Dienstag , 27. September 2016
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Zwischen 2000 und 4000 Enten jährlich hat die Freiherr von Spoercken GmbH unter anderem an diesem Teich nahe Lüdersburg ausgesetzt. „Ein deutlicher Überbesatz“, urteilt der Kreis. Foto: t&w
Zwischen 2000 und 4000 Enten jährlich hat die Freiherr von Spoercken GmbH unter anderem an diesem Teich nahe Lüdersburg ausgesetzt. „Ein deutlicher Überbesatz“, urteilt der Kreis. Foto: t&w

Der Fall von Spoercken: Aussetzen von Enten verboten

kre Lüdersburg/Lüneburg. ,,Ich bin nicht der Gewinner, sondern die Natur.“ Thomas Mitschke gibt sich bescheiden. Seit Monaten kämpft der Vorsitzende des NABU-Kreisverbandes Lüneburg gegen mutmaßliche Verstöße gegen Wasser-, Naturschutz- und Jagdgesetze der Freiherr von Spoercken GmbH & Co. KG in Lüdersburg. Jetzt hat der Umweltschützer einen ersten Sieg errungen. Denn in einer zehnseitigen Verfügung hat der Kreis als Aufsichtsbehörde dem Lüdersburger Unternehmen mit sofortiger Wirkung das Aussetzen von Enten für die Jagd und die Fütterung von Wasservögeln verboten. Zudem müssen mehrere Teiche saniert, dazu muss ein fachgutachterliches Konzept vorlegt werden.

,,Der Ortstermin hat gezeigt, dass ein deutlicher Überbesatz an Stockenten zu verzeichnen war“, heißt es in der Begründung des Kreises. Von 2000 bis 4000 Enten jährlich ist in dem Schreiben die Rede, ,,die ganzjährig bis kurz vor dem Abschuss gefüttert werden“. Nach jagdrechtlichen Bestimmungen, so der Kreis weiter, „seien Jagd und Hege aber so durchzuführen, dass die biologische Vielfalt und ein artenreicher und gesunder Wildbestand … erhalten bleiben“. Und weiter: „Die hohe Anzahl der jährlich zum Zwecke der kommerziellen Jagdausübung ausgesetzten Enten … und die vorgenommenen Fütterungen greifen erheblich in ein biologisches System ein.“ Das Gleichgewicht der Arten sei nicht mehr gegeben.

Max von Spoercken, Revierjagdmeister Sascha Schmitt,  und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche (v.l.) an einem der umstrittenen Teiche in Lüdersburg.  Foto: t&w
Max von Spoercken, Revierjagdmeister Sascha Schmitt, und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche (v.l.) an einem der umstrittenen Teiche in Lüdersburg. Foto: t&w

Während BUND-Vorstandsmitglied Karl Wurm durch die Verfügung alle Vorwürfe der Umweltverbände bestätigt sieht, sagt der Rechtsanwalt der Freiherr von Spoercken GmbH, Dr. Florian Asche: ,,Der Bescheid wimmelt von juristischen Fehlern.“ Und der Hamburger Jurist kündigt an: „Wir werden gegen die Verfügung juristisch vorgehen.“

Bis Ende Januar hat Dr. Asche dazu Zeit, dann läuft die Widerspruchs-, beziehungsweise die Klagefrist beim Verwaltungsgericht Lüneburg ab. Für den Hamburger Juristen ist die Verfügung des Kreises ein weiterer Beleg dafür, „dass der Landkreis als ein vom Nabu und BUND Getriebener agiert, der nur aus Angst vor den Naturschutzverbänden Verfügungen erlässt“.

Die Anordnung des Landkreises bezieht sich allerdings „nur“ auf die Teiche und die Entenjagd. Die juristische Bewertung des Lüdersburger Jagdgatters steht noch aus. ,,Dazu haben wir das Landwirtschaftsministerium in Hannover als unsere vorgesetzte Behörde eingeschaltet“, erläutert Wolfram Kallweit, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Umwelt beim Landkreis Lüneburg.
Die Einschätzung aus Hannover wird allerdings noch auf sich warten lassen: ,,Die Bearbeitung der tierschutzrechtlichen und jagdrechtlichen Fragen wird noch bis voraussichtlich Ende Januar andauern“, sagt Ministeriumssprecher Manfred Böhling. Erst danach werde das Ministerium dem Landkreis die zu prüfenden Kriterien und die grundsätzlich einzuhaltenden Anforderungen mitteilen können. „Der Landkreis hat dann unter Beachtung dieser Darlegungen in eigener Zuständigkeit anhand des konkreten Sachverhaltes zu entscheiden. Nicht zuletzt wegen der erheblichen Bedeutung für den Betrieb ist eine sorgfältige Prüfung erforderlich und selbstverständlich“, erklärt Böhling.

Dass sich die Aufklärung der Misstände bereits über Monate hinzieht und wohl noch länger dauern wird, begründet Kallweit auch mit der komplizierten Rechtslage: „Es sind mehrere Rechtsgebiete betroffen, so das Jagd- und auch das Wasserhaushaltsgesetz. Im Falle Lüdersburg greifen beide Rechtsinteressen sogar noch ineinander.“

Und die Naturschutzverbände lassen nicht locker. Matthias Fabian vom BUND fordert: „Die Verfügung ist ein wichtiger erster Schritt zur Behebung der rechtswidrigen Zustände in Lüdersburg. Jetzt muss eine Bestrafung der Verantwortlichen folgen.“