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Sie hatten alle Hände voll zu tun (v.l.): Klaus Riecken, Timm Born, Edeltraud Kossolobow (hinten), Bela Kiss und Ferdi Born machen mit beim Reppenstedter Reparaturcafé. Foto: uk
Sie hatten alle Hände voll zu tun (v.l.): Klaus Riecken, Timm Born, Edeltraud Kossolobow (hinten), Bela Kiss und Ferdi Born machen mit beim Reppenstedter Reparaturcafé. Foto: uk

Reparieren statt Wegwerfen – Erstes Reppenstedter Reparaturcafé

uk Reppenstedt. Rainer Timme hat gleich mehrere Dinge mitgebracht: Eine bunte Schreibtischlampe, seine warme Arbeitsweste und eine schwarze Jeans. Allen drei Teilen gemeinsam ist, dass sie kaputt sind: Die Leuchte bleibt trotz neuer Glühbirne dunkel, der Reißverschluss der Weste ist herausgerissen und in der Hose klafft am Knie ein breiter Riss. Im Keller der Auferstehungskirche ist Timme an diesem Sonnabend damit genau richtig. Auf Kunden wie ihn wartet das erste Reparaturcafé in Reppenstedt. Auf ehrenamtlicher Basis und unentgeltlich werden hier kaputte Alltagsgegenstände repariert, gemeinsam getüftelt und Tipps weitergegeben. „Ich finde die Idee super“, sagt Timme, „ich hab zwar keine Ahnung, ob man meine Sachen noch reparieren kann. Aber ich würde mich gern selbst einbringen. Löten kann ich zum Beispiel gut, aber von Strom lass ich die Finger.“

Das hört Timm Born, Initiator der Reppenstedter Initiative, natürlich gern. Nachdem im vergangenen Jahr in Scharnebeck das erste Reparaturcafé im Landkreis an den Start ging, hat er die Idee nun in seinen Heimatort getragen. „Ich repariere zu Hause viele Dinge“, sagt der Elektroinstallateur und Berufsschullehrer. „Dabei ärgere ich mich immer wieder darüber, dass Geräte gezielt mit Schwachstellen hergestellt werden, die schnell kaputt gehen, kleinen Federungen aus Plastik etwa. Oder es fehlt die Schraube zum Öffnen, da wird der Föhn komplett vernietet oder verklebt. Das ist sehr schade, weil durch das Wegwerfen Ressourcen und Energie verloren gehen.“

Etliche Mitstreiter für die Idee hat Born bereits gefunden: Drei Elektroinstallateure, ein Heizungs- und Lüftungsfachmann, ein Elektronikingenieur und zwei Näherinnen sitzen gebeugt über teils kniffligen Aufgaben in einem Raum. Edeltraud Kossolobow reicht ein Blick auf Timmes Arbeitsweste: „Kein Problem, da ist nur die Naht aufgerissen“, stellt die passionierte Hobbynäherin fest und rückt sich das Kleidungsstück auf der Nähmaschine zurecht. Für die kaputte Hose gibt´s einen Flicken. „Den nähe ich von innen fest, das fällt weniger auf“, erklärt sie. Die Schreibtischlampe hat zum Glück eine Schraube am Boden, so dass die Techniker sie öffnen und die Elektrik durchmessen können. Auf dem Tisch warten aber noch andere Aufgaben: eine Lichterkette vom Weihnachtsbaum oder eine ältere Lautsprecherbox, deren Innenleben sich Bela Kiss vorgenommen hat: „Noch stehe ich vor einem Rätsel“, gesteht der Ingenieur, „da muss man Schritt für Schritt die Kontakte überprüfen.“

Zur Stärkung gibt´s für Kunden wie Bastler leckeren Kuchen, manch ein Kunde ersteht auch am Flohmarkttisch etwas Brauchbares, das andere abgegeben haben. Zufriedene Kunden bedanken sich mit einer kleinen Spende, die für die Anschaffung von Werkzeug eingesetzt werden soll. Als Gemeinschaftsprojekt gegen die Wegwerfmentalität verstehe sich das Reparaturcafé, betont Born: „Wir kümmern uns um die Dinge, bei denen eine Reparatur im Fachbetrieb nicht lohnt.“

Künftig geöffnet ist jeden zweiten Sonnabend im Monat, 14 bis 18 Uhr.

2 Kommentare

  1. Super Idee !! Ich glaube das ich es nicht nutzen würde (Meiner Ausrede: Zeit) .. aber ich finde es klasse das es einen Raum gibt, wo man(n) sich über technische Probleme austauschen kann (und diese dann hoffentlich löst). Von mir also … DAUMEN HOCH für Initiativen gegen die geplante Obsoleszenz !!!

  2. ich wünsche der tatkräftigen familie alles gute . schließlich sind wir freunde.