Aktuell
Home | Lokales | Trinken bis zum Umfallen
Quelle: Klinikum, Grafik: Köhler
Quelle: Klinikum, Grafik: Köhler

Trinken bis zum Umfallen

ca Lüneburg. Die Zahl der jugendlichen Komasäufer ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr in Niedersachsen zurückgegangen, diesen Trend beobachtet auch die Lüneburger Kinderklinik. Allerdings greifen inzwischen verstärkt Mädchen zur Flasche und trinken bis zum Umfallen.

„Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes sank die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2012 um 17,6 Prozent. Damit bestätigt sich der positive Bundestrend auch in Niedersachsen“, bilanziert die Krankenkasse DAK. „Während die Zahl der männlichen Betroffenen im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent sank, gab es bei Mädchen und jungen Frauen einen Rückgang von 13,5 Prozent“.

Eine ähnliche Auswertung hatte es auch für das benachbarte Hamburg gegeben. Dort kam die DAK zu dem Schluss, dass mehr Mädchen heftig trinken. Der Chef der Lüneburger Kinderklinik, Prof. Dr. Josef Sonntag, der auf noch aktuellere Zahlen zugreifen kann, sagt: „Auch am Städtischen Klinikum Lüneburg ist die Zahl der wegen einer Alkoholvergiftung behandelten Jugendlichen im Jahr 2014 im Vergleich zu 2013 von insgesamt 78 auf 60 zurückgegangen und hat damit wieder das Niveau von 2012 mit 59 Fällen erreicht. Allerdings lässt sich auch in unserer Klinik der für Hamburg beschriebene Trend bestätigen, dass es inzwischen mehr Mädchen als Jungen sind, die in Folge von Alkoholmissbrauch behandelt werden müssen.“

Bei der Drogenberatungsstelle in Lüneburg vermutet Präventionsfachkraft Sylvia Gerber, dass der Rückgang einen Grund in besserer Aufklärungsarbeit haben könnte. Drobs und das Städtische Klinikum arbeiten zusammen. So werden Kinder und Eltern nach einem Alkoholexzess des Kindes angesprochen und beraten. Zudem setzen Fachleute auf das Gespräch vor Ort: Mitarbeiter in Märkten sind darauf aufmerksam gemacht worden, sich an das Jugendschutzgesetz zu halten. Obendrein gab es in Zusammenarbeit mit Behörden Testkäufe, bei Verstößen muss das Personal mit Bußgeldern rechnen. HaLt heißt das Präventionsprogramm Hart am Limit.

Ein Blick auf die Zahlen, die Chefarzt Sonntag erhoben hat, zeigt, dass die Mädchen über die vergangenen Jahre beim massiven Alkoholkonsum kräftig zugelegt und die Jungen in der Region beim Komatrinken übertroffen haben. Warum die Mädchen ihren Altersgenossen inzwischen den Rang ablaufen, ist unklar.