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Alles Unikate sind die Taschen und Rucksäcke aus Korkstoff, die Rike Henties für ihre erste Kollektion kreiert hat. Foto: t&w
Alles Unikate sind die Taschen und Rucksäcke aus Korkstoff, die Rike Henties für ihre erste Kollektion kreiert hat. Foto: t&w

Total verkorkt +++ Mit LZplay-Video

as Lüneburg. Korkeichen wachsen im gesamten westlichen Mittelmeerraum. Sie sind nicht nur Lebensraum für viele Vogel- und Tierarten, sondern auch Lieferant für den Naturstoff Kork, der aus der Rinde der Bäume geschält wird. Verwendet wird er nicht nur für Flaschenverschlüsse, Pinnwände oder Schuhabsätze und -einlagen, sondern auch in der Mode. Inspiriert hat das nachhaltige Material auch Rike Henties. Die Lüneburger Jung-Designerin ist mit einer Kork-Taschen-Kollektion unter dem Label Henties an den Markt gegangen.

Ihr Atelier hat Rike Henties gleich neben dem Wohnzimmer. Neben drei Nähmaschinen stehen dort Rollen mit Korkstoff, auf Ständern hängen Jacken und Mäntel aus dem Material sowie Taschen und Rucksäcke. Letztere hat sie bei der Messe „Infa“ in Hannover im vergangenen Oktober erstmals präsentiert. Unikate, die sie inzwischen auch über das Lüneburger Weltladencafé „Avenir“ anbietet und verkauft. Auf dem gemütlichen Sofa sitzend, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, sagt sie strahlend: „Ich schaffe jetzt etwas, das Menschen gefällt. Das ist Balsam für die Seele. Wenn einer eine meiner Taschen kauft und sich daran erfreut, dann freut mich das.“ So einfach ist das mit der Kreativität. Und Rike Henties wirkt dabei so unprätentiös, ganz anders, als man sich vielleicht Designer vorstellt.

Es hat eine schöne Leichtigkeit, wenn die 27-Jährige erzählt, wie sie den Weg zu ihrer ersten Taschen-Kollektion genommen hat. Mit 11 Jahren hat sie mit einer Freundin schon Modedesignerin gespielt, auf dem Papier Kleider gezeichnet und die dann „für 1000 Mark“ gedanklich verkauft. Halt so ein Spiel. Schon vor dem Abi am Bernhard-Riemann-Gymnasium im Jahr 2006 stand für sie fest: Ich möchte was Handwerkliches machen, zum Beispiel als Goldschmiedin arbeiten. „In der 11. Klasse habe ich dann ein Praktikum in der Schneiderei des Lüneburger Theaters gemacht, das war cool, nicht nur, weil die Atmosphäre dort so toll war.“ Danach stand für sie fest, unbedingt eine Schneiderlehre. Die Ausbildung zur Maßschneiderin mit Fachrichtung Herren, die sie schließlich am Theater absolvierte, „war wunderbar, aber ich habe gewusst, ich will nicht nur an der Nähmaschine sitzen“. Rike Henties entschied sich, die private Modeschule „Fahmoda“ in Hannover zu besuchen, absolvierte eine dreieinhalbjährige Ausbildung in Maßschneiderei und Mode-Design. Ihr Anliegen: das Handwerkliche vertiefen und Einblicke ins Design zu bekommen.

„Während des Studiums verlagerte sich aber mein Schwerpunkt auf das Design.“ Befördert wurde das auch dadurch, dass sie gleich zweimal beim Frankfurter Style Award, bei dem junge Talente aus aller Welt ihre Kreationen präsentieren können, Preise abräumte. Das sei total wichtig für ihr Selbstbewusstsein gewesen, denn Druck und Konkurrenzkampf in Modeschulen seien schon enorm. Und das Hypen der eigenen Kreativität ist Rike Henties Sache nicht. Ihr ist nur eines wichtig: „Ich möchte etwas selbst kreieren, zum Anfassen, was andere schätzen, weil es handmade ist.“

Für ihre Abschlussarbeit ließ sie sich von Fliesengestaltungen im Stockholmer Hauptbahnhof inspirieren, setzte diese mit Korkleder, das ganz unterschliedliche Strukturen hat, zu puristischen Kleidungsstücken um. „Ich liebe Baumärkte“, sagt sie lächelnd, „hab mich dort nach Korkmaterial umgeschaut, aber das ist zu fest und ließ sich nicht zum Schneidern verwenden.“ In dem Laden „Incorknito“ in Hannover fand sie das richtige Material: Korkstoff. Im März vergangenen Jahres präsentierte sie ihre Abschluss-Kollektion mit viel Applaus.

Sich danach selbstständig machen, das wollte Rike Henties eigentlich gar nicht. „Ich hatte Angst, was da auf mich zukommt.“ Und irgendwo anheuern in Berlin, München oder Paris bei einer großen Modefirma, war irgendwie auch nicht ihr Ding. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass sie viel zu gern ist in Lüneburg mit den Freunden und der Familie in Scharnebeck. Den letzten Anstoß, ihr eigenes Ding zu machen, habe ihr Dörte Meyer gegeben, die in Hamburg in ihrem Atelier DFM unter anderem Maßkleidung anfertigt. In dem „Handwerksbetrieb“ machte sie ein Praktikum, „tolle Zeit“. Danach stand für sie fest: Ich melde mein eigenes Gewerbe an.

Seit Juli kreiiert sie nun Taschen und Rucksäcke, die nicht nur aufgrund der Strukturen des Materials Korkstoff einzigartig sind. Auslöser für die nächste kreative Arbeit können zum Beispiel ein Knopf oder die Tasche an einer Jacke bei jemandem sein, den sie zufällig auf der Straße sieht. Daraus erwächst eine Idee, gepaart mit Kreativität und Handwerk entsteht das nächste schöne Stück. „Im Moment sind es noch Taschen, aber wenn jemand ein Kleid möchte, mach ich das auch“, sagt die Designerin und hat die Worte von Dörte Meyer im Hinterkopf: „Mach doch einfach, leg los.“

Weitere Informationen gibt es unter www.henti.es im Internet.