Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Wasserstände der Elbe wie hier am Pegel Hohnstorf mit der Lauenburger Altstadt im Hintergrund werden in den kommenden Tagen stark ansteigen. Rekordwerte wie im Sommer 2013 erwarten die Behörden an der Elbe jedoch dieses Mal nicht. Foto: t&w
Die Wasserstände der Elbe wie hier am Pegel Hohnstorf mit der Lauenburger Altstadt im Hintergrund werden in den kommenden Tagen stark ansteigen. Rekordwerte wie im Sommer 2013 erwarten die Behörden an der Elbe jedoch dieses Mal nicht. Foto: t&w

Dauerregen lässt Flüsse anschwellen – Pegelstand steigt um mehr als zwei Meter in drei Tagen

ml/kre Lüneburg. Die heftigen Niederschläge in den vergangenen Tagen lassen die Pegelstände an den Flüssen auch im Raum Lüneburg steigen. Noch sind die Wasserstände an der niedersächsischen Elbe zwar konstant, doch am Oberlauf ist der Strom deutlich angeschwollen am Pegel Dresden von 170 Zentimeter am Freitag auf 438 Zentimeter gestern Morgen. In den kommenden Tagen erreicht die Welle den Kreis Lüneburg.

Erheblich gestiegen ist bereits der Wasserstand an der Ilme­nau. Wurden am Pegel Bienenbüttel am Freitagnachnittag noch 89 Zentimeter gemessen, waren es gestern schon 175 Zentimeter. Die Ilmenauwiesen bei Deutsch Evern und im Tiergarten sind überflutet.

Für den Elbepegel Neu Darchau hat die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einen Anstieg der Elbe von 311 Zentimeter auf 505 Zentimeter bis kommenden Montag errechnet. Auch wenn in Schöna in Sachsen der Richtwert für die Hochwasser-Alarmstufe 1 bereits überschritten wurde, sieht die Landesbehörde dennoch „viel Luft nach oben“. Und: In Schöna und Dresden gehen die Wasserstände derzeit wieder leicht zurück.

Entsprechend gelassen ist auch Norbert Thiemann, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes (ADV): Von einem Elbe-Hochwasser wie im Sommer 2013, so der Deich-Experte, sei man weit entfernt. Auch wenn es in den kommenden Tagen weiter regnen soll. Thiemann: ,,Für den kommenden Montag ist für den Pegel Hohnstorf ein Wasserstand von 6,50 Meter vorhergesagt.“ Eine Messmarke noch unter dem mittleren Hochwasser, das in Hohnstorf bei 7,33 Meter liegt. Und weit entfernt von den Höchstständen des Sommers 2013 mit einem Pegelstand von 9,56 Meter in Hohnstorf.

Trotzdem werde der Deichverband die Situation an der Elbe weiter im Auge behalten, sagt Thiemann, den die Hochwasser der vergangenen Jahre vor allem eines gelehrt haben. „Deichbau und -unterhaltung ist eine Daueraufgabe!“ Denn die Hoffnung, dass mit dem Lückenschluss bei Artlenburg 2003 zumindest die großen Deichbauarbeiten erledigt seien, habe sich als trügerisch erwiesen. Denn nicht nur, dass die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden, die das Hochwasser 2013 an den Deichen angerichtet hat, noch nicht vollständig abgeschlossen sind mit der Sanierung der Deichkronen geht auch eine bis zu 30 Zentimeter Erhöhung der Deiche einher. Das ist genau die Höhe, um die sie während des Hochwassers mit Sandsäcken und Erdwällen erhöht worden waren.

Doch mit dieser Erhöhung kommen die Deichbauer auch an ihre Grenzen: Durch diese Baumaßnahme wurde die Deichkrone von fünf auf drei Meter verjüngt. ,,Weniger geht nicht, weil sonst unsere Fahrzeuge zur Pflege und Unterhaltung des Deiches nicht mehr auf der Deichkrone fahren können“, klärt Thiemann auf.

Diese Tatsache stellt die Deichbauer mittel- bis langfristig vor neue Probleme. Denn wenn noch höhere Deiche notwendig werden, müssen die im wahrsten Sinne des Wortes auf breitere Füße gestellt werden. Ins Deichvorland hineinzubauen, wäre kontraproduktiv. „Das würde die Überflutungsfläche der Elbe verkleinern, das Wasser schon deshalb höher aufstauen“, erläutert Thiemann. Ergo: Platz für die Deichverstärkung findet sich nur landeinwärts. ,,Wir sprechen da von sechs Metern“, sagt Thiemann ,,und da kann es vielerorts schon eng werden.“ Zwar ist das noch Zukunftsmusik, aber ,,wir werden darüber nachdenken müssen“, prophezeit der ADV-Geschäftsführer.

Gleichzeitig sieht Thiemann noch einen weiteren Gefahrenherd für die Elbdeiche im Raum Lüneburg. So wirken Sturmfluten an der Nordseeküste bis weit ins Binnenland. Deutlich wurde das am vergangenen Wochenende, vor allem aber beim Orkan ,,Xaver“ im Winter 2013. Was passiert, wenn die Elbe Rekordhochwasser führt und gleichzeitig eine Sturmflut das Abfließen der Wassermassen verhindert, mag sich der ADV-Geschäftsführer gar nicht vorstellen: ,,Dann würde sich alles Wasser bei uns stauen und die Deiche massiv gefährden.“