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Foto: A./boldt
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Kaltenmoor: Auch ein Stück Heimat +++ Ein Plädoyer

von Dirk Hartkopf

Meine Eltern haben sich ihren Traum verwirklicht. 1969 parkte der VW Käfer in der neuen Garage, unmittelbar vor dem Eckreihenhaus an der Erwin-Von-Witzleben-Straße. Dort verbrachte ich meine Kindheit und Jugendzeit. Wir gingen Schwimmen im Sommer im Freibad Hagen, und im Winter rodelten wir den Berg dahinter hinunter. Ich lernte an der Anne-Frank-Schule und später an der Kopernikusschule. Meine damalige Welt bestand aus maximal einem Kilometer Radius. Es war alles in der Nähe. Eine kleine, glückliche, ausgeglichene Welt.

Mit 14 Jahren erweiterte sich mein Radius dann auf die ganze Stadt. In Oedeme spielte ich Fußball, in der Goseburg ging ich in die Disco, am Marktplatz kaufte ich meine Jeans. Auf die Frage, wo ich wohne, sagte ich zunächst „Kaltenmoor“, später „Kaltenmoor, linke Seite, aber wo die Reihenhäuser sind“. Irgendwann hieß es nur noch „in der Nähe von Hagen“.

Ich sagte das nicht, weil ich mich für meinen Stadtteil schämte. Ich sagte es, weil ich es leid war, mich für etwas zu entschuldigen, für das ich oder viele andere in diesem Stadtteil nicht verantwortlich waren. Für die Taten Einzelner.

Kaltenmoor gehört zu Lüneburg, genauso wie Wilschenbruch oder das Rote Feld. Nur hier wird bewusster Integration gelebt, und die stößt manchmal an schmerzhafte Grenzen. Aber gerade dann und besonders jetzt sollte man diesen Stadtteil nicht aufgeben. Es ist immer noch ein großes Stück Heimat für viele Lüneburger. Auch 45 Jahre später werden dort immer noch Träume geboren und ziehen Eltern ihre Kinder groß.

14 Kommentare

  1. vorsicht, bei loblieder werde ich schnell nervös. ich habe mit meiner frau vor ca 30 jahren dort gelebt. sie fühlte sich nicht sicher. besonders , wenn es dunkel wurde. der gang zur apotheke für meine frau war dort ein spießrutenlaufen. ob sich dieses geändert hat weiß ich nicht. aber der sogenannte quartiermeister hat auch nichts nachhaltiges bewirken können.

    • …sind aber nur loblieder erwünscht, denn wie sonst ist es zu erklären dass im land der meinungsfreiheit nach 4 beiträgen ganz plötzlich die gesamte kommentar-funktion abgeschaltet wird, wie so oft bei dieser thematik? wenn du wissen willst, wer dich beherrscht musst du lediglich schauen, wen oder was du nicht kritisieren darfst!!!

      • Nadine Pollnann

        Völlig in Ordnung ! Nur so kann man bekannten extrem Rechten wie Ihnen die Stirn bieten !

  2. ich kann mich Dirk nur anschließen…..könnte auch meine Geschichte sein…..wahrscheinlich kennen wir uns 🙂 heute lebt mein Vater in Timmendorf und wir zwischen Hamburg und Bremen aber wenn ich in LG bin fahre ich schon noch mal durch die Graf Schenk v. Stauffenbergstraße…..heute möchte ich dort aber nicht mehr leben…hat sich leider negativ entwickelt! Gruß, Karsten

  3. Man muss ja auch bedenken, dass es gewisse Gründe gibt, warum dieser Stadtteil so einen Ruf hat. Und die Aussage „dort wird Integration gelebt“ finde ich auch nicht ganz zutreffend, denn die Problemfälle sind in der Regel die Menschen, die sich nicht integrieren wollen. Mal abgesehen von der Plattenbau-Optik ist es ja auch so, dass in Kaltenmoor viele Sozialfälle leben (sowohl deutsch als auch ausländisch), was den Stadtteil für viele unattraktiv macht und wie man in vielen anderen Städten sehen kann, sind es meist diese Bereiche die einen Brennpunkt darstellen.

