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System der Berufsqualifikation: Angriff auf den Meister

Der Blick in die Zukunft macht Eckhard Sudmeyer nicht bange: Ein weiterhin niedriges Zinsniveau, gute Beschäftigungschancen und Einkommenszuwächse prognostiziert der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade (HWK) auch für 2015. ,,Ein Umsatzplus von nominal 1,5 bis zwei Prozent ist Dank einer starken Binnenkonjunktur durchaus realistisch“, prophezeit Sudmeyer selbstbewusst.

kre Lüneburg. Doch trotz dieser rosigen Aussichten für das heimische Handwerk – es gibt auch Baustellen, die dem HWK-Hauptgeschäftsführer einige Sorgen bereiten: Die eine ist die ,,ständige Herausforderung an die Betriebe, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagt Sudmeyer. Die andere ist der Vorstoß der EU-Kommission, ,,das System der Berufsqualifikation zu deregulieren.“

Die EU-Kommission hofft durch den Abbau von qualifikationsbezogenen Zugangsbeschränkungen mehr Wachstum und Beschäftigung zu generieren. Sudmeyer ist skeptisch. Schon aufgrund der Erfahrungen nach der Handwerksnovelle im Jahr 2004. Damals wurden 53 bis dato zulassungspflichtige Gewerke zulassungsfrei: Beispielsweise Fliesenleger müssen seitdem keinen Meistertitel mehr vorweisen, wenn sie sich selbstständig machen und einen Betrieb gründen wollen. ,,Seitdem hat sich zwar die Zahl der Betriebe verzehntfacht“, stellt Sudmeyer fest, doch bei vielen handle es sich um Klein- oder Kleinstbetriebe, von denen auch nur die wenigsten ausbilden.“ Hinzu habe eine Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Uni Göttingen ergeben, dass sich mehr als zwei Drittel der meisterpflichtigen Betriebe auch fünf Jahre nach Existenzgründung noch erfolgreich am Markt behaupten, während 60 Prozent der nach der Novelle zulassungsfreien Betreibe in dieser Zeit bereits wieder verschwunden waren.

Den HWK-Hauptgeschäftsführer wundert diese Entwicklung nicht. Bereits in einer Resolution hatte die Vollversammlung der Handwerkskammer eine Lanze für den Meisterbrief im deutschen Handwerk gebrochen: ,,In der Meistervorbereitung werden neben fachtheoretischen und fachpraktischen auch betriebswirtschaftliche und berufspädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt“, heißt es dort, und weiter: ,,Im Ergebnis sorgt der Meisterbrief für eine hohe Kompetenz, für stabile Existenzgründungen, für mehr Qualitätsarbeit und Verbraucherschutz sowie für eine anerkannt hohe Ausbildungsleistung im Handwerk.“

Ein Umstand, den auch Abgeordnete des Deutschen Bundestages unter ihnen namentlich auch der Lüneburger CDU-Abgeordnete Eckhard Pols erkannt haben: Sie machen sich ebenfalls dafür stark, ,,das bestehende System der zulassungspflichtigen Handwerksberufe zu stärken“ statt zu deregulieren. Schließlich bilden deutsche Handwerksbetriebe rund 400000 Azubis aus, die Ausbildungsquote liegt damit im Vergleich zur Gesamtbeschäftigtenzahl im Handwerk bei acht Prozent. Zum Vergleich: im Bereich Handel und Industrie liege sie bei drei bis vier Prozent, in der öffentlichen Verwaltung sogar bei unter drei Prozent. Nicht nur für HWK-Hauptgeschäftsführer Sudmeyer ist damit klar: ,,Das Handwerk trägt maßgeblichen Anteil daran, dass die Jugendarbeitslosigkeit mit 7,8 Prozent die geringste in ganz Europa ist.“

Und trotzdem haben die Handwerker in vielen Gewerken Probleme, Nachwuchs zu finden nicht nur aufgrund des demografischen Wandels. Es ist auch ein Imageproblem, mit dem das Handwerk vielfach zu kämpfen hat: Schmutzig, anstrengend, wenig anspruchsvoll die Liste der Vorurteile ist lang. ,,Handwerk ist aber keine Resterampe, Handwerk benötigt gut ausgebildete Mitarbeiter“, stellte jüngst der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols fest.

Nicht umsonst bemüht sich das Handwerk daher auch um Studienabbrecher eine Personengruppe, die bis vor wenigen Jahren nicht unbedingt im Fokus der Betriebe stand. Das hat sich geändert. ,,Wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter, Gesellen und Führungskräfte“, sagt Sudmeyer. Mit ihrer Hochschulreife und ihrer im Studium erworbenen Kompetenzen seien die Ex-Studenten für das Handwerk prima geeignet.

One comment

  1. doch bei vielen handle es sich um Klein- oder Kleinstbetriebe, von denen auch nur die wenigsten ausbilden.
    tja, mit der ausbildung ist das so eine sache. meister dürfen es und die, die einen extra lehrgang absolviert haben. nun muss man aber wissen, lehrgänge sind nicht kostenlos. warum? die wirtschaft jammert doch. angeblich gibt es zu wenig fachkräfte. sie kann was dagegen tun. zum beispiel die lehrgänge bezahlen. oder wartet man auf ausgebildete flüchtlinge? geiz ist geil, oder?