Mittwoch , 28. September 2016
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Eine Tanne stürzte an der Straße An der Trift in Bleckede auf ein Wohnhaus. Der Baum wurde von Feuerwehrleuten gesichert und wird heute von einer Firma abtransportiert. Foto: feuerwehr
Eine Tanne stürzte an der Straße An der Trift in Bleckede auf ein Wohnhaus. Der Baum wurde von Feuerwehrleuten gesichert und wird heute von einer Firma abtransportiert. Foto: feuerwehr

„Felix“ peitscht über Lüneburg +++ mit LZplay-Video und Fotogalerie

rast Lüneburg. Das Sturmtief hielt auch am Wochenende die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehren in der Region Lüneburg in Atem, „Felix“ peitschte mit Starkregen und schweren Sturmböen über Stadt und Kreis Lüneburg. In der Einsatzleitstelle hieß es: „Das war die Hölle. 45 Minuten lang waren alle sechs Leitungen blockiert, so etwas haben wir noch nie erlebt.“ Bis Samstagabend zählte die Leitstelle 110 Einsätze, gestern, 11. Januar, kamen noch einmal 15 dazu.

Der Bahnverkehr zwischen Bienenbüttel und Lüneburg war auch am Sonnabend unterbrochen, die Strecke wurde erst am Sonntagmorgen um 7 Uhr wieder freigegeben. Es gab allerdings weiterhin Beeinträchtigungen. Björn Pamperin, Sprecher der Metronom-Eisenbahngesellschaft, sagte gestern Abend: „Ab Montag rollen die Züge wieder pünktlich.“

Ein entwurzelter Baum im Tiergarten hatte am Freitag die Oberleitung auf einer Länge von mehreren hundert Metern zerstört und so die Nord/Süd-Hauptstrecke lahmgelegt. Zwischen Lüneburg und Bienenbüttel setzte Metronom bis gestern Morgen zehn Busse ein, Pamperin: „Am Vormittag fuhren die meisten Züge in Folge der Samstagsauswirkungen mit Verspätungen von bis zu 30 Minuten, am späten Nachmittag hatte sich die Situation mit bis zu 15 Minuten einigermaßen stabilisiert.“ Der Sprecher lobt „die notwendige Geduld der Fahrgäste, sie waren darauf eingestellt“. Übernommen worden seien auch die Fahrgäste aus dem Fernverkehr. „Keiner ist irgendwo gestrandet.“ In Bienenbüttel seien die Johanniter weiter im Einsatz gewesen, hätten Fahrgäste mit Tee und Decken versorgt: „Gerade für ältere Reisende war das ja sehr anstrengend.“ Auf der Strecke Lüneburg-Hamburg gab es Verspätungen: „Einige Züge kamen aber pünktlich an, das hat auch mich überrascht.“

Die Fähre „Amt Neuhaus“ hatte am Sonnabendnachmittag erneut ihren Betrieb eingestellt, fuhr laut Fährfrau Petra Wilhelm auch gestern bis 14 Uhr „nur mit halber Kraft“. Die Fähre „Tanja“ dagegen verkehrt zwischen Neu Darchau und Darchau laut Betriebsleiter Erwin Kruse gestern und Sonnabend ohne Ausfälle.

Der Polizei wurden am Sonnabend 22 umgeknickte Bäume gemeldet, die auf Straßen stürzten oder ragten. Die Polizei begleitete laut ihrem Sprecher Olaf Nickel neun Einsätze: „Unter anderem an der Thorner Straße auf dem Kreideberg hatte der Sturm vier Bäume umgeblasen, am Christinenhof war es ein Baum. In Lemgrabe hatten sich zwei Bäume auf der Straße ineinander verkeilt, eine schwierige Aufräumaktion. Ein Baum blockierte die Ostumgehung just in der Kurve zwischen Adendorf und Ebensberg, wo es häufiger Unfälle gibt. Passiert ist am Sonnabend hier aber glücklicherweise nichts.“ Beschäftigt wurden die Beamten auch durch Bauzäune, die sich selbstständig gemacht hatten. Und der Sturm fegte auch Dachziegel von Gebäuden: „Betroffen waren ein Haus an der Wallstraße in Lüneburg, der Bardowicker Dom und die Schule in Neetze.“

Zwei große Tannen vom Nachbargrundstück fielen auf das Dach der Privatklinik Dr. Havemann an der Barckhausenstraße in Lüneburg, der Mediziner Wolfgang Schäfer sagt: „Als Segler weiß ich natürlich, dass die Rückseite nach so einer Sturmfront nicht allzu lange anhält, bevor die nächste Front kommt. Wir mussten also die Tannen in diesem Zeitintervall kappen, damit sie nicht während der zweiten Front anfingen zu segeln und den Dachstuhl zerstört hätten. Dann hätten wir die Patientinnen verlegen müssen.“ Mit Hilfe der Feuerwehr sei dies gelungen.
Durch eine heftige Sturmböe wurde der Verkaufsanhänger eines Bardowicker Marktbeschickers auf der Bundesstraße 4 im Bereich Tätendorf-Eppensen erfasst. Der Anhänger kippte um und blieb auf der Seite am Straßenrand liegen. Die Feuerwehr richtete den Wagen wieder auf, der Schaden liegt nach einer Polizeischätzung bei mehreren Tausend Euro. Glück hatte ein 60-jähriger Bodenteicher, als kurz vor Uelzen ein etwa zehn Meter langer Ast von einem Baum abgerissen wurde: Der Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, der Ast bohrte sich durch den Kühler in den Motorraum, blieb dort stecken. Der Fahrer wurde nicht verletzt, der Wagen hat Totalschaden.

Zehn Einsätze fuhren die Bleckeder Feuerwehren. In Barskamp etwa stürzte ein Baum auf ein Auto. An der Straße An der Trift in Bleckede war eine Tanne auf ein Wohnhaus gefallen. Der Baum wurde von den Einsatzkräften gesichert und wird heute von einer Firma entfernt. Am Sportplatz drohte eine große Tanne, auf ein benachbartes Haus zu stürzen. Der Baum war bereits gespalten und bewegte sich bei jeder Windböe. Mit der Drehleiter wurde das Windenseil zur Sicherung angebracht. Danach konnte der Baum von den Einsatzkräften gefällt werden.

Zwölf unwetterbedingte Einsätze registrierten die Feuerwehren der Samtgemeinde Dahlenburg. In Tosterglope beispielsweise fiel ein Baum auf ein Haus, und in Dahlenburg musste die Feuerwehr eine Antenne von einem Dach entfernen, die abzustürzen drohte. 13 Einsätze meldete die Feuerwehr Ostheide, beim Klostergut Willerding in Wendisch Evern traf ein Baum ein Auto.

Der Forstwirtschaftliche Leiter der Hansestadt Lüneburg, Michael Stall, rät Spaziergängern davon ab, die städtischen Wälder zu betreten. „Der Sturm hat einiges angerichtet, wir sind dabei aufzuräumen, aber das geht nicht von heute auf morgen, zumal auch noch stürmische Tage angesagt sind“, so Stall. Zum Teil hätten umgestürzte Bäume Wege versperrt. Noch gefährlicher seien aber angebrochende Kronen bzw. Teile davon, die zum Teil noch über den Wegen in den Bäumen hängen. „Das sieht man auch nicht immer gleich, aber wenn sie herunterstürzen, kann das sehr gefährlich werden.“ (sp)

>>> Fotogalerie Sturmschäden Januar 2014