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Eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge plant die Stadt auf der Fläche neben dem Einkaufszentrum auf dem früheren Garbersbau-Gelände. Foto: be
Eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge plant die Stadt auf der Fläche neben dem Einkaufszentrum auf dem früheren Garbersbau-Gelände. Foto: be

Platz für 300 weitere Flüchtlinge

as Lüneburg. Insgesamt 300 Flüchtlinge haben derzeit Unterkunft in Lüneburg gefunden: 150 in der ehemaligen Schlieffenkaserne, 100 am Meisterweg, 50 am Ochtmisser Kirchsteig, wo noch 50 Plätze frei sind. Das Land hat der Stadt schon avisiert, dass bis September weitere 306 Menschen untergebracht werden müssen. Die Stadt hat längst weitere Standorte im Visier, die Vorbereitungen für zusätzliche Unterkünfte in den Stadtteilen Rettmer und Häcklingen laufen auf Hochtouren. „Ob das dann ausreicht, werden wir nach dem Sommer entscheiden“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Voraussichtlich im Juli soll die Containeranlage auf dem Gelände der Avacon in Rettmer fertiggestellt sein. Der Pachtvertrag mit der Avacon sei geschlossen, Container aus der Theodor-Körner-Kaserne habe man sich gesichert. In diesen soll wie am Ochtmisser Kirchsteig Platz für bis zu 100 Menschen sein. Die Stadt will nun den Bauantrag auf den Weg bringen.

Einen weiteren Standort soll es in Häcklingen geben. „Wir haben bereits geprüft, welche rund 7000 Quadratmeter großen Areale sich anbieten, die möglichst nah an Versorgungsleitungen liegen und eine Anbindung an die Infrastruktur haben.“ Drei bis vier Grundstücke habe man „identifiziert“, sagt Mädge. Doch bei drei Eigentümern stieß die Anfrage auf Ablehnung – das erlebt die Stadtverwaltung nicht zum ersten Mal. Laufende Pachtverträge wurden unter anderem als Grund benannt, aber es wurde auch die Befürchtung geäußert, dass, wenn man das Grundstück zur Verfügung stellen würde, es Ärger mit Nachbarn geben oder man von Rechtsradikalen bedrängt werden könnte, berichtet Mädge. „Wir haben aber auch in Häcklingen städtische Flächen, auf die wir zurückgreifen können.“ Ende Februar soll die Vorauswahl abgeschlossen sein, im März werde man die Pläne bei einer Bürgerversammlung vorstellen.

Rund 1,5 Millionen Euro kostet eine Anlage. 95 Prozent davon bekommt die Stadt vom Landkreis, der vom Land mit der Unterbringung der Flüchtlinge beauftragt ist. Der Landkreis wiederum erhält jedoch nur 70 Prozent der Kosten vom Land. Mädge hofft, dass nun das mit Nachdruck umgesetzt wird, was Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel jüngst eingefordert hat: Der Bund muss alle Kosten übernehmen.

Die Stadt stehe für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge, da sind sich Verwaltung und Politik einig – Sporthallen wie in anderen Städten seien keine Alternative. „Zeitgleich müssen Bildungsmaßnahmen einsetzen und die Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Und um die Integration zu forcieren, bedarf es einer Vermittlung unserer Kultur und unserer Werte“, unterstreicht Mädge auch mit Blick darauf, dass die Krisen dieser Welt nicht in absehbarer Zeit beendet sein werden und Flüchtlinge hier bleiben. Damit diese Aufgabe bewältigt werden kann, bedürfe es auch weiter der Unterstützung vieler Bürger sowie der Wirtschaft, appelliert der Verwaltungschef.