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Polizisten sichern Spuren in und vor der Wohnung, in der die beiden Frauen starben. Dort haben die Beamten auch die Tatwaffe sichergestellt: ein Messer. Foto: be
Polizisten sichern Spuren in und vor der Wohnung, in der die beiden Frauen starben. Dort haben die Beamten auch die Tatwaffe sichergestellt: ein Messer. Foto: be

Mord in Kaltenmoor: Die Nachbarn konnten nichts tun

ca Lüneburg. Die Romanows wollten helfen, doch sie hatten keine Chance: Die beiden Frauen in der Wohnung über ihnen starben am Sonntag nach mehreren Messerstichen. Anna Romanowa und ihr Sohn Maxim schildern aufgewühlt, was sich in ihrem Haus an der Adolf-Reichwein-Straße in Kaltenmoor abspielte. Wie berichtet, steht der Ehemann einer der getöteten Frauen im dringenden Verdacht, seine Gattin und deren Freundin erstochen zu haben. Der 31-Jährige ist auf der Flucht. Die Polizei sucht unter anderem mit Spezialkräften nach dem Iraker.

Die Romanows schildern die dramatischen Szenen vom Sonntag so: Aus der Wohnung im fünften Stock, also direkt über ihnen, seien gegen 14.30 Uhr Schreie zu hören gewesen. Maxim und sein Vater seien nach oben gelaufen, hätten gegen die Tür geschlagen und gefragt, was los sei. „Alles in Ordnung“, habe ihr Nachbar geantwortet. Sie hätten ihm geglaubt, weil sie ihn in der Vergangenheit nicht auffällig erlebt hätten.

Doch als sie zurück in ihrer Wohnung waren, hätte sich die Lage nicht beruhigt. Aus dem Fenster habe ihre Nachbarin erneut um Hilfe gerufen. Die Romanows alarmierten die Polizei. Die Mutter sagt: „Ich habe weiter mit ihr gesprochen.“ Dass die Frau da wahrscheinlich schon schwer verletzt war, habe sie nicht gewusst. „Sie hat nur gerufen ,Mir geht es nicht gut, holen Sie Hilfe“, schildert Anna Romanow. Der Mann habe sie eingeschlossen, sie komme nicht aus der Wohnung. Anna Romanows Sohn Maxim war in der Zwischenzeit nach unten gelaufen, um auf die Polizei zu warten und sie einzuweisen: „Erst kam ein, dann noch ein Streifenwagen, dann kamen die Rettungswagen.“

Die Beamten gelangten zunächst nicht in die Wohnung. Sie sollen die Tür mit einer Axt oder Brechstange aufgebrochen haben. Jedenfalls zersplitterte der Rahmen. In der Wohnung fanden die Polizisten die 32 und 33 Jahre alten Opfer. Eine Frau war bereits tot, die zweite erlag ihren schwersten Verletzungen noch vor Ort. Weder Polizisten noch Notärzte konnten ihr helfen.

Der Ehemann ist vermutlich mit einem blauen VW Golf (LG-KA102) geflüchtet. Die Polizei hatte zunächst mit einem Suchhund die Fährte des Verdächtigen aufgenommen, doch die Spur verlor sich. Inzwischen fahnden auch Spezialisten nach dem 31-Jährigen. Sie schließen nicht aus, dass er sich möglicherweise in Richtung Irak abgesetzt haben könnte. Aber das sind Spekulationen.

Aus Polizeikreisen war zu erfahren, dass der Mann als Asylbewerber nach Deutschland kam, das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen sei. Möglicherweise verhandelt das Lüneburger Verwaltungsgericht den Fall. Medien wollen erfahren haben, dass dort ein Verfahren gegen einen Mann gleichen Namens anhängig ist. Wenn dem so ist, könnte der Mann älter als 31, nämlich 40 Jahre alt sein.

Seine Frau, die nach LZ-Informationen ebenfalls aus dem Irak stammt, sowie das zweite Opfer, das in Lüneburg geboren wurde, besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Internet sind von Verwandten eingestellte Fotos der Freundin zu finden, danach ist sie offenbar Kurdin.

Die Ehefrau hinterlässt drei, die zweite Frau zwei Kinder. Am Tattag war das Kriseninterventionsteam, hinter dem Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderschutzbund und Pädagogische Initiative stehen, mit sechs Helfern im Einsatz, die die Mädchen und Jungen betreuten. Jetzt kümmern sich Verwandte um die Kinder.

Warum es zu der blutigen Tragödie kam, ist noch unklar. Die Ermittler gehen von einer „Beziehungstat“ aus. Obwohl Nachbarn die Ehe als harmonisch beschreiben, gibt es für die Polizei wohl Hinweise, dass es durchaus erhebliche Konflikte bei dem Paar gab. Doch dazu schweigen die Beamten.

Eine Richtigstellung: Auf der Suche nach dem Verdächtigen hat die Polizei am Sonntag nicht Mitarbeiter eines Dönerladens an der Bardowicker Straße befragt, sondern Auslieferungsfahrer anderer Betriebe.

2 Kommentare

  1. Liebe LZ. Jetzt macht bitte keine Soap aus diesem grässlichen Verbrechen, sondern bleibt bei einer sachlich, nüchternen Berichterstattung wie sie von einer Tageszeitung erwartet werden kann. Die ersten vier Absätze sind ja fast auf RTL-Niveau.