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13 Jahre war Heinz A. Kleiske Obermeister der Innung für Informationstechnik. Jetzt wurde sie mangels Mitglieder aufgelöst. Foto: A/be
13 Jahre war Heinz A. Kleiske Obermeister der Innung für Informationstechnik. Jetzt wurde sie mangels Mitglieder aufgelöst. Foto: A/be

Eine Innung meldet sich nach 57 Jahren ab

kre Melbeck/Lüneburg. Die kleinen, Inhaber geführten Fernseh- und Radiofachgeschäfte sind schon lange aus dem Stadtbild verschwunden. Seit dem 31. Dezember ist nun auch die Innung für Informationstechnik endgültig Geschichte. Beschlossen worden war ihre Auflösung von der Mitgliederversammlung bereits im März 2014 zum Jahresende haben wir das Buch nun endgültig zugeklappt“, sagt der letzte Obermeister der Innung, der Melbecker Heinz-Arthur Kleiske, der 13 Jahre das Ehrenamt innehatte.

Obwohl die Innung Betriebe aus sechs Landkreisen vertrat, litt ihre Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren zusehends unter akuter Schwindsucht. ,,Zum Schluss waren wir nur noch zehn Mitgliedsbetriebe“, rekapituliert Kleiske. Zu wenig, um die Aufgaben einer Innung mit Leben zu füllen.

Dabei ist es auf den ersten Blick eigentlich paradox, dass in Zeiten modernster Informations- und Kommunikationstechnik ausgerechnet die Innung für Informationstechnik die Segel streichen musste. Schuld daran hat letztlich wohl auch die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Verbraucher. Getreu dem Werbeslogan ,,Ich bin doch nicht blöd“ stürmen die lieber die Elektronikgroßmärkte auf der Jagd nach vermeintlichen Schnäppchen. Da wird auch nicht mehr groß repariert. Da wird, sofern die Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, ,,das Gerät getauscht, beziehungsweise gleich ein Neues gekauft“, beobachtet der ehemalige Innungs-Obermeister. Ob dieses Kundenverhalten nachhaltig, sinnvoll und ressourcenschonend ist, steht auf einem anderen Blatt.

Im Konzert der Großen konnten und können viele kleine Geschäfte da jedenfalls nicht mehr mithalten. In der Chronik der aufgelösten Innung heißt es dazu unter anderem, dass Betriebe ,,sich aufgrund der für das eigentliche Handwerk immer ungünstiger werdenden Wettbewerbssituation aus dem Markt zurückziehen mussten“. Und das in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum: ,,Im Jahr 2000 zählten wir in der Innung noch mehr als 50 Mitgliedsbetriebe“, erinnert Kleiske.

Und so, wie sich die Zahl der Betriebe minimiert hat, ist zwangsläufig auch die Zahl der Lehrlinge im Informationstechniker-Handwerk zurückgegangen von bundesweit ehemals 7200 im Jahr 1997 auf zuletzt weniger als 2300 im Jahr 2013.

Doch in jedem Ende steckt bekanntlich auch ein Neuanfang: Das trifft auch auf die nach 57 Jahren aufgelöste Innung zu. ,,Wir wollen nicht jammern“, sagt Kleiske. ,,Die Entwicklung ist halt so, wie sie ist, das lässt sich nicht mehr ändern.“ Für die Zukunft aber wollen die verbliebenen Informationstechniker-Betriebe neue Wege beschreiten und sich der Innung für Elektrotechnik anschließen. Für Kleiske macht das Sinn. Denn längst hat die Informationstechnik die Gebäude und Wohnungen erobert, lassen sich Heizungen, Licht und Rolläden über Smartphone steuern, der Inhalt des Kühlschranks auf dem Rechner überprüfen und die Photovoltaikanlage aus der Ferne kontrollieren. Ein vielfältiges Aufgabengebiet für Energie- und Gebäudetechniker, genauso, wie für Informationselektroniker mit dem Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik.

11 Kommentare

  1. Jaja,der böse böse Verbraucher ist Schuld daran.

    Das Problem ist,das es in Deutschland nur noch arm und reich gibt.Wenn es in Deutschland für alle vernünftige Löhne geben würde,und man nicht noch einen zweiten und dritten Job braucht um die Familie zu ernähren,dann kann man auch mehr bezahlen.
    Aber warum eigentlich? Wenn ein LED TV beim MM 200,00 euro billiger ist,soll ich trotzdem beim kleinen Händler kaufen?
    Ja ne,ist klar,der Verbraucher soll lieber blöd sein.

