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Jeder Cent kam bei den Opfern an – Vor zehn Jahren fiel der Startschuss für das Tsunami-Hilfsprojekt „Lüneburger Paten“

cst Lüneburg. Viel ist berichtet worden dieser Tage über die Tsunami-Katastrophe in Südasien, die die Staaten am Indischen Ozean am zweiten Weihnachtsfeiertag vor zehn Jahren heimsuchte. Die höchsten Opfer­zahlen dieser beispiellosen Naturkatastrophe in Folge eines schweren Seebebens hatten Ende 2004 Indonesien und Sri Lanka zu beklagen.

Die Welle der Hilfsbereitschaft, die dieses schwere Unglück damals weltweit auslöste, gilt bis heute als einmalig. Vor allem die Deutschen öffneten ihre Portemonnaies ganz weit, um den Menschen in Not zu helfen und ihr Leid zu lindern. Als beispielhaft darf dabei die Aktion „Lüneburger Paten“ betrachtet werden, die sich nicht auf eine kurzfristige Spendenkampagne beschränkte, sondern sich ein Hilfsprojekt von mindestens drei Jahren Dauer zum Ziel gesetzt hatte. Am Ende sind daraus fast sieben Jahre geworden. Aber der Reihe nach:

Vor zehn Jahren, in der Wochenendausgabe vom 8./9. Januar 2005, rief die Landeszeitung auf ihrer Titelseite erstmals zur Teilnahme an der Hilfsaktion „Lüneburger Paten“ auf. „Werden auch Sie Pate für Kinder in Südasien“, lautete die Titelzeile und der darunter abgedruckte Artikel erläuterte die Idee. Es ging um 25 Euro pro Monat, die jeder Pate für einen Zeitraum von drei Jahren auf ein städtisches Spendenkonto überweisen sollte. Die Resonanz war überwältigend. Innerhalb weniger Tage kamen etwa 1000 Paten, Privatleute wie Firmen, zusammen, die diese von der Stadt Lüneburg, der Sparkasse und der LZ initiierte Aktion unterstützten. Anders gesagt: Dank der enormen Lüneburger Spendenfreude verfügte die Initiative monatlich über rund 25000 Euro, zusammen mit weiteren Einzelspenden kamen dadurch innerhalb von drei Jahren mehr als eine Million Euro zusammen. Besonders bemerkenswert: Im Gesamtzeitraum bis Februar 2008 sprang kein einziger der etwa 1000 Paten ab. Und auch das sollte an dieser Stelle noch einmal besonders erwähnt werden: Allein das Lüneburger Gesundkostwerk DeVauGe übernahm damals 100 Patenschaften, überwies in den drei Jahren 90000 Euro auf das Spendenkonto.

Die Entscheidung fiel im Frühjahr 2005 für ein Projekt im Süden Sri Lankas. Unweit der Stadt Ambalangoda wurden auf dem Gelände einer ehemaligen Zimtplantage 76 Wohnhäuser errichtet für Fischerfamilien, die durch den Tsunami ihr Hab und Gut und ihr Obdach verloren hatten. Die im Mai 2006 eingeweihte Siedlung wurde weitgehend aus den Lüneburger Spenden finanziert, einen kleineren Teil trugen die Städte Leipzig und Bochum dazu bei. Singhalesen wie Tamilen leben dort bis heute Tür an Tür.
Die Bauplanung, Überwachung und Ausführung vor Ort hatte der Bundesverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Bonn-Bad Godesberg übernommen. Zur Betreuung der Familien in der Siedlung Thalgasgoda konnte die Friends Kinderhilfe e. V. gewonnen werden, eine in Deutschland gegründete Organisation, die bereits seit 1994 auf Sri Lanka insbesondere Kinder und Jugendliche betreut. Bis zur offiziellen Übergabe der Paten-Siedlung an die Stadt Ambalangoda zum 1. Januar 2012 wurde die Arbeit der Friends Kinderhilfe für die Paten-Siedlung mit verbliebenen Lüneburger Spendengeldern unterstützt.

Mit Freude und zugegeben ein wenig Stolz erfüllt die Initiatoren von einst, dass das Lüneburger Tsunami-Hilfsprojekt ohne Unterstützung der großen Hilfsorganisationen verwirklicht werden konnte. Kein Cent der Spenden musste demnach aus dem großen Topf für Verwaltungskosten abgezweigt werden. Auch Reisekosten für das einstige Lüneburger Organisatorentrio Carsten Junge (Sparkasse), Jürgen Landmann (Stadt) und Christoph Steiner (LZ), zweimal für je eine Woche auf Sri Lanka unterwegs, fielen nicht an. Das Geld landete eins zu eins dort, wo es landen musste: bei den Opfern.

Die jüngste Ausgabe des regelmäßig erscheinenden Newsletters der Friends Kinderhilfe beschreibt auf nebenstehender Seite ausführlich das Lüneburger Paten-Projekt in Thalgasgoda und gewährt Einblicke in die heutige Situation der kleinen Siedlung. Manche Lüneburger, die während einer Sri-Lanka-Reise in jüngerer Zeit Thalgasgoda einen Besuch abgestattet haben, berichten zwar besorgt von kaputten Dächern oder fehlenden Fenstern in Siedlungshäusern, auch von Problemen bei der Wasserversorgung. Aber nach Einschätzung der Friends-Organisation handelt es sich um kaum ins Gewicht fallende Unzulänglichkeiten gemessen am allgemeinen Zustand des bettelarmen Landes am Indischen Ozean. Lesen Sie an dieser Stelle selbst den aktuellen Newsletter, den wir mit freundlicher Genehmigung der Friends abdrucken durften.