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Ein entwurzelter Baum hat die Oberleitung an den Bahngleisen im Tiergarten beschädigt. Für Stunden muss die Strecke voll gesperrt werden. Foto: be
Ein entwurzelter Baum hat die Oberleitung an den Bahngleisen im Tiergarten beschädigt. Für Stunden muss die Strecke voll gesperrt werden. Foto: be

„Elon“ wirbelt durch Lüneburg

kre/dth/ca Lüneburg. Weit ist Sabine Schulz am Freitag nicht gekommen: Eigentlich hätte die Zugbegleiterin Dienst auf der Strecke Hamburg-Cuxhaven gehabt. Doch Orkantief „Elon“ macht ihr einen Strich durch die Rechnung wie Tausenden anderen Reisenden auch. Ein entwurzelter Baum im Tiergarten hat die Oberleitung auf vielen hundert Meter Länge zerstört, den Zugverkehr auf der Nord/Süd-Hauptstrecke lahmgelegt. Nichts geht mehr. Überall in Stadt und Kreis sind die Feuerwehren gefordert, umgestürzte Bäume, überflutete Straßen. In der Leitstelle heißt es: „Bei uns steht das Telefon nicht still.“

Sabine Schulz steht mit ihrem Kollegen Joachim Biermann auf dem Bienenbütteler Bahnsteig. Sie hilft, den Busverkehr zu koordinieren, den die metronom-Eisenbahngesellschaft zwischen Lüneburg und Bienenbüttel eingerichtet hat. Manche sind schon seit Stunden unterwegs. So wie Ambrei Samara mit ihren drei kleinen Kindern. Die Salzwedlerin will nach Kiel. Wann und wie die Züge fahren, keiner kann es ihr sagen. Erst einmal in den Pendelbus nach Lüneburg einsteigen, dann sieht man weiter.

Andere nutzen das Angebot von freundlichen Mitmenschen: Ein Vater ist nach Bienenbüttel gefahren, um seine ,,gestrandete“ Tochter mit dem Auto abzuholen. Fünf Plätze hat er in seinem VW-Sharan noch frei, bietet sie anderen Reisenden an. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Hil­trud Lotze nimmt das Angebot dankbar an.

Wer in Bienenbüttel auf den Bus warten muss, soll wenigstens nicht frieren: Die Johanniter haben eine Notversorgung eingerichtet. Wer möchte, kann sich mit heißem Tee und Decken etwas aufwärmen. Auch ein Johanniter-Notarzt steht bereit. Für alle Fälle.

Zugausfall! Dieser Hinweis steht hinter vielen Verbindungen auf der Tafel im Lüneburger Bahnhof. Anfangs leitet die Bahn ihre Fernzüge von Nord nach Süd noch über Rotenburg um, später beschädigen auch hier umgestürzte Bäume und herabfallenede Äste die Zugoberleitungen. Erst gegen 17.30 Uhr gibt`s die erste Entwarnung: Die Züge zwischen Hamburg und Hannover können wenigstens auf einem Gleis wieder rollen. Um 19 Uhr meldet dann auch metronom: Strecke frei, alle Züge zwischen Hamburg, Lüneburg und Uelzen fahren wieder wenn auch mit leichten Verspätungen.

Doch auch andernorts führt das Orkantief zu Stillstand: Auf der Elbe stellen gegen 12 Uhr die Fähren ,,Amt Neuhaus“ und ,,Tanja“ den Betrieb ein. ,,Unmöglich, bei diesem Sturm weiterzumachen“, sagen „Tanja“-Fährmann Detlef Stoppel und Kollegin Petra Wilhelm von der ,,Amt Neuhaus“ unisono. Wie lange die Fähren im Hafen bleiben, stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Für 70 Schüler aus der Gemeinde Amt Neuhaus, die sonst mit den Fähren auf die andere Elbseite kommen, greift der Notfahrplan. ,,Die Schulen sind informiert, die Busse organisert“, sagt Kreisprecherin Katrin Holzmann.

Gegen 13 Uhr legt das Unwetter in Lüneburg dann einen Teil des Kabelnetzes lahm: Ein Blitz, ohrenbetäubender Donnerschlag, Fernseher und Telefone simd tot, auch Internetverbindungen sind in einem Teilbereiche des Kabel-Deutschland-Netzes gekappt. „Betroffen sind rund 690 Haushalte mit Kabelanschluss im Bereich Kreideberg, Ochtmissen und Weststadt“, teilt Unternehmenssprecherin Heike Koring mit. „Die Ursache ist ein Stromausfall im Bereich des Energieversorgers. Betroffen ist auch ein Verstärkerpunkt von Kabel Deutschland.“

Vermutlich hängt der Netzausfall mit dem Blitzeinschlag in ein Privathaus an der Dempwolfstraße zusammen. Dabei wurde nicht nur das Gebäude beschädigt. Ralph Montag, Sprecher des Stromnetzbetreibers Avacon, sagt: „Der Blitz ist auch in die Hausinstallation eingeschlagen, über das Netz in benachbarte Häuser geflossen und hat dort Überspannungsschäden hinterlassen.“ Dabei wurden offenbar auch Installtionen von Kabel Deutschland beschädigt. Hingegen ist das Niederspannungsnetz der Avacon laut Montag nicht beschädigt worden.“

Von der Dempwolfstraße berichtet Volker Gätjens, stellvertretender Stadtbrandmeister, dass der Blitzschlag ein metergroßes Loch ins Hausdach geschlagen habe. Dort und in Nachbargebäuden „sind Steckdosen aus der Wand geflogen“.

Die Leitstelle meldet bis zum Abend mehr als 30 Einsätze für die Feuerwehren in Stadt und Kreis, dazu kleine Ereignisse, wo Stadt und Gemeinden selber handeln. Bäume räumen die Helfer an der Roten Bleiche und beispielsweise in Mechtersen und St. Dionys von den Straßen. Am Moorweg in Brietlingen ist ein Baum auf ein Haus gestürzt. Zudem stehen Straßen unter Wasser, weil Siele verstopft sind.

Auch heute sollen Wind und Regen munter weiterwüten: Abgesagt haben die Organisatoren das Verbrennen der Tannenbäume in Echem und Brietlingen. In der Gemeinde Soderstorf hingegen werden die ausgedienten Weihnachtsbäume heute ab 12 Uhr von der Jugendfeuerwehr zwar eingesammelt, das gemütliche Zusammensein ab 16 Uhr aber vom Osterfeuerplatz ins Feuerwehrhaus nach Rolfsen verlegt.