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Jan Gronewold schreibt bereits die ersten Zeilen ab, Pastor Dr. Frank Mertin sowie Anke Moorstein, Siegfried Graemer und Birgit Hellweg (v.l.) vom Kirchenvorstand schauen ihm dabei über die Schulter. Foto: t&w
Jan Gronewold schreibt bereits die ersten Zeilen ab, Pastor Dr. Frank Mertin sowie Anke Moorstein, Siegfried Graemer und Birgit Hellweg (v.l.) vom Kirchenvorstand schauen ihm dabei über die Schulter. Foto: t&w

Eine Bibel-Abschrift für den Landesbischof

kre Deutsch Evern. Eine saubere Handschrift ist Voraussetzung. Außerdem sollte man etwas Zeit, Geduld und Sorgfalt aufbringen. Denn das, was der Deutsch Everner Pastor Dr. Frank Mertin und sein Kirchenvorstand planen, ist ein Projekt, geplant für Ewigkeit: Eine handschriftliche Bibel, geschrieben von vielen verschiedenen Deutsch Evernern. Von jungen und von alten, von Konfirmanden und Mitarbeitern der Kirche. Von Mitgliedern des Frauen,- Senioren, und Besuchsdienstkreises genauso, wie von Mitgliedern der Männerrunde, von Kirchenbesuchern oder Angehörigen des Bibelhauskreises. Kurzum: Das Bibel-Projekt soll ein bunter Querschnitt durch die Gemeinde werden.

Doch warum diese Mühen im Zeitalter von Computer und Schreibprogrammen? Weil das Gebäude der Martinus-Kirche ein ehemaliges Bauernhaus in diesem Jahr 350 Jahre alt wird. Am Sonntag, 19. Juli, findet der Jubiläumsgottesdienst statt, zu dem sich Landesbischof Ralf Meister angesagt hat. Dann soll ihm als Erinnerung an diesen Tag die handgeschriebene und gebundene ,,Martinus-Bibel“ überreicht werden.

,,Früher war es die Aufgabe von Mönchen, die Bibel abzuschreiben, zu kopieren und so der Nachwelt zu erhalten und zugleich für deren Verbreitung zu sorgen“, berichtet Pastor Dr. Frank Mertin. In Erinnerung an diese Tradition wollen nun die Deutsch Everner selbst große Teile der Bibel abschreiben. ,,Durch diese Gemeinschaftsleistung setzen wir ein Zeichen, wie wichtig uns das Wort Gottes ist“, betont der Deutsch Everner Seelsorger ,,außerdem wird uns beim Abschreiben der Bibeltext wieder nahe gebracht.“

Das Projekt, das versteht sich von selbst, muss natürlich streng geplant und strukturiert werden. Gottvertrauen alleine wird da nicht reichen. ,,Die Bibelskribenten müssen schließlich wissen, welche Bibelstellen sie abschreiben sollen und in welcher Form“, gibt Kirchenvorstands-Vorsitzender Jan Gronewold zu bedenken. Und natürlich müssen alle die gleiche Bibel zur Grundlage nehmen ,,die Bibel mit dem revidierten Luther-Text 1984″, erklärt Dr. Mertin.

Die wird den Freiwilligen für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Genauso, wie ein Kunstschreibfüller mit dokumentenechter Tinte sowie speziellem Papier. Beschrieben werden sollen Vor- und Rückseite. Wichtig ist nur, dass die Freiwilligen an den Rändern des DIN-A-4-Papiers einen Rand von genau drei Zentimetern frei lassen. ,,Damit die Seiten später auch zu einem Buch gebunden werden können und Textstellen nicht im Knick verschwinden“, erklärt der Deutsch Everner Pastor. Wer was und wie viel abschreiben kann und will, wird zuvor mit Dr. Mertin geklärt: ,,Wir werden unterschiedlich lange Texte vergeben. Die können von einem Psalm bis zur ganzen Schöpfungsgeschichte reichen. Das liegt ganz in den Händen der Skribenten. Wir müssen es vorher nur besprechen“, betont Dr. Mertin.

Auch Verzierungen der Anfangsbuchstaben sind durchaus erwünscht. Und wer gut malen kann oder eine besondere Idee zur optischen Auflockerung des Textes hat, der kann auch eine ganze Seite extra gestalten. ,,Dem Tatendrang sind da keine Grenzen gesetzt“, freuen sich Mertin und Gronewold auf das Projekt.

Und wer sich daran beteiligt, dessen Name wird wohl für alle Ewigkeiten in der Bibel stehen: Denn hinter jeder handschriftlich gefertigten Textstelle sollen auch Ort, Datum, Name und gegebenenfalls die Tätigkeit der Skribenten aufgeschrieben werden als ewige Erinnerung an dieses ungewöhnliche Projekt.