  4. Man muss wohl in Kaltenmoor geboren sein, um den Stadtteil schön zu finden. Ansonsten würde ich nur in einer absoluten Notlage dort hinziehen.
    Meine Kinder würde ich niemals (Ausnahme IGS) dort zur Schule gehen lassen.

  5. …muss / sollte es uns eigentlich irritieren, dass so ein politisch korrektes plädoyer-geplänkel erscheint, nachdem nur wenige tage zuvor eine „kulturbereichernde fachkraft für lebensverkürzende maßnahmen“ beweisen durfte, WIE toll doch gerade dort die sonst so flächendeckend gescheiterte integration gelebt wird & enfach unglaublich gut funktioniert hier in der heide- & rote-rosen-stadt???

    • Tobias Seemann

      Der bekannte versteckte braune Witz !

      • der übliche linke Reflex, sobald etwas nicht ins Bild der GutmenschInnen passt, ist es braun. Super, so eine einfach gestrickte Weltsicht möchte ich auch haben, da lebts sichs wohl unbeschwerter.

        • Tobias Seemann

          Sorry, aber dieser Caadn Popaadn ist schon dafür bekannt! Diese Kritik war schon treffend und nicht pauschalisierend, Hajü! Sie war subjektiv.

  6. .meine Schwester wohnt mit ihren beiden Kinder in Kaltenmoor und ich finde das Wohngebiet schrecklich. Ich bin 1990 aus der ehemaligen DDR nach Lüneburg gezogen und damals wurde ich schon vor dem Stadtteil gewarnt. Wer wie ich mit meiner Familie auf dem Dorf wohnt, für den ist Kaltenmoor der absolute Alptraum. Die Häuser, die Wohnungen die gesamten Außenanlagen einfach nur schrecklich. In dieses Gebiet können noch Millionen gesteckt werden, es wird nicht besser. Und, dann die Preise für die Wohnungen? Einfach unverschämt. Eine Wohnung 75 qm mit Einfachverglasung und alles nur Plunder kosten 620,00 €. Das Badezimmer der absolute Alptraum und für Kinder einfach nur schrecklich. Lieber würde ich in ein Zelt ziehen. Aber solche Gebiete entstehen, wenn alle Schlechtverdiener dort eingelagert werden. Wohnen kann man das nicht nennen.

    • Sie haben recht – wohnen kann man das nicht nennen – es sind Schließfächer – für wen auch immer.

  7. Sweet Home Kaltenmoor. Der Name sagt eigentlich schon alles. Kaltes Moor. Mensch Hardy! Du solltest Drehbücher für die „Roten Rosen“ schreiben. Da trieft es glaube ich ähnlich an Schmalz.

  8. Wenn ich die Kommentare lese, bekomme ich – Verzeihung – Brechreiz! Da wird pauschalisiert ohne Ende. Ich wette, dass niemand dieser „gut informierten“ Menschen wirklich Bescheid weiß, wie es in Kaltenmoor auch aussehen kann. Wir haben dort auch großzügige gepflegte Wohnungen und Häuser und nicht jeder, der in Kaltenmoor wohnt, ist auch gleichzeitig ein Sozialfall. Aber solange so „neunmalkluge“ Leute überall derartige Kommentare über diesen Stadtteil absondern und die Presse weiterhin auf Kaltenmoor herumhackt, wird sich sowieso nichts ändern – egal, wieviel Zeit, Geld und Mühe man darauf verwendet. Ich finde es nur sehr schade, dass einem sogar am Lüneburger Bahnhof diese Vorurteile entgegenschlagen, wenn man bloß versucht, ein Taxi nach Kaltenmoor zu nehmen. Was ich mir da schon alles anhören durfte, spottet echt jeglicher Beschreibung!