirtschafts- und Finanzministern und deren Mitarbeitern. „Ich begreife mich als Fürsprecher für den Landwirtschaftssektor und versuche zu vermitteln, warum es so wichtig ist, gerade in diesen Sektor zu investieren“, sagt er. „Landwirtschaft kann mehr als nur Nahrungsmittel produzieren, nämlich auch eine nachhaltige, artenreiche Umwelt sowie Lebensqualität sichern.“

Mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt das neue Förderverein-Mitglied Holger Kray auf der „Krayberry Farm“ im US-Bundesstaat Maryland.
Mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt das neue Förderverein-Mitglied Holger Kray auf der „Krayberry Farm“ im US-Bundesstaat Maryland.

Unter anderem berät der Agrarökonom seine Partner in der Gestaltung von Politik für den ländlichen Raum, beratschlagt, in welchem Bereich sie welche Projekte durchführen könnten und überprüft, ob die Mittel, die die Regierungen von der Weltbank erhalten, tatsächlich für den gedachten Zweck verwendet werden.

„Vor fünf Jahren haben wir ein Projekt in Serbien an der bulgarischen Grenze finanziert“, sagt Holger Kray. „Damals kamen wir in eine Region ohne Zukunftschance, alle zogen weg. Unser Projekt sollte helfen, bedrohte Tierrassen wie Mangalitza-Schwein und Zackelschaf zu erhalten und Landwirten die nachhaltige Bewirtschaftung der artenreichen Bergweiden näherzubringen. Heute kommen Leute aus Bulgarien über die Grenze, weil sie den Genuss von naturbelassenem balkanischen Essen schätzen. Und junge Menschen ziehen in diese Region zurück, die nun wieder zunehmend wirtschaftlich agil ist.“

Auch in der Archeregion Flusslandschaft Elbe widmen sich Landwirte dem Erhalt vom Aussterben bedrohter Tierrassen. „Das, was die Arche-Region macht, hat Bedeutung weit über den Landkreis Lüneburg hinaus“, ist Holger Kray überzeugt. „Ich glaube, dass das Konzept, sich nach außen für Besucher zu öffnen, Erwachsenen und Kindern hilft, den Wert vielfältiger Natur und Ernährung zu verstehen. Dabei möchte ich für mein Leben gern mithelfen.“

So plant der 46-Jährige etwa, den Leiter der serbischen Initiative einfliegen zu lassen und ihm die Arche-Region zu zeigen. Vielleicht ergibt sich dadurch eine serbisch-niedersächsische Verbindung. Und wie lange Verbundenheit auch über Ländergrenzen hinweg halten kann, weiß Holger Kray aus eigener Erfahrung.

Archeregion Flusslandschaft Elbe

Ob Buntes Bentheimer Schwein, Brillenschaf oder Poitou-Esel: Viele der robusten alten Haustierrassen sind vom Aussterben bedroht. Allein in Deutschland stehen mehr als 100 Nutztierrassen auf der Roten Liste. In Deutschlands erster Arche-Region an der Elbe zwischen Dömitz und Lauenburg kümmern sich viele Hofbesitzer um ihren Erhalt. Derzeit betreiben 22 zertifizierte Arche-Betriebe eine bäuerliche Landwirtschaft mit extensiver Tierhaltung, erzeugen oft Futtermittel selbst und bieten Informationen und lokale Erzeugnisse an. Um aktiv für die vom Aussterben bedrohten Haustierrassen zu werben, hat sich am 14. April 2014 in Neuhaus der Förderverein Flusslandschaft Elbe e.V. gegründet. Rund 40 Mitglieder zählt er inzwischen. Sie setzen sich auch für Landschaftspflege und Naturschutz in der Flusslandschaft Elbe ein. Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Holger Hogelücht aus Rosien (Amt Neuhaus) gewählt. Weitere Infos: www.arche-region-elbe.de.