    • Lieber Herr Heye,
      ich bin bei Ihnen, dass wenn jemand der trotz einer guten Ausbildung mehrere Jobs haben muss, seine Familie nicht ernähren kann, etwas nicht stimmen kann. Die andere Seite ist, dass genau diese für den Ausbildungsbetrieb teure Ausbildung z.B. auch im Informationstechniker-Handwerk über Jahrzehnte erfolgreich stattgefunden hat. Die daraus hervorgegangenen Fachleute wurden mehr und mehr von der Industrie abgeworben, um z.B. dort während der Gewährleistungszeit für die Funktionsfähigkeit der Gerätschaften zu sorgen, oder im Außendienst vor Ort beim Verbraucher durch Austausch ganzer , teurer Funktionseinheiten z.B. das LCD Gerät wieder zum Laufen zu bringen. Allein die Fernost-Spezialisten pauken was das Zeug hält von Kindesbeinen an, damit sie Weltmarktführer werden konnten und sitzen zudem fast allein auf den wertvollen Ressourcen, deren veredelte Endprodukte wir hier nach wenigen Jahren wieder entsorgen, um uns wieder ein um 200 € – scheinbar günstigeres Gerät – bei MM und Co. zu kaufen. Fällt denn keinem auf, dass bis ungefähr zum Jahr 2000 die deutschen und auch Fernost-Markenfabrikate i.d.R. deutlich länger als 10 Jahre ihren Dienst taten und man heute nach wenigen Jahren mangels technischer Unterlagen oder überteuerter Ersatzteile die Reparatur ablehnt, weil man eben dem hochqualifizierten Techniker, der sich wegen der kurzen Innovationszyklen im Elektronikbereich ständig in teurer Weiterbildung befindet, den betriebswirtschaftlich erforderlichen Lohn nicht geben möchte? Sie werden wegen des Aussterbens eben dieser um ggf. 200 € teureren Läden in Zukunft niemand mehr finden, der Ihre diesbezüglichen Probleme, individuell auf Sie abgestimmt, lösen kann. Alles was mit dem Neukauf und dem mehrfachen Umtausch, ggf. auf dem Versandwege nicht erledigt ist, wird zu erheblichen Problemen führen. Ob Sie sich wegen des dann scheinbar ersparten Geldes besser fühlen, müssen Sie dann selbst entscheiden. H.A. Kleiske

      • Lieber Herr Kleiske,
        Ich bin bis ca. dem Jahre 2000 immer Kunde beim kleinen Händler vor Ort gewesen.Auch bei Ihnen,als ich noch in Grünhagen gewohnt und gearbeitet habe.Sie haben damals eine Satanlage bei mir aufgebaut(Forellenhof Betriebswohnung).Vorher war ich genau so wie mein Ur Opa,Opa,Onkel,mein Vater und meine Mutter Kunde bei Fernseh Schröder in Lüneburg.Man war Jahrzente lang zufrieden.Wir hatten meistens die gleichen Fernseher der Marke Metz.Diese haben damals ein kleines Vermögen gekostet,wenn man was gutes haben wollte.Mein letzter hatte 2600 DM gekostet,zu der Zeit war das viel Geld.Meistens haben diese Geräte 15 Jahre lang gehalten,es kam aber auch vor,das der gleiche Fernseher in der Zeit dreimal repariert wurde. Als ich wieder nach Lüneburg gezogen bin,war ich bei einem anderen kleinen Händler Kunde,wie auch wieder der größte Teil meiner Familie.Alle wollten einen kleinen ehrlichen Lüneburger Händler dem man Vertrauen kann wie man es gewohnt war und wo der Service stimmt.Wenn man zufrieden ist,spricht sich das im Verwandten und Bekannten Kreis rum und der kleine Händler vor Ort hat dadurch seine Stammkundschaft und kann durch diese gut Leben. Was ich dann aber erlebt habe hat mich zum Umdenken gebracht.Ich brauchte einen neuen Kühlschrank und einen Gefrierschrank und habe in dem Geschäft die Geräte und die Preise verglichen.Da ich meinen Vater und seinen Anhänger brauchte um die Geräte abzuholen,sind bis zum Kauf einige Tage vergangen.In der Zwischenzeit gab es dann 20 Prozent Rabatt und ich dachte,Super,genau zum richtigen Zeitpunkt.Als ich die Geräte kaufen wollte,waren sie dann mit 500 anstatt wie in der Vorwoche mit 400 Euro ausgezeichnet.Minus zwanzig Prozent war ich dann wieder bei 400 Euro.Als ich den Verkäufer dann ansprach,wurde der noch unfreundlich und ich brauchte 4 Wochen um mich zu beruhigen.Seit dem ist es mir egal wo ich kaufe.Das Vertrauen,der Service,die Freundlich und die Ehrlichkeit von früher ist genau so ausgestorben wie die Dinosaurier.Und es den Fernost-Spezialisten in die Schuhe zu schieben,das sehe ich auch anders.Diese gab es auch schon in den kleinen Lüneburger Betrieben.Vor 30 Jahren hatte ich eine Sharp Musikanlage,gekauft bei Schröder und den Sony Walkman.Und heute ist nur noch der Name auf den Geräten Deutsch,sonst nichts mehr.Vielleicht hätte der Deutsche auch mehr pauken sollen,dann wäre er vielleicht Weltmarktführer.Heutzutage ist es auch nicht mehr nötig oder erwünscht das ein Gerät 15 Jahre hält,dafür ist die technische Entwicklung zu schnell,da will man nach ein paar Jahren einen neuen TV.Ein Fernseher kostet ja auch nur noch fast die Hälfte wie früher.Mein erster LCD ist jetzt 7 Jahre alt und läuft noch immer,da ist es mir egal wenn er jetzt kaputt geht.
        Herr Kleiske,mich ärgert es einfach,wenn die Schuld auf den Verbraucher und Ihrer Meinung nach bei den Fernost-Spezialisten gesucht wird,das ist zu einfach.Vielleicht hätte man erst mal die Fehler bei sich selber suchen sollen oder müssen,dann hätte es vielleicht eine andere Entwicklung gegeben.
        Für mich persönlich und da bin ich bestimmt nicht alleine,gibt es keinen Grund mehr(da haben Sie mich oben falsch verstanden)für das gleiche Gerät(Sony HL755-Sony HL755) bei einem kleinen Händler 200 Euro mehr zu bezahlen,für die gleiche(Nicht)Leistung.
        Da fühle ich mich dann mit 200 Euro mehr in der Tasche deutlich besser.

