Dienstag , 27. September 2016
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Endlich ein Platz für ihre Kinder direkt an ihrem Arbeitsplatz. Darüber freuen sich die Mitarbeiter im Seniorenpflegeheim Domicil. Foto: A./t&w
Endlich ein Platz für ihre Kinder direkt an ihrem Arbeitsplatz. Darüber freuen sich die Mitarbeiter im Seniorenpflegeheim Domicil. Foto: A./t&w

Betriebskita Domicil: Die Kleinen toben im Altenheim

us Lüneburg. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, für junge Mütter und Väter gerät das nicht selten zu einer enormen Herausforderung. Aber auch Unternehmen erkennen, dass sie ohne eigene Betreuungsangebote für den Nachwuchs ihrer Mitarbeiter Gefahr laufen, ihre vorhandenen Fachkräfte zu verlieren oder geeignete gar nicht erst zu finden. Das Seniorenpflegeheim Domicil hat sich dieser Situation gestellt, gestern hat die Einrichtung an der Stresemannstraße ihre eigene Kindertagespflegestelle eröffnet.

„95 Prozent der Mitarbeiter im Pflegebereich sind Frauen. Man muss neue Wege gehen, wenn man die gut ausgebildeten jungen Mütter für sich gewinnen will“, sagt Silke Dreifürst. Die Leiterin des Seniorenheims weiß noch aus eigenen früheren Erfahrungen, wie schwer es ist, Familien- und Arbeitszeiten so zu koordinieren, dass keiner zu kurz kommt.

„Jetzt habe ich die Sache selbst in die Hand nehmen können“, sagte sie anlässlich der Eröffnung der zwei Räume, die im Untergeschoss des Gebäudes täglich von 7 bis 13 Uhr zur Verfügung stehen. Auch ein Kinderspielplatz im Freien gehört dazu.

Rund 10000 Euro hat das Domicil investiert, um die Räume kind- und fachgerecht einzurichten. Die Kosten für die festangestellte Tagespflegemutter werden zu 50 Prozent aus einem Fördertopf des Europäischen Sozialfonds (ESF) bestritten, den Rest tragen Stadt und Landkreis beziehungsweise die Eltern mit ihren Beiträgen. Die Kosten für den Betrieb der Tagespflegestelle übernimmt das Pflegeheim, „die sind aber überschaubar und für uns eine Investition in die Zukunft“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Insgesamt fünf Plätze stehen zur Verfügung, allesamt sind bereits für Mitarbeiter des Pflegeheims vergeben. „Die Nachfrage ist groß, wir prüfen, ob wir noch weitere Plätze anbieten, doch dazu müssten wir eine weitere Tagespflegemutter einstellen“, sagt Silke Dreifürst. Betreut werden die Kinder von Stefanie Zahmel, die als Ergotherapeutin im Domicil arbeitet. Für ihre neue Aufgabe hat sie sich vom evangelisch-lutherischen Kindertagespflegeverband in Lüneburg schulen lassen, ein halbes Jahr dauerte die Qualifikation.

„So eine Einrichtung wünschen wir uns“, sagte Bürgermeister Eduard Kolle bei der gestrigen Eröffnungsfeier. 982 Plätze für Kinder unter drei Jahren gebe es in der Stadt, allein 362 davon in der Tagespflege. „Bei rund 2000 Kindern unter drei Jahren, die in Lüneburg leben, ist das eine Quote von 49 Prozent“, sagte Kolle. Das sei zwar viel, „aber es gibt nie genug“, sagte er mit Blick auf den weiteren Bedarf, den die Hansestadt aufgrund des anhaltenden Zuzugs verzeichnet. Er hoffe daher, dass dieses Beispiel auch bei anderen Unternehmen in der Stadt Nachahmung findet.