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Baumkunst im Wald – Röhren und Gatter schützen „Nachwuchs“ + + + Mit Fotogalerie

kre Embsen/Bienenbüttel. Was steht denn da im Wald? Manche schauen irritiert, für andere ist es Kunst zwischen Bäumen: Tatsächlich aber sind die Röhren und Holzgatter Wuchshilfen für Neuanpflanzungen. Sozusagen kleine Rüstungen mit Gewächshaus-Effekt, die die Bäume vor Wildverbiss und in der Anwuchsphase auch vor schnell überwuchernden Pflanzen wie Brombeere oder Adlerfarn schützen sollen.

So erinnert zum Beispiel der „Dill-Garten“ ein kleines Waldstück bei Embsen Dank der Wuchshüllen derzeit wohl eher an einen „Stelen-Garten“. Rund 500 dieser sogenannten „Tubex-Hüllen“ stehen dort in Reih und Glied. Jede einzelne ist ein Schutzmantel für eine heranwachsende Eiche. „Diese Fläche gegen Wildverbiss mit einem Zaun zu schützen, wäre wenig sinnvoll“, erklärt Förster Thorben Wulf, ,,denn dann würden wir das Wild aussperren, was wir nicht wollen.“ Dank der Tubex-Röhren können die Tiere auch auf der Aufforstungsfläche äsen ohne die kleinen Eichen zu schädigen.

Auch der Embsener Privatwaldbesitzer Dietrich Hartig sieht in diesem System eine gute Möglichkeit, auch schwierige Waldstandorte zu verjüngen. Auf gut 2,5 Hektar nutzt er die Tubex-Wuchshüllen, um Eichen vor konkurrierenden Pflanzen und vor Wildverbiss zu schützen. Auch wenn es eine vergleichsweise teure Maßnahme ist. „Sechs Euro pro Baum“, müsse man schon ausgeben, sagt Hartig, „mindestens“.

Die Vorteile: Dank der Wuchshüllen fallen später auf der Fläche weniger Pflegearbeiten an, denn Konkurrenzflora wie beispielsweise die schnell und üppig wachsende Brombeere können den Setzlingen nichts mehr anhaben. Mehrere Jahre bleiben die Röhren an Ort und Stelle. Sorge, dass sie dann irgendwann in den Baum einwachsen, brauchen Förster und Waldbesitzer aber nicht zu haben. ,,Die Hüllen haben eine Sollbruchstelle, brechen irgendwann einfach auf“, berichten Wulf und Hartig.

Auf eine andere, nicht weniger künstlerisch eindrucksvolle Weise, schützt Förster Karsten Lührs von der Revierförsterei Bobenwald seine Jungbäume bei Grünhagen entlang der Bundesstraße 4: Hier soll eine Streuobstwiese mit alten Obstbaumsorten heranwachsen. Logisch, dass diese jungen Apfel- und Birnbäume noch Schutz benötigen. Und der wird ihnen auch gewährt: Jeder der rund 70 Bäume hat einen eigenen „Gitterholzkasten“ um seinen Stamm herum. Als Verbiss- und ,,Fegeschutz“. So nennen das Förster und Jäger, wenn Rehböcke ihr Gehörn an den Stämmen reiben. Dadurch kann die Rinde beschädigt werden, der Baum absterben.

Sage da noch einer, Schutzmaßnahmen können nicht auch Hingucker sein.