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Katrin Anic hält für ihre Kunden an der Käsetheke bei Tschorn am Platz Am Sande eine Liste mit allen Inhaltsstoffen bereit. Foto: t&w
Katrin Anic hält für ihre Kunden an der Käsetheke bei Tschorn am Platz Am Sande eine Liste mit allen Inhaltsstoffen bereit. Foto: t&w

Nichts bleibt mehr verborgen – Lüneburger Händler begrüßen neue Verordnung

us Lüneburg. Künstliche Farb- und Aromastoffe, Emulgatoren, Lecithine Lebensmittel enthalten oft mehr, als ihr äußerer Schein vermuten lässt und vielen Verbrauchern lieb ist. Doch selbst natürliche Inhaltsstoffe wie glutenhaltiges Getreide, Sojaerzeugnisse, Lactose, Eier, Nüsse oder Sesamsamen sind nicht immer unbedenklich. Sie können bei Überempfindlichkeit allergische Reaktionen hervorrufen. Seit kurzem muss nun auf diese Stoffe besonders hingewiesen werden, wenn sie in Lebensmitteln enthalten sind, das schreibt die neue Lebensmittel-Informationsverordnung der EU vor. Die LZ hat sich umgeschaut, wie Lüneburger Lebensmittelhändler mit der neuen Verordnung umgehen.

Neu ist, dass die 14 wichtigsten Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden müssen, sodass sie sich von anderen Zutaten eindeutig abheben, heißt es in einem Informationsblatt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. In der Regel sind diese Hinweise auf den Etiketten sogenannter vorverpackter Waren also alles, was nicht „lose“ angeboten wird zu finden. Neu ist, dass Informationen über Allergene auch bei unverpackten Waren vorgeschrieben sind. Dies kann per Schild direkt am Produkt, in Gaststätten in der Speise- und Getränkekarte, bei Fleisch-, Käse- oder Salattheken mittels Liste oder auch mündlich geschehen, sofern das Personal entsprechend geschult ist.

Ebenfalls neu sind die Angabenpflicht zur pflanzlichen Herkunft von Ölen und Fetten, Hinweise über Lebensmittel-Imitate etwa Pflanzenfett anstelle von Käse als Pizzabelag , das Einfrierdatum bei eingefrorenen Fleisch- oder Fischereiprodukten, Hinweise, ob Fleisch- oder Fischstücke zusammengefügt sind oder ob Zutaten enthalten sind, die aus technisch hergestellten Nanomaterialien bestehen.

Wir führen eine Liste über sämtliche Käsesorten, dort ist genau verzeichnet, welche Stoffe enthalten sind“, sagt Katrin Anic, Abteilungsleiterin bei Tschorn am Platz Am Sande. „Entweder informieren wir die Kunden mündlich, die nach den Inhaltsstoffen fragen, oder sie schauen selbst in die Liste.“ Rund 320 Käsesorten führt der Feinkostmarkt, „da können wir nicht überall ein Etikett draufstellen“, erläutert Seniorchef Manfred Tschorn. Die Auszeichnung findet er grundsätzlich in Ordnung, auch wenn „einiges in der Praxis nicht immer umsetzbar ist“. Beispielsweise die Herkunftskennzeichnung des Fleisches. Auch die sollte ursprünglich direkt auf dem Produkt stehen, doch das lehnt er ab: „Die Kunden wollen das Fleisch sehen und nicht die Schilder.“ Kompromiss mit dem Veterinäramt: Die Angaben stehen auf Etiketten, die dem Kunden auf Verlangen vorgelegt werden.

Listen für die Kunden hält auch die „Heidbäcker“-Filiale an der Grapengießerstraße bereit. „Wer hineinschauen möchte, kann das gern tun, wir kennen aber unsere Produkte und können unsere Kunden informieren“, sagt Mitarbeiterin Nicole Behrens. Im Unternehmen ist man auf die neue Informationspflicht vorbereitet: „Wir konnten schon vor zehn Jahren darüber Auskunft geben, schließlich wissen wir ja, was wir zusammenmischen“, sagt Geschäftsführer Frank Heyden. Die neue Verordnung begrüßt er, „Transparenz ist immer gut“.

„Wenn nichts drauf steht, ist auch nichts drin“, sagt Stefan Meier über die von seiner Fleischerei hergestellten Erzeugnisse, die er verpackt in seinem Geschäft anbietet. Der Mitinhaber der Fleischerei Julius Meier hat bereits vor geraumer Zeit damit begonnen, sich auf den Kreis seiner Kundschaft einzustellen, der empfindlich auf Lactose, also Milchzucker, reagiert. „Für unsere Bratwürste nehmen wir als Bräunungsmittel jetzt Zucker.“ Für die Wurst- und Salatsorten, die er an der Fleischtheke anbietet, hat auch er eine Mappe mit sämtlichen Zusatzstoffen zur Hand, „die haben wir jetzt um die Allergene ergänzt“.

Für Meike Bergmann, Inhaberin dreier Edeka-Märkte in Lüneburg und Adendorf, hat die neue Verordnung auch Nachteile: „Die spontane Krea-tivität bei der eigenen Herstellung von Salaten geht verloren“, sagt sie, denn jetzt sei dies deutlich zeit- und damit kostenintensiver. Die neue Auszeichnungspflicht indes habe keinen besonderen Aufwand erfordert, „denn außer den Allergenen hatten wir auch vorher schon entsprechende Informationen parat“.

Noch keine Listen für ihre Pralinen im Einzelverkauf hat Dörte Barisch, Inhaberin der Pralüne-Schokoladenmanufaktur. „Das Weihnachtsgeschäft hat uns da ausgebremst, aber das holen wir jetzt nach. Natürlich können wir unseren Kunden jederzeit sagen, wo­raus unsere Ware besteht, das haben wir auch bisher schon gemacht.“ Anders bei den abgepackten Schokoladen: Dort finden sich auf den Etiketten die genauen Angaben zu sämtlichen Inhaltsstoffen so, wie es die neue Verordnung fordert.