  2. Mit Slogans wie „Geiz ist geil“ oder „Ich bin doch nicht blöd“ hat die zuständige Werbeagentur genau den Nerv vieler Verbraucher getroffen und sie damit zugleich regelrecht vera….. . Denn der beworbene Großanbieter, der zur Metro-Gruppe gehört, ist bei weitem nicht immer der günstigste Anbieter. Zudem läßt die Beratung und der Service nach meinen Erfahrungen sehr zu wünschen übrig. Aber die Werbepsychologen haben ihr Ziel erreicht. Besonders hirnrissig finde ich dabei, dass Märkte einer Unternehmensgruppe sogar mit der Werbung in Konkurrenz gehen. Denn sowohl der Markt mit dem „S“ am Anfang wie auch der mit dem doppelten „M“ gehören zur Metro. Gleiches gibt es übrigens auch bei Lebensmitteldiscountern. Das mag verstehen wer will. Ich verstehe es nicht ganz.

    • Heidi, Ich verstehe es nicht ganz.
      ich schon. der mensch ist ein gewohnheitstier. mit werbung wird er an etwas herangeführt, woran er sich gewöhnen soll. er soll nicht nachdenken, sondern kaufen. die annahme, metro macht sich selbst konkurrenz ist nicht richtig. saturn und media-markt machen sich nur scheinbar konkurrenz. es gehört zur verwirrung dazu. es gibt baugleiche elektroartikel , die auf einem förderband hergestellt werden und zwar bis zur letzten schraube, nur der name , der darauf steht ist oft unterschiedlich. nur so kann man für einen und denselben artikel unterschiedliche preise erziehlen, ohne dass der bürger merkt, wie er auf den arm genommen wird. funai und schneider vhs-videorekorder waren so ein beispiel. der schneider -rekorder kostete 100 euro mehr. er wurde in lüneburg hergestellt und zwar bei funai. der name schneider klingt ja so deutsch und deswegen haben die kunden ihn genau so gekauft , wie den funai-rekorder, obwohl tatsächlich kein unterschied bestand. ich habe die fertigung selbst gesehen.

    • übrigens heidi, erziehlen, oder erzielen ist hier das gleiche. erziehen und erreichen (erzielen) ist hier dass gleiche ziel.

      • Oh nein, ausgerechnet Sie, der in allen Medien permanent „dass“ als Artikel benutzt, gibt hier Heidi Nachhilfeunterricht. Sehr mutig !!

        • ,,dass,, , ist doch ein artikel, oder? kann man ihn nicht kaufen? ich nehme mir die künstlerische freiheit einfach ,,herr aus,,. meine rechtschreibschwäche ist legendär. ha ha.

  3. Eine gute Waschmaschine inkl. Aufbau kostet beim Einzelhändler vor Ort auch nicht viel mehr als beim Onlinehändler und dafür hat man wenigstens Service vor Ort.
    Geschäfte wie die Rasierzentrale oder Elektro Kaufer (um nur einige zu nennen) leben vom Service an Ihrem Kunden.
    Jeder möchte mehr verdienen, kauft gleichzeitig aber immer billiger ein. Das dies langfristig deren Löhne kaputt macht, versteht niemand…